Auch wenn alle Stunts von Dario Costa mit seinem einmotorigen Kunstflugzeug Zivko Edge minutiös vorbereitet sind und x-fach trainiert wurden, steht die Frage nach der Flugsicherheit – und damit der Sinnhaftigkeit – bei solchen Manövern im Raum. Am 15. Februar landete Dario Costa mit seiner Zivko Edge in der Nähe der türkischen Stadt Afyonkarahisar auf einem speziell vorbereiteten Güterzug, der mit einer Geschwindigkeit von 65 Knoten (120 km/h) fuhr. Costa musste dabei mit höchster Präzision fliegen. Erschwerend kam hinzu, dass der Pilot seine Landefläche auf den letzten 200 Metern vor dem Aufsetzen aufgrund des Anstellwinkels seines Flugzeugs nicht mehr sehen konnte.
Dario Costas Landung auf dem Güterzug
Stunt gelungen. Mit einem Vorbeiflug am Zug verabschiedet sich der Pilot. © Mahmut Cinci / Red Bull Content Pool
Der Zug fuhr mit 120 km/h weil dies seine zugelassene Höchstgeschwindigkeit ist. Costa dagegen fliegt normalerweise mit 80 Knoten an und musste für diesen Stunt seine Anfluggeschwindigkeit auf 65 Knoten bringen und zum Zeitpunkt des Aufsetzens seine Geschwindigkeit auf 47 Knoten reduzieren, was nur minimal über der Stall Speed der Edge 540 liegt. Damit ließ er sämtliche Sicherheitsreserven, die in der Luftfahrt herrschen, außer acht.
Costa landete auf dem Dach des neunten Container des Zuges und musste dann die Turbulenzen des Zuges ausgleichen, um wie geplant, nach dem Aufsetzen aller drei Räder des Edge-Fahrwerks wieder Vollgas zu geben und zu starten. Direkt nach dem Start ging Costa mit seiner Edge in einen senkrechten Steigflug.
Die Turbulenzen der Container störten den Flug
Im Vorfeld des Projekts hatten die Beteiligten umfangreiche aerodynamische Studien und Simulationen erstellt, um die genauen Turbulenzen und die durch den Zug verursachte Geschwindigkeitsreduzierung zu ermitteln. Deswegen wurden auch offene Container genutzt, um die Turbulenzen zu verringern. Costa absolvierte auch im Red Bull Athlete Performance Centre in Thalgau in Österreich in Vorbereitung auf den Flug ein kognitives Training, das unter anderem ein spezielles „Zeit-Bewegung-Antizipationstraining“ umfasste und sich während des Fluges als entscheidend für die Blindlandung erwies.
Vor dem Stunt in der Türkei wurde in Zusammenarbeit mit Rimac Automobili in Pula in Kroatien drei Tage lang das Szenario mit einer beweglichen Plattform getestet. Mithilfe des vollelektrischen Hypercars Nevera als Referenz für eine präzise bewegliche Plattform verfeinerte Costa seine Ausrichtung und sein Reaktionszeitgefühl.
Nach Angaben von Red Bull ist bislang keinem Piloten zuvor in der Geschichte der Luftfahrt ein solcher Stunt gelungen. Im Sinne der Flugsicherheit ist zu hoffen, dass niemand mehr einen solchen Flug durchführt.
Bob Fischer
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