In einem bemerkenswerten, historisch beispiellosen Social Media-Post hat der amtierende US-Präsident Kanada angekündigt, allen kanadischen Flugzeugen die Zulassung zu entziehen. Er schrieb: „Aufgrund der Tatsache, dass Kanada die Zertifizierung der Gulfstream 500, 600, 700 und 800 Jets zu Unrecht, illegal und beharrlich verweigert hat, einige der großartigsten, technologisch fortschrittlichsten, jemals produzierten Flugzeuge, entziehen wir hiermit deren Bombardier Global Expresses sowie allen in Kanada hergestellten Luftfahrzeugen die Zulassung, bis Gulfstream, ein Großartiges Amerikanisches Unternehmen, die vollständige Zulassung erhält, die es schon vor vielen Jahren hätte erhalten sollen.
Kanada verhindert durch dieses Zertifizierungsverfahren faktisch den Verkauf von Gulfstream-Produkten. Sollte diese Situation aus irgendeinem Grund nicht umgehend korrigiert werden, werde ich Kanada einen Zoll von 50 % auf alle in die USA verkauften Flugzeuge auferlegen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!“
Screenshot der Ankündigung des US-Präsidenten vom 29. Januar 2026, allen kanadischen Flugzeugen die Zulassung zu entziehen. © Truth Social
Ob diese luftfahrthistorisch beispiellose Drohung bereits in eine Anordnung an die US-Luftfahrtbehörde FAA mündete oder ob es wieder nur als eine Drohkulisse aufgebaut wurde, ist bislang nicht bekannt. Die FAA hat sich auf Anfrage bislang nicht dazu geäußert. Es wäre aber eine neue Qualität der politischen Auseinandersetzung, wenn nicht Zertifizierungsstandards über die Zulassung von Luftfahrzeugen entschieden, sondern politische Willkür.
Bereits in seiner ersten Amtszeit hat der amtierende US-Präsident durch die Androhung von Zöllen von bis zu 296 Prozent auf in die USA importierte C Series-Flugzeuge die internationale Luftfahrtindustrie massiv bedroht. Dieses Posting hat das Potenzial, eine Büchse der Pandora zu öffnen, die den internationalen Handel mit Luftfahrzeugen massiv und nachhaltig schädigt.
Bombardier hat von der US-Luftfahrtbehörde FAA im Dezember 2025 die Musterzulassungsurkunde für den Global 8000 überreicht bekommen. © Bombardier
Tatsache ist, dass Tausende von Bombardier-Flugzeugen im US-Luftfahrzeugregister eingetragen sind. Außerdem produziert beispielsweise Diamond Aircraft ein- und zweimotorige Flugzeuge in seinem Werk in London in der kanadischen Provinz Ontario. Und Bell Textron Inc. fertigt alle zivilen Hubschrauber in seinem Werk in Mirabel in Kanada.
Sollte diese Drohung des US-Präsidenten umgesetzt werden, droht nicht nur kanadischen Unternehmen großer wirtschaftlicher Schaden, sondern auch den US-Betreibern von in Kanada hergestellten Flugzeugen und Hubschraubern. Delta Air Lines ist größter Betreiber des Airbus A220, der von Bombardier als C Series entwickelt wurde und anschließend an Airbus verkauft wurde. Ein Großteil der A220-Produktion findet in Kanada statt. Airbus betreibt aber auch eine Endmontagelinie für die A220-Familie in Mobile im US-Bundesstaat Alabama.
Stellungnahme von Bombardier
Bombardier gab folgende Stellungnahme ab: „Wir haben den Beitrag des US-Präsidenten in den sozialen Medien zur Kenntnis genommen und stehen in Kontakt mit der kanadischen Regierung. Bombardier ist ein international tätiges Unternehmen mit über 3.000 Mitarbeitern an neun Standorten in den USA und schafft bei über 2.800 Zulieferern Tausende von Arbeitsplätzen in den USA. Unsere Flugzeuge, Anlagen und Techniker sind nach FAA-Standards zertifiziert und weltweit anerkannt. Wir investieren aktiv in den Ausbau unserer US-Aktivitäten, darunter eine kürzlich angekündigte Erweiterung in Fort Wayne, Indiana.
Täglich sind Tausende von in Kanada gebauten Privat- und Ziviljets in den USA unterwegs. Wir hoffen auf eine schnelle Lösung, um erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr und die Fluggäste zu vermeiden.“
Volker K. Thomalla
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Ein Kommentar
Sehr geehrter Herr Thomalla,
wünschenswert in diesen Zusammenhang wäre es die Hintergründe zu benennen, warum die kanadische Behörde den Flugzeuge des amerikanischen Flugzeugherstellers Gulfstream eine Zertifizierung verweigert. Sind es nur sicherheitstechnische Gründe oder spielen in diesem Fall auch ökonomische und marktpolitische Interessen der Kanadier eine Rolle?
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Schulze