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Textron feiert den Erstflug der Cessna 172 vor 65 Jahren

Eines der meistgebauten Flugzeuge der Welt, die Cessna 172 Skyhawk, feiert Jubiläum: Vor 65 Jahren ist der Prototyp des einmotorigen Viersitzer in Wichita im US-Bundesstaat Kansas zum ersten Mal geflogen. Einige der Flugzeuge haben durch besondere Flüge Geschichte geschrieben. 

14.06.2020

Hunderttausende von Piloten haben auf der Cessna 172 Skyhawk das Fliegen gelernt. © Textron Aviation

Textron Aviation aus Wichita im US-Bundesstaat Kansas hat den 65. Jahrestag des Erstflugs der Cessna 172 gefeiert. Das einmotorige Kolbenmotorflugzeug ist eines der beliebtesten und meistverkauftesten Trainings- und Reiseflugzeuge der Welt. Chris Crow, Vorstandsmitglied für den Vertrieb von Kolbenmotorflugzeugen bei Textron Aviation, sagte: „Am 12. Juni 1955 erhob sich die Cessna Skyhawk zum ersten Mal in die Lüfte und ebnete damit den Weg für mehr als sechs Jahrzehnte der Kolbeninnovation und -führerschaft. Das Flugzeug etablierte sich schnell als das ultimative Schulungsinstrument, mit mehr als 1.100 gebauten und an Kunden ausgelieferten Exemplaren allein während des ersten Produktionsjahres. Wir sind unglaublich stolz auf die Rolle, die die Skyhawk für viele Piloten spielt, die ihren ersten Soloflug erfolgreich absolvieren und sich als Piloten weiter entwickeln.“

Cessna 172

 

Anfang der 1950er Jahre hatte Cessna Aircraft mit den beiden Spornradflugzeugen Cessna 170 und 180 zwei Einmots fest auf dem sich entwickelnden zivilen Flugzeumarkt etabliert. Doch der Hersteller wollte neue Interessenten ansprechen und modifizierte die beiden Spornradflugzeuge. Sie erhielten das von Cessna patentierte Land-o-Matic-Dreibeinfahrwerk und ein modifiziertes Heck. Die Cessna 172 Skyhawk und die Cessna 182 Skylane waren geboren. Das steuerbare Bugrad sowie die Klappen machten das Flugzeug einfach zu fliegen und am Boden zu steuern.

Der Hersteller sprach damit einerseits Flugschulen an, andererseits aber auch Geschäftsleute, die ihre Geschäftsreisen mit dem eigenen Flugzeug durchführten. Die ersten Cessna 172 wurden für 8.295 US-Dollar angeboten und verkauft.

Lizenzproduktion in Frankreich

Die Produktionszahlen stiegen von Jahr zu Jahr, und Cessna betrieb eine jährliche Modellpflege. In Frankreich produzierte sogar Reims Aviation das Muster in Lizenz. Ab Ende der 1970er Jahre brach die Produktion jedoch ein. Die Hersteller von Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt gaben die Kosten für die Produkthaftpflicht an ihre Kunden weiter, dadurch schossen die Preise für die Kolbenmotorflugzeuge durch die Decke in absurde Höhen. 1986 war die Nachfrage quasi nicht mehr vorhanden, und Cessna stellte die Produktion der einmotorigen Kolbenmotorflugzeuge ein.

1994 wurden die Produkthaftpflicht im Rahmen des General Aviation Revitalization Act in den USA geändert, und Cessna errichtete daraufhin ein neues Werk in Independence in Kansas, um wieder die Cessna 172, 182 und die T206 Stationair zu produzieren. Bislang hat der Hersteller über 45.000 Cessna 172 Skyhawk produziert und baut das Muster noch immer. Cessna hat das Muster immer wieder modernisiert, ohne dabei die grundlegenden Qualitäten zu verändern. Mit dem Garmin-Glascockpit G1000 NXi ist die Cessna 172 avionikseitig auch heute up-to-date.

Hundertausende von Piloten haben auf der Skyhawk das Fliegen gelernt, auch der Autor dieses Berichtes. Das Flugzeugmuster ist heute immer noch in vielen Flugschulen im Einsatz und ermöglicht Flugschülern, ihre ersten fliegerischen Schritte zu unternehmen.

Die Cessna 172 Skyhawk ist in vielen Rollen unterwegs, nicht nur als Schul- und Reiseflugzeug. Sie fliegt auch für die Polizei, für den Such- und Rettungsdienst, für Umweltaufgaben und vieles mehr. Zwei Flüge aus zwei Epochen mit der Cessna 172 sind jedoch in die Geschichte eingegangen: Zwischen dem 4. Dezember 1958 und dem 7. Februar 1959 flogen die beiden Piloten Robert Timm und John Cook mit einer modifizierten Cessna 172, die auf den Namen des Hotels Hacienda getauft war, nonstop über dem McCarran Airport in der Spielerstadt Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada und stellten damit einen bis heute bestehenden Dauerflugrekord auf. Sie waren 64 Tage, 22 Stunden und 19 Minuten in der Luft.

Über 64 Tage nonstop in der Luft

Vorräte, Lebensmittel und Motoröl holten sie per Seilwinde ins Flugzeug, betankt wurde die Hacienda im extremen Tiefflug von einem Ford Pick-up aus, der den Treibstoff über einen Schlauch in die Tanks der 172 pumpte. Der Werbeeffekt für das Hotel und die Cessna 172 war enorm. Heute hängt die Hacienda im Ankunftsbereich des Terminals des McCarran International Airports in Las Vegas.

1987 machte eine Cessna 172 anlässlich einer sehr skurrilen Aktion ebenfalls weltweit Schlagzeilen: Der deutsche Pilot Matthias Rust, damals 18 Jahre alt, landete nach einem illegalen Flug von Helsinki kommend mit der Cessna 172 seines Luftsportvereins mit dem Kennzeichen D-ECJB auf dem Roten Platz in Moskau. Mit dieser Landung hatte er das sowjetische Militär bloßgestellt und dem damaligen Präsidenten Michail Gorbatschow eine willkommene Gelegenheit geschaffen, die Führungsspitzen der Roten Armee auszuwechseln. Dies kann der Pilot aber weder geplant noch gewollt haben. Er hatte einfach nur Glück gehabt. Die russische Justiz verurteilte ihn im September 1987 unter anderem wegen schweren Rowdytums und Verstößen gegen internationale Luftverkehrsregeln zu vier Jahren Arbeitslager. Nach 14 Monaten wurde er vorzeitig entlassen und ausgewiesen.

Das Flugzeug, eine in Frankreich bei Reims Aviation in Lizenz gebaute Cessna 172P Skyhawk II, kam schon 1987 zurück nach Deutschland. Eigentlich wollte der neuer Besitzer mit ihr Werbung fliegen, doch die (west-)deutsche Regierung verbot dieses Unterfangen, da sie dadurch eine Verschlechterung des deutsch-sowjetischen Verhältnisses befürchtete.

Einige Zeit später verkaufte sie der Eigentümer an einen Vergnügungspark nach Japan, wo sie mehrere Jahre im Freien ausgestellt war. 2008 kaufte das Deutsche Technikmuseum in Berlin die Cessna und restaurierte sie. Seit Mai 2009 hängt sie nun im Eingangsbereich des Museums.

Daten Cessna 172S

Antrieb 
ArtKolbenmotor
HerstellerTextron Lycoming
MusterIO-360-L2A
Leistung180 PS/134 kW
Abmessungen 
Länge8,30 m
Spannweite11,00 m
Flügelfläche16,17 qm
Höhe2,70 m
Massen & Mengen 
Insassen4
Leermasse762 kg
Tankvolumen2 x 100,5 Liter
Maximale Abflugmasse1.157 kg
Nutzlast bei vollen Tanks254 kg
Maximale Landemasse1.157 kg
Flugleistungen 
Startrollstrecke293 m
Startstrecke497 m
Steigrate730 ft/min
Max. Reisegeschw.124 KTAS
Max. Geschwindigkeit163 KIAS
Stall Speed48 KCAS
Dienstgipfelhöhe14.000 ft (4.267 m)
Max. Reichweite640 nm (1.185 km)
Landestrecke407 m
Landerollstrecke175 m

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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