Boeing hat mit der Lufthansa Technik Defense und HENSOLDT einen Mehrjahresvertrag zur Betreuung der Seefernaufklärer und U-Bootjagd-Flugzeuge Boeing P-8A Poseidon der Deutschen Marine geschlossen. Nach Angaben von Boeing beträgt der deutsche Wertschöpfungsanteil dieser Vereinbarungen über 50 Prozent. Die Vereinbarungen haben über die Laufzeit einen Wert von mehreren Hundert Millionen Euro.
Die Deutsche Marine hatte ihre erste P-8A Poseidon am 1. Oktober 2025 in Seattle übernommen. © Boeing
Die Lufthansa Technik übernimmt in Hamburg die Line und Base Maintenance der insgesamt acht Flugzeuge der Marine. Lufthansa Technik wird außerdem mit ihrem Segment Aircraft Component Services die P-8A-Operationen der Marine unterstützen, um die reibungslose Lieferung von Ersatzteilen auch in Zeiten angespannter globaler Lieferketten zu gewährleisten. Im Einklang mit dem Total Component Support (Komponentenversorgung) erhält die Marine Zugang zum separaten Pool an zivilen Ersatzteilen von Lufthansa Technik für die P-8. Durch offene Austauschprozesse aus diesem Pool könne die Marine defekte Flugzeugkomponenten direkt durch funktionsfähige ersetzen, ohne auf Reparaturen warten zu müssen, so die Lufthansa Technik.
Die deutschen P-8A sind in Nordholz stationiert. Angesichts der Tatsache, dass die Seefernaufklärer per Definition meistens über lange Wasserstrecken fliegen und damit ständig salzhaltiger Luft ausgesetzt sind, die mögliche Korrosion begünstigt, wird die Lufthansa Technik ein maßgeschneidertes Engine Condition Monitoring für die P-8A der Marine einführen. Dies erlaubt nach Angaben der LH Technik ein frühes Erkennen von Fehlern und Mängeln in den beiden CFM56-7B-Triebwerken der Poseidon, erkenne präzise jegliche Form von Leistungsbeeinträchtigungen und verhindere unnötige Ausbauten und Probeläufe. Auch werde es zu einem stabilen und wirtschaftlichen Betrieb der deutschen Poseidon-Flotte beitragen.
HENSOLDT kümmert sich um Logistik und IT
HENSOLDT wird über seinen Vertragspartner ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH am Marinefliegerstützpunkt Nordholz sowie im operativen Einsatz die gesamte Logistik, Materialbewirtschaftung und Bodenausrüstung für die Flugzeuge bereitstellen und erweitert zusätzlich seine bestehenden IT- und Missionssystem-Services.
„Dieser Meilenstein ist das Ergebnis jahrelanger, enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und unseren deutschen Industriepartnern“, sagte Stephen Schmidt, der Senior Program Manager für Global P-8 Sustainment bei Boeing. „Wir sind stolz darauf, eine maßgeschneiderte, leistungsorientierte Lösung bereitzustellen, die eine sichere Indienststellung der deutschen P-8A-Flotte ermöglicht und die Deutsche Marine von Tag eins an in die Lage versetzt, ihre nationalen und regionalen Einsatzverpflichtungen im Schulterschluss mit ihren globalen Partnern zu erfüllen.“
Für die Lufthansa Technik Defense ist es bereits der dritte Auftrag zur technischen Betreuung von P-8. Sowohl die Royal New Zealand Air Force als auch die Indian Air Force haben entsprechende Vereinbarung mit dem Maintenance-Unternehmen getroffen. Die jüngste Vereinbarung passt perfekt in die Strategie der Lufthansa-Tochter, den Bereich Dienstleistung für Streitkräfte zu erweitern.
Lufthansa Technik Defense expandiert
„Mit diesem neuen Vertrag erweitern wir unser militärisches MRO-Portfolio um ein erstes waffentragendes Flugzeugsystem und stärken unsere langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft mit der Bundeswehr weiter”, sagt Michael von Puttkamer, Vice President Special Aircraft Services & Defense bei Lufthansa Technik. „Unser Unternehmen spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft dieses neuen Waffensystems und trägt im Sinne der deutschen Zeitenwende in der Sicherheitspolitik zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit bei.“
Dorthe Nell, die Leiterin Akquise Defense Programme bei der Lufthansa Technik, sagte: „Wir sind als Lufthansa Technik bekannt dafür, dass wir unseren Kunden auf der ganzen Welt vor allem eines liefern: Einsatzverfügbarkeit. Auch bei der technischen Betreuung der Boeing 737 haben wir über Jahrzehnte ein einzigartiges Know-how aufgebaut, und ich freue mich, dass wir diese Kenntnisse nun auch bei der Deutschen Marine unter Beweis stellen können.“
Volker K. Thomalla
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