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Daher hat die Kodiak 900 in Oshkosh vorgestellt

Der französische Flugzeughersteller Daher hat das EAA AirVenture (25. - 31. Juli 2022) in Oshkosh im US-Bundesstaat Wisconsin als Plattform genutzt, um sein neuestes Flugzeugmuster, die Kodiak 900, der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit der Kodiak 900 erweitert Daher sein Portfolio an einmotorigen Turboprop-Flugzeugen auf vier Muster: TBM 910 und TBM 960 sowie die Kodiak 100 und Kodiak 900.

26.07.2022

Daher hat auf dem EAA AirVenture 2022 die Kodiak 900 vorgestellt, die über eine größere Kabine als die Kodiak 100 verfügt. © Daher

Als die Daher-Gruppe den Flugzeughersteller Quest Aircraft aus Sandpoint im US-Bundesstaat Idaho im Jahr 2019 übernahm, kündigte das Unternehmen an, Synergien zwischen den beiden Flugzeugfamilien nutzen zu wollen und Technologien aus der TBM-Flugzeugfamilie in die Kodiak-Flugzeuge zu übertragen. Mit der Vorstellung der Kodiak 900, einer gestreckten und überarbeiteten Version der Kodiak 100, auf dem EAA-AirVenture in Oshkosh, hat Daher unter Beweis gestellt, dass diese Ankündigung auch in die Tat umgesetzt wird. 

Die Kodiak 900 ist 1,10 Meter länger als ihre kleine Schwester Kodiak 100. Der Rumpf ist länger und verfügt nun über fünf Fensterpaare in der Kabine. Aber sie bietet ihren Nutzern nicht nur mehr Platz, sondern dank des stärkeren PT6A-140A-Turboprop-Triebwerks auch bessere Flugleistungen. So liegt die maximale Reisgeschwindigkeit der Kodiak 900 bei 210 kts (True Air Speed) im Vergleich zu 174 kts bei der Kodiak 100. Die um 150 shp auf 900 shp (671 kW) gestiegene Leistung des Antriebs sorgt bei der Kodiak 900 auch für eine höhere Steigrate von über 1.700 ft/min trotz einer um 349 höheren maximalen Startmasse. Allerdings steigt die Nutzlast nicht parallel zur maximalen Startmasse: Sie liegt bei der Kodiak 900 nur 47 kg höher als bei der Kodiak 100.

Daher hat als Antrieb für die Kodiak 900 die Propellerturbine PT6A-140A von Pratt & Whitney Canada gewählt. © Pratt & Whitney

Der Hersteller präsentiert mit der neuen Kodiak auch eine neue Kabine, deren Interieur viele Anleihen bei der TBM-Familie nimmt. Die neue Sitze sind beispielsweise mit Schnellverschlüssen versehen, die ein schnelles Verstellen oder Ein- und Ausbauen der Sitze ermöglichen. Einsatzvielfalt und Flexibilität in der Konfiguration ist einer der Stärken der Kodiak 100. Diese Eigenschaften hat die Kodiak 900 geerbt. Neben dem reinen Passagiertransport eignet sich das Flugzeugmuster auch als Frachter – es sind ausreichend Verzurrpunkte in der Kabine installiert –, als Ambulanzflugzeug, als Absetzflugzeug oder sogar als Überwachungs- und Aufklärungsflugzeug. 

Stärker, leiser und schneller

Kundenwünsche fanden ebenfalls Eingang in die Auslegung und Konstruktion der Kodiak 900: So setzt ein neuer Hartzell-Propeller des Leistung des Turboprop-Antriebs in Vortrieb um. Er erreicht seine optimale Leistung schon bei 1.900 U/min und ist damit leiser als die Kodiak 100. Die Geräuschmessungen haben einen Wert von 79,5 dB ergeben und ermöglichen damit den Betrieb des Flugzeugs auch in lärmsensitiven Umgebungen. 

Bei der Kodiak 900 ist die Einstiegsstufe für das Cockpit einer faltbaren Leiter gewichen. Die Radverkleidungen der Turbinen-Single können nun nach Bedarf von den Piloten selbst an- oder abmontiert werden, ohne dass dafür Techniker beauftrag werden müssen. 

Das gesamte Antriebssystem wurde für mehrere Triebwerksstarts pro Stunde ausgelegt – was besonders für Luftfahrtunternehmen wichtig ist, die Fallschirmspringer absetzen. Bei der Produktion setzt Daher auch 3D-Druck ein, beispielsweise bei den Luftauslässen, was zu einer Gewichtsreduzierung führt. 

Die Kodiak 900 ist mit einem Garmin G1000 NXi Avionikpaket ausgerüstet. © Daher

Daher hat schon in der vergangenen Woche die FAA-Musterzulassung für die Kodiak 900 erhalten. Mit der Entwicklung des neuen Flugzeugtyps hat der Hersteller schon im Jahr 2016 begonnen. Bislang existieren drei Exemplare der Kodiak 900: Ein Testflugzeug, welches nie fliegen wird und als Objekt für die statischen und Ermüdungstests dient, ein fliegender Prototyp, der am 28. Februar 2020 zum ersten Mal geflogen ist sowie ein Vorserienexemplar, das den Serienflugzeugen entspricht. In Oshkosh hat Daher das Vorserienflugzeug auf seinem Stand im Static Display ausgestellt. Bislang haben die beiden Kodiak 900 über 600 Flugstunden in der Luft verbracht und über 800 Stunden an Bodentests absolviert. Daher will die ersten Kodiak 900 im nächsten Jahr an Kunden übergeben.

Vergleich Kodiak 100 und Kodiak 900

Kodiak 100 Kodiak 900
Antrieb Turboprop Turboprop
Muster PT6A-34 PT6A-140A
Hersteller Pratt & Whitney Canada Pratt & Whitney Canada
Leistung 750 shp (559 kW) 900 shp (671 kW)
Länge 10,30 m 11,40 m
Spannweite 13,70 m 13,70 m
Höhe 4,48 m 4,90 m
Kabinenlänge 4,83 m 5,76 m
Kabinenhöhe 1,45 m 1,45 m
Kabinenbreite 1,37 m 1,37 m
Kabinenvolumen 4,83 m3 8,75 m3
Leermasse 1.712 kg 2.027 kg
Nutzlast 1.601 kg 1.647 kg
Tankinhalt 1.211 l 1.219 l
max. Startmasse 3.290 kg 3.639 kg
Startstrecke 285 m 309 m
max. Steigrate 1.340 ft/min 1.724 ft/min
Dienstgipfelhöhe 25.000 ft (7.620 m) 25.000 ft (7.620 m)
Reisegeschwindigkeit 174 kts TAS 210 kts TAS
Reichweite 1.129 nm 969 nm
Endurance 5,8 Stunden 4,3 Stunden
Landestrecke 233 m 445 m

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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