Homepage » Business Aviation » Quo vadis, EBACE?

Die EBACE steht an einem Scheideweg. Sie hat in diesem Jahr so wenige Aussteller angezogen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie muss sich ändern, um annähernd wieder zu alter Größe zurückzukommen. Die große Frage aber ist: wie?

30.05.2024

Bombardier war auf der EBACE 2024 nicht als Aussteller vertreten dennoch gab es im Static Display Flugzeuge des kanadischen Herstellers zu sehen wie diesen Global 6000. © V. K. Thomalla

Heute ist der letzte von drei Messetagen der EBACE 2024, der größten und wichtigsten Messe für die Business Aviation in Europa. Die hochkarätige Veranstaltung auf dem Messegelände Palexpo und dem angrenzenden Flughafen Cointrin in Genf in der Schweiz war in diesem Jahr deutlich kleiner als in den vorgegangenen Jahren. Die Zahl der Aussteller, die im offiziellen Aussteller-Verzeichnis aufgelistet waren, lag am Montag ( 27. Mai 2024) bei gerade einmal 223 Einträgen – weit entfernt von den Rekordjahren der 2010er-Jahre, als noch über 400 Aussteller die Hallen auf dem Messegelände in Genf füllten – und nicht nur, wie in diesem Jahr eine Halle notwendig war, um die Messe zu beherbergen. Außerdem waren die meisten Stände in der Halle kleiner als in den Vorjahren oder die Aussteller hatten statt eines Standes in der Halle und auf dem Static Display nur noch eine Präsenz auf dem Static.

Das Static Display war deutlich kleiner

Sehr auffällig war aber auch der Schrumpfungsprozess, den das Static Display durchgemacht hat: Noch auf der Außenausstellung der EBACE 2023 waren deutlich über 50 Fluggeräte zu sehen, in diesem Jahr waren es nur noch 29! Die EBACE hat offensichtlich in ihrer jetzigen Form als Event ein Problem in ihrer Kernzielgruppe.

Gulfstream Aerospace und Bombardier hatten bereits vor der EBACE angekündigt, nicht zur Messe nach Genf zu kommen. Gulfstream hatte auch die NBAA-BACE im vergangenen Jahr als Aussteller gemieden und konzentriert sich auf eigene und kleinere Events, um seine bestehenden und potenziellen Kunden zu treffen.

In Gesprächen mit Besuchern und Ausstellern wurde häufig das Argument genannt, dass der Messeplatz Genf mit seinen sehr hohen Infrastrukturkosten trage erheblich zum Rückgang der Akzeptanz der Messe bei. Aber die EBACE-Veranstalter EBAA (European Business Aviation Association) und NBAA (National Business Aviation Association) sind einerseits noch vertraglich für einige Jahre an Genf gebunden, andererseits gehört Genf zu einer schönsten Städte in Europa und bietet mit einer großen Vielfalt an Top-Hotels auch das Umfeld, welches die Endkunden der Business Aviation sowieso regelmäßig aufsuchen. Außerdem lassen diese Nutzer sich von den prohibitiv hohen Kosten in Genf auch am wenigsten abschrecken. Ein Weggang der EBACE aus Genf – wie auf der Messe in diesem Jahr kolportiert wurde – ist zumindest in den nächsten beiden Jahren auszuschließen.

Die Business Aviation in Europa braucht eine Messe

Die EBAA braucht die EBACE, denn sie hat seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2001 in erheblichem Maß zur Finanzierung der Arbeit des Verbands beigetragen. Und die Business Aviation in Europa benötigt angesichts der aktuellen und künftigen Herausforderungen eine starke und leistungsfähige Vertretung, die auch irgendwie bezahlt werden muss.

Es ist aber auch klar, dass es nicht Kernaufgabe einer Messe wie der EBACE ist, einen Verband zu finanzieren, auch wenn das in der Vergangenheit als willkommener „Beifang“ einfach mitgenommen wurde. Die Bedeutung der EBACE liegt auch in ihrer Rolle als Kommunikations-, Informations-Plattform und als Marktplatz. Und diese Rollen hat sie in der Vergangenheit häufig brillant erfüllt. Die EBACE ist – wie andere Messen auch – ebenfalls ein Inkubator für neue Ideen, ein öffentlichkeitswirksamer Platz, um neue Produkte und Ideen vorzustellen, um andere Player aus der Branche auf einem neutralen Boden zu treffen und gemeinsame Herausforderungen und Ideen auszutauschen und Lösungen dafür zu erarbeiten.

Die EBAA und die NBAA sind nicht um ihre Aufgabe zu beneiden, die EBACE marktgerecht weiterzuentwickeln. Ed Bolen, der Präsident und CEO der NBAA, sagte in Genf, er habe eine Menge positiver Energie auf der Messe verspürt. Darauf gilt es nun aufzubauen. Die nächste EBACE findet vom 20. bis zum 25. Mai 2025 statt. In Genf auf dem Messegelände Palexpo und dem Flughafen Genf-Cointrin.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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