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Immer einen Besuch wert: Flugausstellung Junior in Hermeskeil

Die Chancen für einen Urlaub im Ausland stehen 2020 schlecht. Das ist eine gute Gelegenheit, sich Städte und Sehenswürdigkeiten hierzulande anzuschauen. Die Flugausstellung Junior in Hermeskeil im Hunsrück darf auf der Liste der Plätze, die man gesehen haben muss, nicht fehlen.

19.06.2020

Die Flugzeugsammlung der Flugausstellung Junior in Hermeskeil ist nicht nur für Enthusiasten beeindruckend. © V. K. Thomalla

Seit dem 12. Mai hat die Flugausstellung Junior in Hermeskeil im Hunsrück nach einer Corona-bedingten, mehrwöchigen Zwangspause bis Oktober wieder täglich von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Das direkt an der Bundesstraße 327 – der Hunsrückhöhenstraße – gelegene Museum ist eine der größten privaten Luftfahrtsammlungen in Europa und die größte private Flugzeugsammlung in Deutschland. Nicht weniger als 118 Fluggeräte aus allen Epochen der Luftfahrt – und in allen Größenordnungen – erwarten die Besucher.

Flugausstellung Junior

Schon auf dem Parkplatz wird deutlich: Hier meinte es jemand ernst mit dem Sammeln von Flugzeugen: Da der Museumsgründer Leo Junior wusste, dass es unmöglich war, einen Prototypen des Überschall-Verkehrsflugzeugs Concorde zu kaufen, baute er kurzerhand aus 80 Tonnen Stahl einfach eine Concorde nach. Bei dem Nachbau ging er aber pragmatisch vor, denn die Concorde sollte ja das Museumscafé aufnehmen. Also baute er den Rumpf einen Meter breiter und etwas länger als das Original, damit sich die Gäste an Bord des Flugzeugs auch wohl fühlen können. In der echten Concorde ist es nämlich sehr eng.

Die Concorde ist selbst gebaut

Ansonsten legte Leo Junior sehr viel Wert auf Originalität. Das hat er seinem Nachfolger Peter Junior vererbt, der heute das Museum mit seiner Familie führt. „Wir streichen die Flugzeuge alle fünf bis sieben Jahre komplett neu in den Originalfarben“, berichtet Astrid Junior im Gespräch mit Aerobuzz.de. Im 76.000 Quadratmeter großen Außengelände sind die Exponate dem Wetter ausgesetzt, so dass es zwar die eine oder andere ausgeblichene Cockpitscheibe gibt, aber der Aufwand, den die Familie in den Erhalt der Luftfahrzeuge steckt, ist deutlich sichtbar.

Die Flugausstellung (nicht Flugzeugausstellung!) Junior verfügt auch über 3.600 Quadratmeter Hallenfläche, die vollgepackt sind mit luftfahrthistorischen Schätzen. Gleich in der ersten Halle kann man sich als Enthusiast direkt verlieren: Unter der Decke hängen eine Junkers Ju 52 – in deren Cockpit die Besucher über eine Treppe hineinschauen dürfen – ein Grunau-Baby und eine Hütter H-17B, an der Wand hängt ein Starfighter und in der Mitte der Halle steht ein Überschalljäger F-100F Super Sabre der US Air Force auf Stelzen. Umrahmt wird diese Kollektion von einer Piper J-3C Cub, einer Schweizer de Havilland DH.112 Venom, einer Kamow Ka-26 der Volkspolizei der DDR, einem Trainer AT-6, einer Boeing Stearman und einer Messerschmitt BF 108 Taifun. Und das ist nur der Anfang!

Umfangreiche Motorensammlung

Steigt man die Treppe in Richtung Außenglände hoch, wird man von einer Sammlung von Luftfahrtantrieben schier überwältigt. Diese Vielzahl an Exponaten dürfte jede ingenieurstechnische Studiensammlung vor Neid erblassen lassen. Ein Schnittmodell eines Junkers L5-Sechszylinder-Reihenmotors, ein J85-Strahltriebwerk und sogar ein Pratt & Whitney JT9D einer Boeing 747 sind dort zu finden. Ein Highlight der Sammlung ist ein Rolls-Royce Conway-Strahltriebwerk, welches beispielsweise die Boeing 707 der Lufthansa antrieb. Auch ist die Vielfalt der osteuropäischen Motoren beeindruckend. Neben den Antrieben sind in dieser Halle auch viele Großmodelle sowie ein kleineres Flugzeug vom Typ Dornier Do 27 untergebracht. Luftfahrt-Enthusiasten müssen Zeit mitbringen, sonst entdecken sie nur einen Bruchteil der Schätze, die dort zu sehen sind.

Betritt man das Außengelände, ist man von zwei Dingen überrascht: Trotz der großen Zahl von wirklich großen Fluggeräten – darunter veritable Verkehrsflugzeuge wie die Vickers VC-10, die Tupolew Tu-134 und mit der Mi-26 auch der größte Hubschrauber der Welt – ist das Gelände großzügig gestaltet. Angesichts des Abstandsgebots wegen Corona ist das ein weiterer Pluspunkt der Flugausstellung. Die zweite Überraschung ist der Rasen: Er ist kurz gemäht und gepflegt! „Wir haben einen Mitarbeiter, der kümmert sich nur um den Rasen, der hat einen grünen Daumen“, sagt Astrid Junior.

Die Zäune um die Flugzeuge wie diese Saab J35E Draken der schwedischen Luftstreitkräfte sind in Hermeskeil so niedrig, dass man die Flugzeuge trotzdem gut fotografieren kann. © V. K. Thomalla

Wenn es Abgrenzungen um die Flugzeuge herum gibt, sind sie in den allermeisten Fällen so niedrig, das man die Fluggeräte trotzdem gut fotografieren kann. Bei einigen Flugzeugen sind Treppen oder Podeste aufgebaut, damit die Besucher in die Cockpits hineinschauen können. Natürlich nagt der Zahn der Zeit an den Interieurs, aber einen solchen Einblick bekommt man bei vielen anderen Ausstellungen eben nicht. Fast alle Exponate sind durch Schilder beschriftet. Sie geben jeweils einen kurzen Überblick über das Muster und seine Besonderheiten.

MiG-21, MiG-23, F-4 und RF-4 Phantom II, Mirage IIIR und Mirage V, Super Mystère B2, Jetstream T.Mk.2, De Havilland DH.106 Comet, Convair F-102A Delta Dagger, Saab Draken und Viggen, F-104G, F-84F, F-105 Thunderchief, Nord Noratlas, Pervical Pembroke, Westland Lynx, Hawker Harrier, English Electra Canberra, English Electric Lightning und viele weitere Exponate finden sich auf dem Gelände. Im westlichen Teil des Außengeländes der Flugausstellung warten mit der Lockheed L-1049G Super Constellation mit dem Kennzeichen D-ALIN und der Iljuschin Il-18W noch zwei große Highlights auf die Besucher.

Bei der Super Constellation handelt es sich nämlich genau um das Lufthansa-Flugzeug, mit dem der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer 1955 zu Gesprächen mit der sowjetischen Regierung geflogen war, um die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen zu erreichen.

In den weiteren Hallen finden sich neben Flugzeugen und Helikoptern auch Schwerpunktsammlungen zu den Themen Pilotenhelme, Schleudersitze und Cockpithauben. Bis auf einige wenige Hubschrauber kamen alle Exponate der Flugausstellung per Landtransport nach Hermeskeil. Angesichts der Dimensionen einer Vickers VC-10 oder einer IL-18 kann man sich vorstellen, wie groß die logistische Herausforderung eines solchen Unterfangens war. Astrid Junior erzählt, dass ein Teil der Flugzeuge bis zum Flughafen Hahn (rund 45 Kilometer entfernt) geflogen sind und dort für den Straßentransport demontiert wurden, ein anderer Teil wurde in Saarbrücken und auf dem Fliegerhorst Büchel für seine letzte Reise vorbereitet.

Gibt es angesichts der großen Vielfalt an Fluggeräten noch Muster, die in der Sammlung fehlen? „Ja“, beantwortet Astrid Junior die Frage klar. „Wir haben da was in der Mache, aber wir werden darüber erst sprechen, wenn alles geregelt ist und wir sicher sind, dass es auch klappt.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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