Homepage » Aero-Kultur » Die Geschichte der RF-84F Thunderflash beim NMM

Der Aufklärungsjet RF-84F im Nationaal Militair Museum in Soesterberg hat eine interessante Geschichte. Er wurde an die US Air Force geliefert, diente bei der Koninklijke Luchtmacht (KLu) in den Niederlanden und der Hellenic Air Force, bevor er seinen Weg wieder zurück in die Niederlande fand.

30.08.2020

Die RF-84 Thunderflash TP-19 auf dem Tarmac des Nationaal Militair Museum in Soesterberg. © Bob Fischer

Die Republic F-84 Thunderjet war ein Kind des aufkommenden Kalten Krieges. Sie flog bereits im Februar 1946 zum ersten Mal, allerdings noch mit ungepfeilten Tragflächen. Die Triebwerke der F-84B und F-84C hatten eine so geringe Lebensdauer von lediglich 40 Stunden, dass die Thunderjets der ersten Versionen nicht einmal in den Koreakrieg geschickt wurden. Versionen F-84D und F-84E dagegen waren erfolgreich im Einsatz, allerdings nicht in der Rolle als Jagdflugzeug, sondern als Jagdbomber.

Erst mit der Einführung der F-84F Thunderstreak mit gepfeilten Flügeln konnte das Muster mit den russischen MiG-15 mithalten. Aufgrund eines dringenden Bedarfs der NATO-Staaten an Aufklärern entwickelte Republic Aviation aus der F-84F den Aufklärer RF-84F Thunderflash (Das „R“ in der Typbezeichnung steht für Reconnaissance, also Aufklärung).

Längere Nase für die Kameras

Um die sechs Kameras mit verschiedenen Blickwinkeln in der Nase unterzubringen, verlängerten die Konstrukteure des Herstellers den Bug des Flugzeugs. Mit 715 gebauten Exemplaren gehört die Thunderflash zu den erfolgreichsten Mitgliedern der F-84-Flugzeugfamilie. Im Rahmen des Programms zur Unterstützung der gegenseitigen Verteidigung erhielt das Tactical Air Forces Command der Royal Netherlands Air Force (KLu) 24 RF-84F als Ersatz für die Lockheed RT-33A. Die meisten wurden zwischen Juni 1955 und Mai 1957 per Schiff in die Niederlande transportiert.

Das heute im Nationaal Militair Museum (NMM) in Soesterberg ausgestellte Flugzeug, eine RF-84F mit dem Kennzeichen TP-19 wurde am 13. April 1955 an die United States Air Force geliefert und anschließend an die KLu übergeben. Es kam auf den 11. August 1955 im Hafen von Rotterdam an. Am 4. April 1956 wurde der erste Thunderflash bei der 306 Squadron in Dienst gestellt.

Ablösung durch die RF-104G

Einige wurden jedoch auch von den Vereinigten Staaten aus über Kopenhagen in die Niederlande geflogen, über die sogenannte „High-Flight-Route“. Diese Flugzeuge wurden dem 306. Geschwader zugeteilt. Das Geschwader war zuerst in Laarbruch, Deutschland, und später auf der Basis Deelen in den Niederlanden stationiert. Das Flugzeug diente bis 1963 und wurde dann durch die Lockheed RF-104G Starfighter ersetzt. Mehrere Thunderflash wurden an Griechenland und die Türkei übergeben. Der Jet mit dem Kennzeichen TP-19 wurde am 13. April 1963 an die griechischen Luftstreitkräfte geliefert.

Das Flugzeug mit der Nummer 51-11253 in griechischen Farben nach der Ankunft auf der Air Base Volkel. © Frank Elsinga

1987 wurde bekannt, dass auf der griechischen Air Base Larissa noch sieben Thunderflash flogen, darunter die ehemahlige TP-19 (späteres Kennzeichen P-5) des 306. Geschwaders. Nach einigen Verhandlungen erklärte sich die Hellenic Air Force bereit, das Flugzeug wieder an die Niederlande zurückzugeben. Der griechische Major John Noitis flog den Jet zur Volkel Air Base, mit Treibstoffstops in Italien und Deutschland, und landete dort am 29. Juli 1988. Während des Überführungsflugs wurde die Thunderflash von einer F-4 Phantom der Hellenic Air Force begleitet, da ihr antikes Bordfunkgerät nicht den Ansprüchen an ein Funkgerät für einen solchen Flug genügte.

Auf dem Marine-Flugplatz Valkenburg wurde es in den Farben der niederländischen Luftstreitkräfte lackiert und erhielt seine alte Registrierung TP-19. Dank der Vermittlung der amerikanischen Botschaft in Den Haag wurde das Flugzeug anschließend dem Military Aviation Museum gespendet. Jetzt ist es in der Sammlung des NMM. Flugzeuge aus dem Depot werden beim NMM im August jedes Jahr draußen ausgestellt, in diesem Jahr war auch die Thunderflash dabei.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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