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Der Narsarsuaq Airport ist ab Mitte April für Flächenflugzeuge tabu

Ab dem 16. April ist der Flugplatz Narsarsuaq im Südwesten Grönlands für Flächenflugzeuge nicht mehr anfliegbar. Stattdessen müssen Ferryflieger auf ihrem Weg über den Nordatlantik auf den neuen Airport Qaqortoq ausweichen, der an diesem Tag eröffnet werden soll. Damit geht eine lange Geschichte zu Ende.

25.03.2026

Der im Zweiten Weltkrieg angelegte Flugplatz Narsarsuaq auf Grönland war über Jahrzehnte für Ferryflieger eine wichtige Zwischenstation. © Mads Pihl / Visit Greenland

Der Flugplatz Narsarsuaq (ICAO-Vierletter-Code: BGBW) im Süden Grönlands ist bislang für Ferrypiloten ein wichtiger Ort für Zwischenlandungen. Gerade Ferries von ein- und kleinen zweimotorigen Flugzeugen legen auf ihrem Weg über den Nordatlantik hier einen Stopp ein. Die Entfernung von Island nach Narsarsuaq beträgt Luftlinie 672 nautische Meilen (1.245 Kilometer), genausoweit ist es von Narsarsuaq zum Happy Valley Airport im kanadischen Goose Bay.

Der Anflug über beziehungsweise durch den Fjord ist nicht ohne – wie der Autor dieses Berichts selbst schon bei einem Überführungsflug mit einer Cessna Caravan bei niedriger Wolkendecke erfahren durfte – aber die Reichweite vieler Flugzeuge der General Aviation reicht nicht aus, um von Island nonstop nach Goose Bay zu fliegen. Besonders bei schlechtem Wetter und mit nur noch wenig Treibstoff in den Tanks ist eine Landung in Narsarsuaq angesichts der den Platz umgebenden hohen Berge immer eine Herausforderung.

Der neue Flugplatz ist fast fertig

Schon 2018 hatte die Regierung von Grönland beschlossen, der Flugplatz Narsarsuaq für Flächenflugzeuge zu schließen und stattdessen einen neuen Flugplatz rund 40 nautische Meilen weiter südlich in der Nähe der Siedlung Qaqortoq zu bauen. Narsarsuaq wird nach der Eröffnung des neuen Airports am 16. April dieses Jahres für Flächenflugzeuge gesperrt und darf danach nur noch von Helikoptern genutzt werden. „Dies ist ein großer Tag für uns, denn wir dürfen die voraussichtlichen Eröffnungen bekanntgeben. Wir haben viele Jahre mit großem Engagement und Fokus daran gearbeitet. Es ist eine Leistung, auf die wir stolz sind, und ein wichtiger Schritt für die Entwicklung ganz Grönlands“, sagte Anna Eva Villefrance, die Programmmanagerin für die Inbetriebnahme der Flughafenprojekte in Qaqortoq und Ilulissat im November 2025, als die Termine für die Eröffnung – und die Schließung von Narsarsuaq bekanntgegeben wurden.

Der neue Airport verfügt über eine 1.500 Meter lange Betonpiste, die aber kürzer ist als die 1.830 Meter langen Piste von BGBW.

Der Flughafen von Narsarsuaq besteht seit 1942. Er wurde im Zweiten Weltkrieg von der U.S. Army angelegt, um einen Zwischenlandeplatz für Flugzeuge zu haben, die über den Nordatlantik nach Europa flogen. Bevor der zunächst als „Bluie West One“ bezeichnete Flugplatz existierte, waren viele Flugzeuge auf Ferryflügen zwischen Kanada und Island verschwunden. Mit der Eröffnung ging die Zahl der vermissten Flugzeuge deutlich zurück. Während des Krieges landeten dort rund 10.000 Flugzeuge.

Aus Bluie West One wurde Narsarsuaq Airport

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der Flugplatz mit dem Ausbruch des Koreakriegs noch einmal an Bedeutung, danach wurde er 1958 von den Amerikanern aufgegeben, die sich auf die im Norden Grönlands gelegene Thule Air Base (heute: Pituffik Space Base) und die Sondrestrom Air Base (heute Kangerlussuaq Airport) konzentrierten. Dänemark wollte die „Bluie West One“ zunächst nicht betreiben.

Das änderte sich in den 1960er Jahren und fortan wurde der Platz zivil betrieben und gewann zunehmend an Bedeutung. 1987 übergab Dänemark den Platz an die grönländische Regierung. Es gab auch Unfälle in Narsarsuaq – unter anderem stürzte eine Falcon 20C der Naske Air aus Braunschweig 2001 beim Anflug auf den Platz ab. Mit der Eröffnung des neuen Platzes sollen Unfälle künftig der Vergangenheit angehören.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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