Homepage » Berufe » MAF Deutschland: Personalgewinnung mit Gottes Hilfe

MAF Deutschland: Personalgewinnung mit Gottes Hilfe

Als Human Resources Manager, der Fachkräfte in der Luftfahrt sucht, ist Stefan Neumann sozusagen „on a Mission from God“. Eigentlich macht der 40-Jährige klassische Personalarbeit, irgendwie ist die beim internationalen christlichen Flugdienst MAF Deutschland aber auch nicht mit der gewohnten Praxis zu vergleichen. Trotz besonders schwerer Rahmenbedingungen, kommt es einem teilweise wie ein real gewordenes Paradies vor, in dem man gucken kann, wie es sein könnte…

19.11.2022

Die Piloten der MAF fliegen, was gerade benötigt wird, in abgelegene Gebiete. Auf diesem Flug transportierten sie Schulmaterialien für die Kinder. © MAF Deutschland

Der Herrgott hat dem ehemaligen Pastor Stefan Neumann das wohl größte Geschenk gemacht, was man einem Personaler machen kann: Er hat ihm sehr viel Zeit gegeben. Für jeden Bewerber hat Neumann mehrere ganze Tage Zeit, „um verdammt viele und sehr persönliche Gespräche zu führen.“ Bei gemeinsamen Flügen, beim Plane Spotten oder bei irgendeiner anderen Art von Ausflug, der die Herzen von Kandidat und Personaler erfüllt. Zusätzlich hat Neumann mehrere Jahre Zeit, um noch nicht qualifizierte Kandidaten aufzubauen. Und es gibt eigentlich immer eine sehr starke Verbindung zwischen den Interessenten und dem Arbeitgeber: Christliche Werte und der Glaube an Gott. Trotzdem hat die Sache einen Haken, der insbesondere bei deutschen Bewerbern dazu führt, dass sie sehr zögerlich sind und ihre Bewerbung oft auch wieder zurückziehen.

Nicht nur Piloten werden von MAF Deutschland gesucht, auch Mechaniker und Support-Personal. © MAF Deutschland

MAF Deutschland sucht Piloten, Fluggerätmechaniker und IT-Fachkräfte, die sich vor lauter Programmierer-Stolz nicht zu fein dafür sind, den Anwender auch mal zu bitten, Kabel rauszuziehen und wieder rein zu stecken. Piloten sollte klar sein, dass sie nicht etwa die „Helden der Lüfte“ sind, sondern auch mal 1,5 Tonnen Fracht bei 40 Grad im Schatten selbst ein- und wieder ausladen. „Die Leute der MAF sind sozusagen nicht der barmherzige Samariter, sondern dessen Lastesel, und stehen damit nicht im Mittelpunkt“, findet Neumann. Dafür gebe es mehr Sinn bei der Arbeit, als beim Transport von Touristen an den Ballermann: „Piloten von Airlines kommen, weil sie ihre Fähigkeiten sinnvoll für Gott einsetzen wollen.“ Gesucht werden außerdem Handwerker wie Klempner oder Maurer, um die in der Heimat auch geworben wird

Fürsorge liegt nicht allein in Gottes Hand

Sie alle werden für einen Zeitraum von vier Jahren in Entwicklungsländer entsandt und bekommen feste Arbeitsverträge nach deutschen Standards, die in Bezug auf Versicherungen und Altersvorsorge keine Wünsche offen lassen. Ehefrauen können selbstverständlich mit und bekommen ebenfalls einen festen Vertrag, zur „Unterstützung des Flugbetriebs“, was als Oberbegriff für die durchaus auch anspruchsvollen Tätigkeiten steht, die zur jeweiligen Unterzeichnerin passen. Falls Kinder vorhanden sind, wird dafür gesorgt, dass auch sie in Madagaskar, Papua-Neuguinea, Kenia, im Südsudan, in Tansania oder irgendeinem anderen der insgesamt 34 Einsatzländer eine gute Zeit haben. „Selbstverständlich können auch Frauen den Hauptvertrag bekommen und ihre Männer mitnehmen. Bisher hatten wir aber noch keine Bewerberin“, berichtet Neumann. Der Haken ist, dass all diese gesuchten Fachkräfte den Lohn, den sie in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart haben, selbst mitbringen müssen.

Stefan Neumann ist der Human Ressources Manager der MAF Deutschland. © MAF Deutschland

„Wir sind ein Spendenwerk. Als solches können wir unseren Mitarbeitern einen guten Arbeitsvertrag nach deutschem Recht bieten, der zum Beispiel auch den Anspruch auf Kindergeld beinhaltet. Finanzieren müssen sich unsere Mitarbeiter aber selbst“, erklärt Neumann. Was bei Piloten, die vorher beispielsweise bei großen Airlines gearbeitet haben, dazu führen kann, dass sie plötzlich mit kleinen Gehälter rechnen müssen. Als Single im Entwicklungsland, da müsste man doch mit 1.000 Euro im Monat hinkommen, lautet dann die Devise. Diesen Zahn muss der Personaler allerdings gleich ziehen: „In den Ländern, in denen wir die Leute einsetzen, haben wir als Arbeitgeber eine besondere Fürsorgepflicht, unsere Mitarbeiter mit Versicherungen abzusichern. Das liegt nicht allein in Gottes Hand“, betont der ehemalige Pastor. Angestrebt wird neben den Versicherungsbeiträgen ein durchschnittliches, deutsches Einkommen: „Um das Geld zusammen zu bekommen, begleiten wir die Leute beim Aufbau eines Unterstützerkreises, um genug Spenden zu bekommen.“ Am Ende kommt das Geld immer aus dem kirchlichen Umfeld. Vom Missionswerk bis zum einfachen Gemeindemitglied, das für vier Jahre einen kleinen Dauerauftrag einrichtet, ist alles dabei: „Im Freundeskreis oder in der Gemeinde um Spenden zu bitten, ist die größte Hürde“, weiß Stefan Neumann.

Manchmal kommen Leute auch von sich aus

Um Menschen zu finden, die diese Hürde nehmen, rührt der Human-Resources Manager in so ziemlich allen Pötten. Ganz klassisch – und im Vergleich zu den anderen Aktivitäten mit wenig Aufwand – wird im MAF-Magazin „Luftpost“ auf die Jobs hingewiesen. Auch klassisch – aber mit überraschend hohem und qualifiziertem Rücklauf – sind die Stellenanzeigen auf der MAF-International Seite. „Viele suchen nach > Buschpilot < und landen dann automatisch bei uns“, freut sich Neumann über das perfekte Keyword. Digital weiter geht es in Sozialen Netzwerken, wie Instagram, FaceBook und YouTube.

Analog, persönlich und aufwendig wird es, wenn Neumann deutschlandweit durch christliche Gemeinden tingelt und MAF vorstellt. Gleiches tut er auf Messen, wie der AERO oder auch auf christlichen Messen oder Jugendevents, zum Beispiel vom CVJM, wo er nicht ohne einen selbstgebauten Flugsimulator auftaucht. In vielen deutschen Großstädten gibt es Gruppen des Fellowship of Christian Airline Personnel (FCAP), die sich regelmäßig treffen: „Daran nehme ich teil, um die Verbindung zur kommerziellen Luftfahrt herzustellen.“ Selbstverständlich knüpft der Personaler mit viel Zeit auch persönliche Kontakte in Luftsportvereinen, wo er viele Freunde hat, die er persönlich anspricht. „Und manchmal, da kommen Leute auch von sich aus“, sagt der 40-Jährige und lacht.

Anderen den eigenen Traum erfüllen

Als in Zeiten von Corona das Analoge und Persönliche weg fiel, kam Stefan Neumann auf die Idee, die WhatsApp-Gruppe „Missionsfliegerstammtisch“ ins Leben zu rufen: „Ich fand, dass man die Leute irgendwie zusammenbringen musste. Da verabredeten wir uns zum spotten.“ Eigentlich ist diese Gruppe aber auch der Ort, an dem der Personaler mit viel Zeit, potenzielle Kandidatinnen und Kandiaten auf ihrem jahrelangen Weg vom Fußgänger bis zur Berufspilotenlizenz (CPL) begleitet. Neumann unterstützt mit Tipps und Kontakten, wobei letztere am wichtigsten sind. Was sein Herz dabei erfreut ist, anderen den Traum zu erfüllen, der sich für ihn selbst leider nicht erfüllt hat: „Ich wollte Pilot werden und habe bei Lufthansa, LTU und Hapag-Lloyd das Assessment nicht geschafft.“ Den Privatpilotenschein hat er in den USA mal angefangen, als er dort als Praktikant einer deutschen Bibelschule war: „Leider war ich nicht fertig, als ich zurück musste. In Deutschland war es dann ein zu großer Aufwand und zu teuer den Schein umschreiben zu lassen und fertig zu machen.“ Die Missionsfliegerstammtisch-Gruppe betreut Stefan Neumann, weil er sich früher selbst jemanden gewünscht hätte, der ihm die vielen, verschiedenen Wege in die Luftfahrt gezeigt hätte. Und zwar ohne Eigeninteresse, um beispielsweise Flugstunden seiner Flugschule zu verkaufen: „Der erste Fußgänger unser WhatsApp-Gruppe hat jetzt gerade seinen PPL gemacht. Sobald er das Geld zusammen hat, fängt er mit dem CPL an.“

Im Assessment durchgefallene Kandidaten werden aufgebaut

Die persönlichen Kontakte über die Jahre sorgen – neben den gemeinsamen christlichen Werten – für eine besondere Verbindung zwischen Kandidat und Arbeitgeber. Doch auch bei der MAF wird mit Assessments gearbeitet, wo auch Leute durchfallen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, erhalten diese Leute aber nicht einfach ein finale Absage, deren Gründe der Kandidat nie erfährt. „Wir arbeiten mit einem Psychologen in den Niederlanden zusammen, der die genauen Gründe für eine Absage angibt“, erklärt Neumann. Ein weiterer, ganz entscheidender Unterschied ist das, was dann folgt: Das Angebot, Kontakt zu halten und den Kandidaten aufzubauen, bis die Absage-Gründe behoben sind und er das Assessment besteht. „Obwohl wir weiß Gott nicht jeden nehmen, kommt eine finale Absage von uns nur in fünf bis sechs Prozent der Fälle vor“, berichtet Neumann. Dafür passiere es recht häufig, dass Kandidaten von selbst einen Rückzieher machen: „Im Vergleich zu uns Deutschen, gehen da zum Beispiel die Niederländer viel pragmatischer ran. Ich würde mir wünschen, dass wir uns in Deutschland davon eine Scheibe abschneiden.“

So wie es im Moment ist, dauert es bei Piloten durchschnittlich drei bis vier Jahre vom Erstkontakt bis zum ersten Arbeitstag. Bei Fußgängern natürlich viel länger. Fluggerätmechaniker können, wenn sie schon alle Lizenzen haben und der Aufbau eines Unterstützerkreises gut läuft, innerhalb eines Jahres an den Start gehen. „Mit Klempnern und Maurern haben wir noch keine Erfahrungswerte, weil wir da gerade erst anfangen“, berichtet Neumann.

In der Flugschule MATC in den Niederlanden erhalten die angehenden Buschpiloten ihr fliegerisches Handwerkzeug, um die anspruchsvolle Tätigkeit später auch erfolgreich zu erfüllen. © Stefan Neumann

Zugeben muss der ehemalige Pastor, dass der Herrgott die viele Zeit nicht gleichmäßig über alle Personalverantwortlichen bei MAF verteilt hat. Nachdem Stefan Neumann jahrelange Vorarbeit geleistet hat, trifft er die Einstellungsentscheidung zusammen mit jemandem von der Flugschule MATC und einem Mitarbeiter der Personalabteilung von MAF International im Vereinigten Königreich: „Mein Kollege dort entscheidet dann schon in Zeiträumen, wie andere Personaler auch.“

Heiko Link

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

Mission Aviation Fellowship unterzeichnet Vertrag für fünf Cessna Caravan

Cessna hat die 500. Grand Caravan EX ausgeliefert

Daher hat die 300. Kodiak ausgeliefert

 

Über Heiko Link

zum Aerobuzz.de
Heiko Link ist Journalist und Podcaster, der in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Seine bevorzugte Berichtsform ist die humorvolle Reportage, die er am liebsten über Flugzeug-Selbstbauer schreibt. Baugeschichten und technische Themen begeistern ihn in der Luftfahrt und auch am Boden, beim Hoch- und Tiefbau. Fliegerische Erfahrung hat der Ostwestfale als Drachen-, Gleitschirm- und UL-Pilot gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.