Der Einsatz erfolgte im Auftrag des Havariekommandos, das der Küstenwache des Vereinigten Königreichs unmittelbar nach Bekanntwerden der Schiffskollision am Vormittag des 10. März schnelle Unterstützung angeboten hatte. Vor der britischen Nordseeküste waren das Containerschiff SOLONG und der Tanker STENA IMMACULATE kolliert. Beide Schiffe gerieten in Brand und es bestand die Gefahr, dass auslaufendes Öl und eventuell ins Wasser stürzende Container zu weiteren Gefahren und Umweltverschmutzungen führen.
Eine der beiden Dornier 228 der Marineflieger, die im Auftrag des Havariekommandos im Einsatz sind. © Carsten Vennemann
Nachdem die Küstenwache des Vereinigten Königreichs am Vormittag des 11. März das Angebot des Havariekommandos zur Bereitstellung eines Überwachungsflugzeuges angenommen hatte, begann der Einsatz. Gegen 12.30 Uhr startete eine der beiden Dornier 228 Ölüberwachungsflugzeuge des Havariekommandos vom Marinefliegerstützpunkt Nordholz und traf nach rund zwei Stunden Flugzeit im betroffenen Seegebiet der britischen Nordseeküste ein, wo es sodann direkt erste Überwachungsflüge durchführte. Laut der Flugverfolgungs-Webseite Flightradar24.com handelt es sich bei der eingesetzten Maschine um die Dornier 228-212 LM mit der Registrierung 57+04. Bis zum Nachmittag des folgenden Tages operierte das mit verschiedenen Sensoren ausgerüstete Flugzeug vom Flugplatz Humberside in North Lincolnshire aus und lieferte dabei eine Vielzahl hochauflösender Bilder der Havaristen. Damit unterstützte die deutsche Besatzung mit ihrem Sensorflugzeug die Besatzungen des britischen Überwachungsflugzeugs und lieferte wertvolle Informationen zum Lagebild. Am Abend des 12.März traf die 57+04 nach Beendigung des Einsatzes wieder auf dem Marinefliegerstützpunkt in Nordholz ein.
Im Einsatz für den Umweltschutz
Das im niedersächsischen Nordholz stationierte Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ betreibt im Auftrag des Havariekommandos zwei Do 228 zur Überwachung von Meeresverschmutzung. Zum Einsatz kommt neben der bereits erwähnten Dornier 228-212 LM (57+04) auch eine DO 228 NG (57+05). Beide Sensorflugzeuge verfügen über eine hochsensible technische Ausstattung. Mit Radar, Infrarot- und Ultraviolett-Sensoren sowie Mikrowellenradiometer, Fluoreszenz-Laser und Videokameras können die Turboprop-Flugzeuge aus der Luft bei Tag und Nacht jegliche Verschmutzungen auf der Wasseroberfläche entdecken. Die gewonnenen Daten werden direkt und unverzüglich an das Havariekommando übermittelt. Ob im Rahmen der Ölüberwachung oder bei Unfällen auf See, die beiden Überwachungsflugzeuge können dem Havariekommando jederzeit wertvolle Informationen liefern.
Auf Flugverfolgungswebsites konnte man den Flugweg der Dornier 228 über den havarierten Schiffen verfolgen. © Flightradar24. com
Im vergangenen Jahr haben die beiden Dornier 228 Ölaufklärer 407 Einsätze mit mehr als 1.000 Flugstunden Missionszeit über der Nord- und Ostsee im Rahmen der Umweltüberwachung durchgeführt. Dabei wurden 43 Verschmutzungen in den deutschen Territorialgewässern sowie in den Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) der Nord- und Ostsee identifiziert – davon 33 in der Nordsee und 10 in der Ostsee. Zudem wurden 58 weitere Verunreinigungen außerhalb deutscher Gewässer gefunden und routinemäßig an die zuständigen Behörden weitergegeben. Diese befanden sich in Seegebieten der Niederlande, Dänemarks, Großbritanniens, Polens und Schwedens teilt das Havariekommando in seinem jüngst veröffentlichten Jahresbericht 2024 zur Ölüberwachung mit.
Carsten Vennemann
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