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Volocopter stellt VoloConnect mit größerer Reichweite vor

Volocopter baut seine Projektpalette mit einem weiteren Fluggerät aus. Mit VoloConnect beschreitet das 2011 gegründete Unternehmen konstruktiv Neuland, denn mit Tragflächen für die aerodynamische Effizienz und Antriebseinheiten rein für den Vortrieb soll das neue eVTOL-Muster eine größere Reichweite und eine höhere Geschwindigkeit schaffen als die bisherigen Volocopter-Projekte.

17.05.2021

Volocopter will die Zulassung seines VoloConnect innerhalb der nächsten fünf Jahre erreichen, das wäre im Jahr 2026. © Volocopter

Bei Technologie-Start-Ups im Segment der künftigen Urban Air Mobility (UAM) ist vieles anders als bei traditionellen Herstellern in der Luftfahrt. Bislang haben Flugzeughersteller ein neues Fluggerät erst auf den Markt gebracht, wenn das vorherige Projekt absehbar marktreif und zugelassen war, um einerseits aus den Umsätzen das nächste Projekt zu finanzieren und andererseits, um die gemachten Erfahrungen in das nächste Projekt einfließen zu lassen.

UAM-Start-ups sind da ganz anders gestrickt und stellen nicht selten neue Projekt in kurzer zeitlicher Abfolge vor, auch, wenn noch keines der vorherigen Fluggeräte in Kundenhand oder gar im angestrebten Flugbetrieb ist. Da bildet Volocopter aus Bruchsal keine Ausnahme von der Regel im UAM-Sektor. Das Unternehmen hat heute sein neues Projekt VoloConnect im Rahmen einer Pressekonferenz der virtuellen Geschäftsluftfahrtmesse EBACE Connect der Weltöffentlichkeit präsentiert. VoloConnect ist das dritte Projekt der Firma nach dem Flugtaxi VoloCity und der Frachtdrohne VoloDrone.

Das neue Fluggerät VoloConnect von Volocopter hat deutlich an Komplexität gewonnen und setzt nicht mehr rein auf Rotoren für den Antrieb. © Volocopter

VoloConnect ist größer und soll schneller und weiter fliegen als die beiden anderen Projekte des Unternehmens. Mit seinen Schwester-Projekten hat VoloConnect gemeinsam, dass das viersitzige Fluggerät elektrisch angetrieben und senkrecht starten und landen wird. Aber die Reisegeschwindigkeit soll bei 100 Knoten (180 km/h) liegen, als Maximalgeschwindigkeit des neuen Fluggeräts haben die Konstrukteure 135 Knoten (250 km/h) ausgerechnet. Mit heutiger Batterietechnologie soll VoloConnect eine Reichweite von 100 Kilometern erreichen, was ganz objektiv betrachtet im Vergleich zu traditionellen Flugzeugen und Hubschraubern nicht besonders viel ist, aber gegenüber den bescheidenen 35 Kilometern Reichweite des 2019 vorgestellten Serienmodells des VoloCity einen echten Leistungssprung darstellt.  Mit den erwarteten Fortschritten in der Energiespeicher-Technlogien in den kommenden Jahren ist zu ewarten, dass sich auch die Reichweiten der eVTOL-Fluggeräte verbessern werden.

Florian Reuter, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von Volocopter, sagte: „VoloConnect verkörpert die nächste Dimension unserer Mission, erschwingliche, effiziente und nachhaltige Flugmobilitätslösungen für Städte rund um den Globus anzubieten. Dank der Kunden-Rückmeldungen zu unseren existierenden VoloCity- und VoloDrone-Projekten bedient VoloConnect mit seinen Fähigkeiten zu längeren Missionen und höheren Nutzlasten, eine stark wachsende Marktnachfrage. Wir sind zuversichtlich, dass diese Flugzeugfamilie und die jahrelange Erfahrung und führende Innovation, auf der sie basiert, der Wegbereiter für die kommerzielle und internationale Einführung von elektrischen UAM-Diensten sein wird.“

VoloConnect bringt Aerodynamik ins Spiel

VoloConnect bedeutet für Volocopter aber auch Neuland, denn das Projekt ist konstruktiv eine Abkehr vom Antriebsprinzip mit 18 unabhängig voneinander angetriebenen Rotoren in einem Antriebsring, das der Hersteller seit seiner Gründung 2011 bei allen Projekten angewandt hat. VoloConnect wurde von einem Volocopter-Team in München unter der Leitung von Chefingenieur Sebastian Mores entwickelt. Das Fluggerät nutzt nur noch sechs elektrisch angetriebene Rotoren für die Start- und Landephase, während in der Reiseflugphase zwei ummantelte Antriebseinheiten für den Vortrieb sorgen sollen. VoloConnect wird aus Gründen der Effizienz auch Tragflächen erhalten und ein einziehbares Fahrwerk, welches zwar die Komplexität des Fluggeräts steigert, aber eben auch die aerodynamische Effizienz im Reiseflug.

Das Team um Sebastian Mores habe bereits mehrere Patente für Technologien von VoloConnect angemeldet, so Volocopter, und fliege bereits mit mehrere maßstabsgerechte Prototypen, die schnelle Fortschritte in Richtung eines Prototyps in Originalgröße machten. Volocopter strebt die Zulassung von VoloConnect innerhalb der nächsten fünf Jahre an.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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