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Nachruf: Peter Pletschacher ist gestorben

Die Luftfahrt-Publizistik in Deutschland hat einen großen Menschen verloren. Peter Pletschacher, Journalist, Verleger, Herausgeber, Ideengeber und Kontakter in der deutschen Luft- und Raumfahrt, ist in seiner bayerischen Heimat gestorben.

29.04.2020

Peter Pletschacher (1941 - 2020) © LPC

Der bekannte Luftfahrtpublizist Peter Pletschacher ist am Freitag wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag in München gestorben. Er hat die deutsche Luftfahrtpublizistik als Historiker, Autor, Chefredakteur und Verleger geprägt wie kaum ein anderer.

Er verfügte über ein unvergleichbar großes Wissen über die Luft- und Raumfahrt, das er sich als Pressereferent der Dornier GmbH ( (1966 – 1973), Chefredakteur der FLUG REVUE (1973 – 1980) und als freier Journalist und Herausgeber und Verleger angeeignet hatte. Dieses Wissen brachte er kompetent und unermüdlich ein. Zu seinen Veröffentlichungen zählen neben einer riesigen Zahl an Einzelbeiträgen auch eine viel beachtete Biografie über Claude Dornier, Bücher über die Lufthansa Junkers Ju 52, das Flugboot Dornier Do X, die Königlich Bayerischen Fliegertruppen, ein Kompendium deutscher Sportflugzeuge, um nur die wichtigsten zu nennen.

Seine stets pointierten Beiträge in dem wöchentlichen Newsletter „Flugpost“ sorgten für Aufsehen und zuweilen auch für Ärger. Mit Tilmann Reuss als Herausgeber verlegte er das Reuss Jahrbuch der Luft- und Raumfahrt.

35 Jahre Präsident des LPC

Peter Pletschacher verlegte als Inhaber des Aviatic Verlages auch Bücher, die bei anderen Verlagen nie eine Chance gehabt hätten. Und er gab auch unbekannten oder jungen Autoren die Möglichkeit, ihre Bücher zu veröffentlichen. Davon profitierte auch der Autor dieser Zeilen selbst, der als junger Redakteur Ende der achtziger Jahre mit dem Buch „Piper Cub und Super Cub“ in Peter Pletschacher einen Förderer fand, ohne den dieses Buch niemals erschienen wäre. Die Förderung des Nachwuchses war ihm stets ein Anliegen, und er handelte entsprechend.

Er war ein unprätentiöser Mensch, der dem Luftfahrt-Presse-Club (LPC) 35 Jahre als Präsident vorstand und während dieser Zeit auch den Hugo-Junkers-Preis als Auszeichnung für herausragende journalistische Arbeiten in der Luftfahrtpublizistik etablierte. Seine journalistische und fachliche Expertise ließ er auch als Jury-Mitglied des Ludwig-Bölkow-Journalistenpreises und des Deutschen Journalistenpreises für Luft- und Raumfahrt einfließen. Pletschacher arbeitete gerne im Hintergrund als Ideengeber und war unglaublich gut in der Luftfahrtszene vernetzt. Er war einer der Ideengeber, der den damaligen Lufthansa Technik-Vorstand Reinhard Abraham davon überzeugten, dass die Lufthansa ein Traditionsflugzeug Junkers Ju 52 betreiben müsse. Er war maßgeblich beteiligt, als es um den Aufbau eines Think Tanks für die Luftfahrt, das Bauhaus Luftfahrt, ging.

Für seine Verdienste um die deutsche Luft- und Raumfahrt wurde ihm im April 2016 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Volker K. Thomalla

 

 

 

 

4 Kommentare

  • Walter Rottiers

    Den Worten des LPC-Präsidenten sowie von Buchautor Volker K. Thomalla kann ich mich nur anschließen. Peter Pletschacher lebte und liebte die Luft- und Raumfahrt. Mehr noch, er war ein großartiger Mensch den man nicht vergisst. Ich bin dankbar, ihn als Kollege bei Flug Revue sowie später als Auftraggeber für das Design zahlreicher Aviatic-Publikationen gekannt zu haben

    Walter Rottiers

  • Peter Pletschacher war in meiner Zeit als Leiter der Luft- und Raumfahrtabteilung (1977 -88) des Deutschen Museums einer der wichtigsten Berater aus der Luftfahrt-Community. Ihm verdanke ich, verdankt das Deutsche Museum, fundiertes Wissen und wertvollste Kontakte.
    Was seine Wirkung als Mensch betrifft, kann ich dem obigen Kommentar nur zustimmen, das bezieht sich auch auf seine Frau.

  • Gunter Hartung

    Sehr traurige Nachricht. Peter hat mich vor ziemlich genau 52 (!) Jahren sehr freundlich und kompetent über die komplexen Zusammenhänge der deutschen Luft- und Raumfahrt Industrie informiert, bevor ich für den NDR überraschend über die ILA 1968 berichten musste. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung von diesem Thema. Peter Pletschacher werde ich also als kompetenten und stets hilfsbereiten Freund und Kollegen in Erinnerung behalten.
    Gunter Hartung

  • Jürgen Cichon

    Peter hat als Sieger eines Wettbewerbes bereits als Schüler den PPL gewonnen,
    Auto fahren durfte er da noch lange nicht.
    Als Nachbar und Freund hat er mich mit dem „Luftfahrtvirus“ infiziert, meine
    Begeisterung für Ihn und die Fliegerei hält bis zum heutigen Tag an.
    Jürgen Cichon

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