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Clearwings und EVIA AERO wollen Cessna-Einmots elektrifizieren

Elektrisch angetriebene Flugzeuge verursachen geringere Betriebskosten und weniger Geräuschemissionen als Flugzeuge mit Verbrennermotoren. Eigenschaften, die für Flugschulen und Betreiber von Kurzstreckenflügen interessant sind. Deswegen entwickelt Clearwings einen Umrüstsatz. EVIA AERO hat als erstes Unternehmen eine Kaufabsichtserklärung unterzeichnet.

8.04.2026

EVIA AERO hat eine Kaufabsichtserklärung für zehn ClearKit-Umbausätze unterschrieben. © EVIA AERO

Die Clearwings B.V. aus Eindhoven in den Niederlanden und EVIA AERO aus Bremen wollen die Elektrifizierung der General Aviation in Europa entscheidend vorantreiben. Das 2017 gegründete Unternehmen Clearwings hat einen batterieelektrischen Antrieb für einmotorige Flugzeuge entwickelt, der als Umrüstsatz in bestehende Flugzeuge integriert werden kann und auch für Neuentwicklungen zur Verfügung steht.

Diese ClearKit genannte Umrüstsatz ersetzt den Verbrennungsmotor. Dadurch sinken die Gesamtbetriebskosten nach Berechnungen des Herstellers über den Lebenszyklus betrachtet um 60 Prozent. Grund dafür sind die geringeren Energiekosten im Vergleich zu fossilen Energien sowie reduzierte Maintenance-Kosten. Außerdem reduziert das Antriebssystem die Geräuschemissionen der ausgerüsteten Flugzeuge spürbar. Clearwings testet das Antriebssystem seit letztem Jahr in einer Cessna 150 auf dem Kempen Airport in den Niederlanden. Den Erstflug des Systems strebt Clearwings für den Juni 2026 an.

Wenn die Batterien der Flugzeuge mit Strom aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft geladen werden, erreichen die Betreiber einen klimaneutralen und nachhaltigen Flugbetrieb.

Kyle Strickland (li.) von Clearwings und Florian Kruse von EVIA AERO (re.) besiegeln ihre Vereinbarung mit einem Handschlag. © EVIA AERO

Die EVIA AERO will zehn ClearKit-Umrüstsätze kaufen, mit denen sechs Cessna 182 Skylane und vier Cessna 206H auf einen elektrischen Antrieb umgerüstet werden sollen. Die ersten Umrüstsätze sollen 2029 ausgeliefert werden. „Die von Clearwings entwickelten, installationsfertigen Nachrüstsätze sind die erste speziell für die bestehende europäische General-Aviation- und Regionalflotte konzipierte Retrofit-Lösung im EASA-Zertifizierungspfad und ermöglichen eine schnelle Skalierung nach Zulassung“, teilten beide Unternehmen mit.

Flugschulen und Regionalverkehre als Zielgruppen

Neben Flugschulen gehören auch Anbieter von Inselflugverkehren in der Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeerraum zu den Zielgruppen, die Clearwings und EVIA AERO erreichen wollen. Die Umrüstsätze sind nach Angaben des Herstellers für verschiedene Flugzeugmuster konzipiert. Zuerst will man den Markt der vier- bis sechssitzigen Flugzeuge bedienen, danach den für sechs- bis elfsitzige Flugzeuge.

Kyle Strickland, der Managing Director von Clearwings, sagte: „EVIA AERO war der erste Unterstützer unserer Vision. Sie haben sowohl an unsere Technologie als auch an unseren pragmatischen Ansatz geglaubt, elektrische Nachrüstlösungen als effektiven Weg zur Reduktion von Emissionen und zur Bewältigung des steigenden Pilotenbedarfs einzusetzen. Europa benötigt bis 2040 jährlich rund 6.000 zusätzliche Piloten. Flugschulen können es sich nicht leisten, weiterhin ausschließlich mit konventionellen Flugzeugen auszubilden, und angehende Piloten stehen vor erheblichen Kostenhürden. ClearKit verändert diese Ausgangslage grundlegend – und EVIA AERO hat dies früh erkannt.“

Florian Kruse, der Gründer und CEO (Hauptgeschäftsführer) von EVIA AERO, sagte: „Clearwings ermöglicht uns mit den innovativen ClearKits einen frühen und strategischen Einstieg in die Pilotenausbildung mit kleinen elektrischen Flugzeugen. Für uns und unsere Partner an europäischen Flughäfen stellt dies einen idealen Weg dar, die Transformation zur elektrischen Luftfahrt effizient und wirtschaftlich umzusetzen – unter Nutzung bewährter und etablierter Flugzeugtypen. Die Kombination aus erprobten Plattformen und modernster elektrischer Technologie ermöglicht eine reibungslose, skalierbare und zukunftssichere Einführung bei gleichzeitig hoher Betriebssicherheit und Wettbewerbsvorteilen.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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