Homepage » Aero-Kultur » Der knallrote Jumbo der LTU

Während einer Recherche im Internet stieß unser Autor zufällig auf das Bild eines roten LTU-Jumbos. Tatsächlich setzte die Fluggesellschaft in den frühen 90ern mal eine 747 ein, aber . . .

3.05.2024

Dieses Foto einer Boeing 747 in LTU-Lackierung brachte den Recherche-Stein ins Rollen. Das Foto, dessen Urheber uns nicht bekannt ist, stammt wahrscheinlich aus einem Flugsimulator. © unbekannt

Eigentlich hatte ich nach einem Propellerflugzeug gesucht, aber dieser Anblick ließ mich bei meiner Internet-Recherche dann doch einen anderen Weg einschlagen: ein Foto von einem Jumbo in LTU-Farben! Die leider verschwundene deutsche Fluggesellschaft hatte eine ganze Menge großer Flugzeuge im Einsatz – aber eine Boeing 747? Dazu musste ich unbedingt etwas mehr herausfinden.

Auf diversen einschlägigen Foren wurde ich fündig: 1991, so hieß es dort einvernehmlich, habe LTU tatsächlich mal einen Jumbo eingesetzt. Allerdings nur für kurze Zeit – um Lieferschwierigkeiten mit einer MD-11 zu überbrücken. Die Maschine, so erfuhr ich noch, sei von der einstigen Frachtfluggesellschaft Evergreen geleast worden – vorher sei sie für je sieben beziehungsweise acht Jahre bei Singapore Airlines und Pan Am im Einsatz gewesen.

Kaum Informationen über das Intermezzo zu finden

So sehr ich mich auch bemühte – weitere Informationen waren nicht zu bekommen. Auch ein zweites Foto war nirgends aufzutreiben. Seltsam. Eine solches Flugzeug muss doch für Planespotter damals ein echter Leckerbissen gewesen sein…

Ich wandte mich an den Luftfahrtjournalisten Andreas Spaeth, der in seinem Buch „Unvergessen – legendäre deutsche Airlines“ natürlich auch der LTU viel Platz einräumt. Die Antwort des Experten kam schnell, und er hatte tatsächlich noch ein paar zusätzliche Infos zu dem Flugzeug auf Lager: Die Boeing 747-212B, Erstflug am 1. August 1973, war vor ihrem Einsatz bei der LTU auch noch für die Flying Tigers, Libyan Arab Airlines (heute Libyan Airlines) und andere Carrier im Einsatz, nach ihrer LTU-Zeit flog sie auch für Saudia (heute Saudi Arabian Airlines), kehrte später wieder zu Evergreen zurück und steht seit 2013 im „Evergreen Aviation & Space Museum“ in Oregon in den Vereinigten Staaten. Geflogen, so konnte ich noch erfahren, sei sie für die LTU von Hahn und Düsseldorf nach Palma de Mallorca, „aber nur für drei Monate, bis die MD-11 geliefert wurde“.

Aufgrund von Verspätungen bei der Auslieferung der MD-11 mietete die LTU diese Boeing 727-200 von Evergreen International und setzte sie für Flüge nach Mallorca ein. © Danny Grew/Airhistory.net

„Drei Monate nur – umso erstaunlicher, dass LTU die Maschine dafür eigens umlackiert hat“, dachte ich mir und ließ Andreas Spaeth abschließend noch jenes Foto aus dem Internet zukommen, das meine Recherche überhaupt erst ausgelöst hatte. Spaeths Antwort kam wieder postwendend: „Dieses Bild ist ein Total-Fake, das gab es nie!! Das eingesetzte Evergreen-Flugzeug hatte nicht mal die Buchstaben LTU drauf…“ Etwas später legte er noch mal nach: „Es kann schon deswegen nicht stimmen, weil auf dem Bild eine 747-400 zu sehen ist, während Evergreen eine 747-200 an LTU vermietet hatte…“

Ups! Offenbar hatte mich das Foto dermaßen geflasht, dass ich gar nicht mehr so genau hingeschaut hatte. Ein bisschen peinlich war mir das schon. Aber sei’s drum – immerhin weiß ich jetzt, was es mit dem kurzen Jumbo-Intermezzo bei der LTU auf sich hatte. Und die Aerobuzz-Leser auch.

Meiko Haselhorst

 

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Über Meiko Haselhorst

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Meiko Haselhorst wollte als Kind immer Pilot werden. Doch es kam anders: Er wurde Tischler, später Redakteur einer Tageszeitung – und arbeitet heute als freiberuflicher Journalist. Seine immer noch vorhandene Leidenschaft für Flugzege und fürs Fliegen lebt der zweifache Vater zuweilen auf Reisen und an der Tastatur aus.

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