Homepage » Luftverkehr » Mit Loganair zur Whisky-Insel

Die schottische Regionalfluggesellschaft Loganair betreibt einige bemerkenswerte Flugstrecken, darunter auch die kürzeste Linienflugverbindung der Welt. Die Verbindung von Glasgow nach Islay wird besonders von Whisky-Liebhabern geschätzt, da sie den schnellsten Weg zu einem der Zentren der Whisky-Herstellung darstellt.

14.03.2026

Eine ATR 42-600 der Loganair auf dem internationalen Flughafen von Glasgow. © Ralf Kurz

In Schottland ist das Nationalgetränk Whisky der wichtigste Exportartikel. Er generiert jedes Jahr einen Umsatz von fast sechs Milliarden Pfund. Seit über fünf Jahrhunderten decken 130 Brennereien ein Drittel der weltweiten Nachfrage. Die auch als Scotch bezeichnete Spirituose lässt sich auf gälisch als „Wasser des Lebens“ übersetzen. Besonders begehrt sind hochpreisige Sorten der Single Malts. Diese stammen aus nur einer Destillerie und reifen mindestens drei Jahre in uralten Eichenfässern.

Islay Airport

Islay, die südlichste Insel der Inneren Hebriden, gilt als das globale Mekka dieser gefragten Geschmacksvariante. Das 620 Quadratkilometer große Eiland mit seinen rund 3.300 Bewohnern zieht daher Whisky-Liebhaber aus der ganzen Welt magisch an. Dort kümmern sich momentan zehn aktive Brennereien um die Herstellung dieses Getränkes mit besonders torfigem Aroma. Um schnell nach Islay zu gelangen, führt kein Weg an der Loganair vorbei. Zweimal täglich verbindet der schottische Regionalcarrier die Insel mit dem Airport der Metropole Glasgow.

Die Fähre ist günstiger, dauert aber auch länger

Als Morgen- und Abendverbindung eignet sich der passende Flugplan perfekt für eine kurzen Tagestrip. Während des mehrstündigen Aufenthaltes lassen sich gleich mehrere Destillerien zwecks ausgiebiger Verkostung besuchen. Zwar ist eine Anreise mit der Fähre vom Festland deutlich billiger, sie dauert aber viel länger. Kaum eine halbe Stunde sind die ATR 42 von Loganair zwischen beiden Flugplätzen unterwegs. Der Preis der Flugtickets spielt für das zumeist kaufkräftige Klientel aus dem Ausland keine große Rolle. Dementsprechend sind auf Islay die wenigen Hotelzimmer selten unter 200 Euro  pro Nacht verfügbar, selbst bei den kleineren Herbergen.

Für Loganair scheint sich das Geschäft auf dieser Flugroute ebenfalls zu lohnen. Denn im Gegensatz zu anderen Verbindungen zu den isoliert gelegenen Inseln der Hebriden gibt es hier keine staatlichen Subventionen. Aber für die selbsternannte Scotland´s Airline stellt die Fluglinie zwischen Glasgow and Islay schon immer eine symbolträchtige Strecke dar.

Der Bildschirm am Gate in Glasgow zeigt den Flug mit Loganair nach Islay. © Ralf Kurz

Am 1. September 2017 brach bei Loganair ein völlig neues Zeitalter an. Damals endete das Franchise mit FlyBe und man flog nach vielen Jahrzehnten wieder als eigenständige Airline. Den Premierenflug übernahm die als G-LGNA registrierte Saab 340 von Glasgow nach Islay. Das Flugzeug präsentierte erstmals die neu entworfene, unverwechselbare Tartan-Lackierung. Es ist ein rotes Schottenkaro, bestehend aus traditionellen Webmustern und informiert über die Clanzugehörigkeit. Die Saab 340 wurde zwar ab 2021 auf der Route nach Islay durch moderne ATR 42 der beiden Serien 500 und 600 abgelöst

Abschied von der Saab 340

Doch Loganair weiß, dass man dem schwedischen Flugzeugmodell viel zu verdanken hat. Vielleicht würde das Unternehmen ohne dem langjährigen Einsatz des Musters gar nicht mehr existieren, vermuten Branchenexperten. Bis zu 17 Exemplare waren zeitweise im Einsatz. Neben Saab 340B betrieb man auch ein Duo von Saab 340A, mit weniger Reichweite, schwächeren Triebwerken und geringerer Zuladung. Doch als Frachter und im Dienste der Royal Mail waren beide bestens geeignet.

Die Saab 340 rettete während Corona nicht nur Menschenleben, sondern die eigene Firma. Niemand anders versorgte die entlegensten Inseln des britischen Königreiches zunächst mit Testkits, und später mit Impfstoffen. Ambulanzflüge bewahrten schwer erkrankte Insulaner oft in letzter Minute vor dem Tod. Nach dem Ende der Pandemie, durch den plötzlichen Nachfrageboom, erwies sich die Saab 340 mit ihren 34 Plätzen jedoch als zu klein. Größere Maschinen wie die ATR 42 sowie ATR 72 mit Kapazität für 48 beziehungsweise 72 Passagiere lösten sie auf Strecken mit wachsendem Aufkommen ab. Das französisch-italienische Nachfolgemodell punktet besonders durch bessere Flugstabilität bei den oft stürmischen Wetterverhältnissen. Doch wegen ihrer Verdienste während der zahlreichen Unternehmenskrisen wollte sich das Management von Loganair nicht sang- und klanglos von seinen Saab 340 verabschieden.

Loganair ist die weltweit einzige Fluggesellschaft, die Linienflüge mit Landungen auf einem Strand durchführt. Die Twin Otter landen auf dem Strand-Flugplatz Barra. © Ralf Kurz

Am 20. und 21. Januar 2024 wurde deshalb die Ausmusterung der verbliebenen Saab 340 am Flughafen Glasgow gebührend gefeiert. Für nostalgische Enthusiasten fanden halbstündige Rundflüge im Umkreis der Metropole statt. Bei geführten Hangartouren erhielten die beiden letzten Exemplare von Hunderten Fans letzte Abschiedsgrüße. Wegen der riesigen Nachfrage wurden sogar für den anschließenden Überstellungsflug nach Aberdeen weitere Tickets verkauft. Am Ende des Festes spendete man die erzielten Einnahmen von 18.500 Pfund an die gemeinnützige Children`s Hospices Across Scotland. Der letzte Linienflug mit einer Saab 340 fand dann am 25. Januar 2024 mit schon erwähnter G-LGNA von Inverness nach Glasgow statt. Es war das gleiche Flugzeug, welches bereits vor 25 Jahren den Erstflug des Musters bei Loganair durchgeführt hatte.

Um Loganair, dem 1962 gegründeten Herz der schottischen Luftfahrt, braucht sich heute niemand Sorgen zu machen. Laut Luke Farajallah, der den Chefposten im März 2024 übernahm, schreibt die Airline seit 2022 wieder Gewinne. Eine Erweiterung des Streckennetzes ist aktuell nicht geplant. Als alleinige Eigentümer fungieren seit 2012 die Brüder Stephen und Peter Bond über ihre Holdingfirma Airline Investments Limited. Die Flotte bestand im November 2025 aus vier ATR 42-500, zwei ATR 42-600, zehn ATR 72-600. vier ATR 72-500CF und zehn Embraer ERJ-145. Die einzige De Havilland DHC-6 Twin Otter, und zwei im Auftrag der Regierung betriebene Viking DHC-6 Twin Otter, kommen zur Strandpiste von Barra sowie nach Tiree zum Einsatz.

Während der Zeit, als British Airways und die Loganair ein Codeshare-Abkommen hatten, trugen die Flugzeuge auch die BA-Lackierung. © Ralf Kurz

Ein Duo von Britten-Norman BN-2 Islander übernimmt für die lokale Verwaltung auf den Orkneys den interinsularen Verkehr. Darunter auch die weltweit kürzeste Linienverbindung zwischen Westray und Papa Westray mit zwei Minuten Flugzeit. Neben dem Firmensitz in Glasgow ist die Flotte auf acht weiteren Einsatzbasen in Aberdeen, City of Derry, Dundee, Edinburgh, Inverness, Jersey, Isle of Man und Newcastle vertreten.

Das typische Tartan Muster als Farbschema tauchte bereits vor der Jahrtausendwende auf den Flugzeugen von Loganair auf. Zu verdanken ist es dem gescheiterten Versuch von British Airways, mehr Farbe in das damals eintönige Erscheinungsbild der Airline zu bringen. Zwischen 1997 und 1999 sollten unter der umstrittenen Marketingkampagne World Image berühmte Künstler ihre Inspirationen auf den Leitwerken der gesamten Flotte, einschließlich Tochterfirmen und Kooperationspartner, verewigen. Loganair war als damaliges Franchise des Branchengiganten, welches von 1994 bis 2008 bestand, auch darunter. Insgesamt 50 verschiedene Designs von Kreativen aus aller Welt sollten den Markenauftritt auffrischen.

Über 20 Jahre stand die Saab 340 bei der Loganair im Dienst. © Ralf Kurz

Darunter war das Motiv Benyhone des heimischen Webers Peter McDonald. Deshalb trugen einige Flugzeuge von Loganair sein bekanntes Schottenkaro schon vor über 20 Jahren. Der jeweilige Name dieser Kunstwerke prangte zusätzlich direkt am Cockpit der Flugzeuge. Auf rechter Seite in verwendeter Landessprache, links fand sich die englische Übersetzung. Bei der Britten-Norman BN-2 Islander mit dem Kennzeichen G-BLDV wurde der Titel in Mountain of Many Birds abgewandelt, statt der richtigen Bezeichnung als Mountain of The Birds. Vermutlich ist die Änderung des Titels auf der kleinen Maschine niemanden aufgefallen. Jedenfalls waren damals nicht alle, besonders Traditionalisten, von den bunten Leitwerken ohne Union Jack begeistert. Daher verbannte British Airways die Motive von World Image nur zwei Jahre nach deren Einführung wieder von ihren Flugzeugen.

Der Flugplatz von Islay existiert schon seit 1933. Er verfügt über zwei 1.545 Meter und 635 Meter lange Runways mit den Ausrichtungen 12/30 sowie 07/25. Im Jahr 2024 wurden 31.000 Passagiere abgefertigt, 4.000 Fluggäste weniger verglichen mit dem Spitzenwert von 2019. Loganair sorgt dafür, weit angereisten Whisky-Kennern aus vielen Ländern ein fantastisches Geschmackserlebnis am Ort der Herstellung zu ermöglichen.

Ralf Kurz

 

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Über Ralf Kurz

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Mein Name ist Ralf Kurz und ich wurde 1958 in München geboren. Seit der Kindheit fasziniert mich die Fliegerei. Meinen Traumjob, Pilot zu werden, konnte ich nicht realisieren. Nebenberuflich arbeite ich als freier Luftfahrtjournalist. In den letzten drei Jahrzehnten wurden über 90 Artikel und Reisereportagen in deutsch- und englischsprachigen Fachmagazinen von mir publiziert. Schwerpunkt sind dabei kleinere Airlines in exotischen Ländern, welche bei uns unbekannt sind. Zudem bin ich Mitglied der deutschen Sektion von MAF, einem christlichen Flugdienst, der rund 120 Kleinflugzeuge in 27 Staaten betreibt. Zwecks Erstellung von Fotoreportagen über unsere MAF-Projekte führten mich Reisen nach Amazonien, Angola, Bangladesch, Lesotho, Madagaskar, Mosambik, Mongolei, Neuguinea, Osttimor, Suriname und Uganda. Alles geschah auf eigene Kosten in meiner Freizeit, verwendet wird ausschließlich selbst erstelltes Fotomaterial.

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