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Der schnellste Mann der Welt: Chuck Yeager (1923 – 2020)

Chuck Yeager hat Luftfahrtgeschichte geschrieben: Er war der erste Mensch, der nachweislich schneller flog als der Schall. Sein Leben war untrennbar mit der Luftfahrt verbunden. Er war erfolgreicher Jagdflieger, gefeierter Testpilot und Förderer von Jugendlichen, die in die Luftfahrt einsteigen wollten. Er war aber auch Mitglied eines Segelflugvereins in Deutschland. Gestern ist er im Alter von 97 Jahren gestorben.

8.12.2020

Chuck Yeager ist am 7. Dezember 2020 im Alter von 97 Jahren gestorben. Er war der erste Mensch, der nachweislich schneller als der Schall flog. © US Air Force

Charles Elwood „Chuck” Yeager, der erste Mensch, der nachweislich schneller als der Schall flog, ist gestern im Alter von 97 Jahren gestorben, teilte seine Frau Victoria per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Yeager kam als Mechaniker zu Beginn des Zweiten Weltkriegs mit Flugzeugen in Kontakt und bewarb sich 1942 um eine Ausbildung zum Piloten, die er im September 1942 begann. Nur ein halbes Jahr später erhielt er seine Schwingen und flog zunächst die Bell P-39 Airacobra.

Ab November 1943 war er in England stationiert und flog die North American P-51 Mustang. Bereits dieses Flugzeug nannte er in Anlehnung an seine damalige Freundin und spätere Frau „Glamorous Glenn“. Nach acht Einsätzen wurde er im März 1944 über Frankreich abgeschossen und konnte mit Hilfe der französischen Widerstandsbewegung nach Spanien entkommen. Er kehrte wieder zu seiner Einheit zurück und durfte entgegen der seinerzeit üblichen Regel wieder in Europa an Kampfeinsätzen teilnehmen.

Großes fliegerisches Können

Yeager zeichnete sich durch ein außergewöhnliches fliegerisches Talent aus. So schoss er fünf Flugzeuge der Luftwaffe an einem einzigen Tag ab. In seinen Memoiren, die er 1985 veröffentlichte, beschreibt er seine Zeit im Krieg in Europa auch mit zwiespältigen Gefühlen: „Jeder Krieg ist an sich unmorlaisch; es gibt keinen ‚sauberen‘ Krieg. Sobald Armeen gegeneinander kämpfen, ist der Krieg total. (…) Man konnte es sich nicht erlauben, zuviel über all das nachzugrübeln, denn sonst wäre es nicht durchzuhalten gewesen.“

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Yeager in der Air Force und wurde als Testpilot zum Muroc Air Field – der heutigen Edwards Air Force Base – nach Kalifornien versetzt, wo er seine fliegerisch interessanteste Zeit erlebte. Der Flug, der ihn in die Geschichtsbücher katapultieren sollte, fand am 14. Oktober 1947 statt. Damals war Yeager gerade einmal 24 Jahre alt. An Bord des Experimentalflugzeugs Bell X-1 – die er ebenfalls „Glamorous Glenn“ genannt hatte – gelang ihm als erstem Menschen nachweislich ein Flug durch die Schallmauer. Die Testingenieure am Boden maßen Mach 1.05. Allerdings handelte es sich um geheime Tests, so dass die Nachricht von dem Flug erst im Juni 1948 publik gemacht wurde. Das brachte ihm den Spitznamen „Der schnellste Mann der Welt“ ein.

Um ein Haar wäre Yeager von diesem Flug ausgeschlossen worden, denn er hätte ihn nicht antreten dürfen. Zwei Tage vor dem Rekordflug war er nämlich vom Pferd gefallen und hatte sich zwei Rippen gebrochen. Er ging nicht, wie es eigentlich vorgeschrieben war, zum Militär-Fliegerarzt, sondern zu einer zivilen Ärztin, die ihn verband. Nur unter großen Schmerzen konnte er in das Cockpit der X-1 zwängen und musste einen abgesägten Besenstiel zu Hilfe nehmen, um die Einstiegsklappe der „Glamorous Glenn“ zu schließen. Die Bell X-1, mit der er den Rekordflug durchführte, hängt heute im Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington, D.C.

Segelflug in Traben-Trarbach

Er stellte noch zahlreiche Geschwindigkeits- und Höhenrekorde auf, bevor er 1955 wieder in eine Kampfeinheit versetzt wurde. Unter anderem war er Staffelkommandant auf der Hahn Air Force Base. In dieser Zeit gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des noch heute existierenden Deutsch-Amerikanischen Segelflug-Clubs (DASC) auf dem Flugplatz Mont Real in Traben-Trarbach an der Mosel. Yeagers Karriere in der US Air Force endete mit dem Rang eines Brigadier General im Jahr 1975.

Er blieb der Luftfahrt treu und setzt sich sehr dafür ein, junge Menschen für die Luftfahrt zu begeistern. Von 1994 bis 2004 war er unter anderem der Vorsitzende der EAA Young Eagles, eines Programms, bei dem Piloten junge Menschen auf einen Flug in ihrem Flugzeug mitnehmen.

2012, zum 65. Jahrestag seines Fluges durch die Schallmauer, hatte ihn die US Air Force eingeladen, noch einmal schneller als der Schall zu fliegen. Mit 89 Jahren stieg Yeager auf der Nellis Air Force Base im US-Bundesstaat Nevada als zweiter Mann in das Cockpit einer F-15 Eagle und erlebte zum letzten Mal einen Überschallflug.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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