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Brandenburg fördert Forschungszentrum für hybrid-elektrische Antriebe

Wie sieht die wirtschaftliche und technologische Zukunft der Lausitz nach dem Ende Braunkohleförderung aus? Das Land Brandenburg und Industriepartner setzen auf Innovationen für die Luftfahrt und unterstützen den Aufbau des Forschungs- und Testzentrums CHESCO für hybrid-elektrische Antriebe, das zu einem Nukleus für ein neues Elektroflug-Ökosystems werden soll.

7.01.2022

An der BTU Cottbus-Senftenberg wird das CHESCO-Zentrum zur Erforschung hybrid-elektrischer Antriebe angesiedelt. © DLR

Die Luftfahrt ist eine der Branchen, die den Strukturwandel in der Lausitz ermöglichen kann, wenn die Braunkohleförderung wie vorgesehen ab 2030 in der Region eingestellt wird. Das Land Brandenburg fördert den Aufbau eines Zentrums für die Erforschung hybrid-elektrischer Antriebe und Systeme, das so genannte CHESCO (Center for Hybrid Electric Systems Cottbus) and der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Am 5. Januar übergab Brandenburgs Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr. Manja Schüle die Bewilligung einer Förderung über 38,56 Millionen Euro an die Präsidentin der BTU, Professorin Dr. Gesine Grande.

Aufgabe und Ziel des CHESCO ist es, hybrid-elektrische Luftfahrtantriebe, also eine Kombination aus Gasturbinen mit Generator oder Brennstoffzelle, Batterie und Elektromotor, für den Einsatz auf der Kurz- und Mittelstrecke zu entwerfen, zu testen und umzusetzen. Das Zentrum soll die Entwicklungszeit neuer Antriebstechnologien durch die Bündelung von Forschungs- und Fertigungskompetenzen beschleunigen, teilte das Land Brandenburg anlässlich der Übergabe des Förderbescheides mit: „Eine wissenschaftliche Einrichtung, das Research Center, dient der Entwicklung des Designs von Komponenten und Systemen. Im Fertigungszentrum Fast-Make Electrification Research Center (f-merc) erstellen die Forschenden Prototypen, die im Test Center getestet werden. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Elektrifizierte Luftfahrtantriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), mehreren Fraunhofer-Instituten sowie Industriepartnern wie Rolls-Royce Deutschland entsteht bis zum Jahr 2026 ein integriertes Forschungszentrum im Technologie- und Industriepark im Norden von Cottbus.“

Mega-Projekt für die Lausitz

Ministerin Schüle sieht in CHESCO ein Mega-Projekt für die Lausitz. Sie sagte: „CHESCO kann ein Pull-Faktor für die gesamte Region werden. Das Zentrum wird nämlich kein hermetisch abgeriegelter Elfenbeinturm, in dem exzellente Köpfe schweigsam vor sich hin tüfteln. CHESCO will konkrete Antworten liefern: mit der Region, aber über sie hinaus. Das Zentrum soll zu einem Knotenpunkt für Kooperationsprojekte werden mit regionalen Wirtschaftspartnern, Forschern und Wissenschaftlerinnen in Co-Working Spaces. Hier profitieren wir von den bereits bestehenden Strukturen der BTU, aus deren Reihen heraus das Vorhaben entstanden ist.“

Als Industriepartner für das Projekt haben die Verantwortlichen Rolls-Royce Deutschland gewonnen. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben erhebliche Investitionen in das Entwicklungsprojekt sowohl in CHESCO als auch an seinem Standort in Dahlewitz, südöstlich von Berlin. 

Dr. Jörg Au, der Chief Engineer Business Aviation und Engineering Director Rolls-Royce Deutschland, sagte bei der Übergabe des Förderbescheids: „Wir freuen uns darauf, hier in Brandenburg gemeinsam mit anderen Partnern ein weltweit einzigartiges industrielles Ökosystem für emissionsarme, hybrid-elektrische Luftfahrtantriebe aufzubauen. Dass wir dabei auf die anhaltende Unterstützung durch die deutsche Regierung und das Land Brandenburg zählen können, trägt entscheidend dazu bei, dass wir unsere Ziele für eine nachhaltige und CO2-neutrale Zukunft bis 2050 erfüllen können. Aufbauend auf den hervorragenden Fähigkeiten unserer Electrical Teams in Bayern und Brandenburg wird uns die Einrichtung von Entwicklungs-, Test- und Produktionseinrichtungen in Dahlewitz und in der Lausitz in die Lage versetzen, hybrid-elektrische Antriebssysteme für die nächste Ära der Luftfahrt zu liefern.“

Bis 2027 könnten allein im CHESCO 400 neue Arbeitsplätze entstehen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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