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Airbus übertraf 2017 die selbst gesteckten Ziele

Airbus hat 2017 seine selbst gesteckten Ziele übertroffen und einige Baustellen schließen können. Der Umsatz blieb stabil, das bereinigte EBIT stieg, und das Netto-Ergebnis hat sich verdreifacht. In 2018 konzentriert sich der Hersteller auf den Hochlauf der A320- und A350-Produktion. Der Airbus A380 hat durch die kürzlich erfolgte Bestellung von Emirates Zeit gewonnen, und die Probleme beim A400M-Programm sollen in diesem Jahr mit Hilfe der Erstkunden-Nationen gelöst werden.

15.02.2018

Die Bereiche Commercial Aircraft, Helikopter und Defense and Space waren 2017 bei Airbus profitabel. © Airbus

Tom Enders, der im nächsten Jahr ausscheidende Hauptgeschäftsführer (CEO) der Airbus Group und Harald Wilhelm, Finanzvorstand, präsentierten heute in Toulouse der Presse die Ergebnisse des Konzerns und gaben einen Ausblick auf das Jahr 2018. Tom Enders sagte in der Pressekonferenz: „Die Ergebnisse des vergangenen Jahres sind ermutigend und ein Ergebnis unserer Philosophie, niemals aufzugeben. Dank unserer sehr guten operativen Ergebnisse – insbesondere im letzten Quartal – haben wir all unsere Ziele für 2017 übertroffen. Insgesamt war 2017 ein erfolgreiches Jahr, was sich in unserem Dividendenvorschlag widerspiegelt, der 11 Prozent über dem Vorjahreswert liegt.“

Umsatz ist stabil geblieben

Der Umsatz des Unternehmens lag im vergangenen Jahr bei 66,8 Milliarden Euro (2016 waren es noch 66,6 Milliarden Euro). Der Auftragseingang stieg 2017 auf 158 Milliarden Euro (2016 hatte er noch bei 134 Milliarden Euro gelegen). Der noch abzuarbeitende Auftragsbestand lag zum 31. Dezember 2017 bei 997 Milliarden Euro – das ist eine zwölfstellige Zahl: 997.000.000.000. Im Vergleich zum Stichtag des Vorjahres war der Bestand um 67 Milliarden Euro gesunken.

Bei den Verkehrsflugzeugen, der mit Abstand größten Sparte des Konzern, lag der Auftragsbestand am Jahresende 2017 bei 7.265 Flugzeugen und damit so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Unternehmens. Harald Wilhelm attestierte dem Geschäftsbereich auch, dass er sich in hervorragendem Zustand befände.

2017 hatte Airbus dank eines extrem geschäftigen Dezembers eine Rekordzahl von 718 Flugzeugen ausgeliefert, davon entfielen 558 Flugzeuge auf die Standardrumpf-Flugzeugfamilie A320-Familie, 78 auf die A350 XWB und 67 auf die A330. 15 A380 komplettierten Auslieferungen der Zivilflugzeugsparte.

Der 100. Airbus A380 für Emirates ist mit einer speziellen Lackierung versehen, die an den Staatsgründer der Vereinigten Arabischen Emirates, Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan, erinnert. © Airbus

Der Umsatz von Airbus Helicopters sank leicht. Airbus meldet 409 Hubschrauber, die an Kunden übergeben wurden. Das sind neun weniger als 2016.

Das EBIT stieg auf über vier Milliarden Euro

Das bereinigte EBIT (Earning before interest and taxes, auf deutsch: Gewinne vor Zinsen und Steuern) stieg auf 4,253 Milliarden Euro (2016: 3,955 Milliarden Euro). Die große Abhängigkeit von Airbus vom Geschäft mit den Verkehrsflugzeugen wird deutlich, wenn man in Betracht zieht, dass allein bei Airbus Commercial Aircraft das bereinigte EBIT bei 3,445 Milliarden Euro lag. Airbus führt neben den hohen Auslieferungszahlen auch die Entwicklung der Wechselkurse als begünstigende Faktoren dafür an. Das Netto-Ergebnis des Konzern hat sich mit 2,873 Milliarden Euro gegenüber dem Netto-Ergebnis von 2016 (995 Millionen Euro) fast verdreifacht.

2018 will Airbus die Auslieferungszahlen bei den Verkehrsflugzeugen auf rund 800 Exemplare steigern, darunter sollen über 600 Narrowbodies der A320-Familie sein, sagte Enders in Toulouse. Die Umstellung der Produktionslinien auf die A320neo-Familie wird weiter fortschreiten. Aus heutiger Sicht plant Airbus die Lieferung von rund 400 A320neo und rund 200 A320ceo. „Allerdings ist das abhängig von der Verfügbarkeit der Triebwerke“, schränkte Enders mit Hinblick auf die neuen Probleme mit dem Getriebefan von Pratt & Whitney ein. Die Auswirkungen auf die Auslieferungen im Jahr 2018 würden derzeit geprüft, so Enders.

Airbus hat am 26. Juli die 100. A350 XWB an einen Kunden ausgeliefert. © P. Pigeyre/Airbus

„Bei der A350 XWB werden wir 2018 eine Rate von zehn Flugzeugen (pro Monat) erreichen, während die Zahl der A380 auf acht (im Jahr) fallen wird“, sagte Harald Wilhelm. Tom Enders führte aus, dass man bei der A350-Endmontage genau auf der geplanten Lernkurve fahre. Eine Reduzierung der laufenden Kosten in Richtung der Zielvorgaben werde in diesem Jahr erreicht. Damit werde das Programm wie geplant Ende 2019 die Gewinnschwelle erreichen. Die A350 sei dann profitabler als das A330-Programm beispielsweise, führte er weiter aus.

Minimum der A380-Fertigung ist erreicht

Die geplante Produktionsrate von sechs A380 pro Jahr – was ab 2020 angestrebt ist – sei das absolute Minimum, was aus industrieller Sicht noch Sinn mache. Dieses Minimum sei durch den gerade erst erfolgten Auftrag von Emirates aber über Jahre gesichert. „Unser Team wird mit Ideen kommen, die die Attraktivität des Flugzeuges für Kunden noch weiter erhöhen“, sagte Enders. Er sei überzeugt, dass es weitere A380-Bestellungen geben werde, sei es von Neukunden oder von bestehenden Kunden, sagte Enders. Er führte aus, dass das Muster in China unterrepräsentiert sei. Um alle Menschen, die in China reisen wollten, überhaupt bewegen zu können, sei ein Flugzeug wie die A380 unabdingbar.

Beim A400M-Programm zeigte sich Enders über die erst in der vergangenen Woche erreichte Übereinkunft mit den Erstkundennationen zufrieden. 2017 hat Airbus 19 Flugzeuge ausgeliefert, im Jahr davor 17. Die Fertigungsrate wird aber nun reduziert. Die Vertragspartner wollen den Fahrplan für die Entwicklung der militärischen Fähigkeiten auf eine neue Grundlage stellen. Diese beinhaltet unter anderem eine Überarbeitung der Zeitpläne für Auslieferungen und Nachrüstungen sowie eine Anpassung der Roadmap für die technischen Fähigkeiten.

Exportaufträge sind für A400M wichtig

Exportaufträge für die A400M zu gewinnen, habe eine hohe Priorität, sagte Tom Enders. Mit größerer Reife des Musters werde es einfacher, diese zu akquirieren, da sich die potenziellen Nutzer bei den aktuellen Betreibern erkundigen könnten, welche Erfahrungen diese mit dem Airbus A400M gemacht haben.

Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung wird Airbus im laufenden Jahr seine Aufwendungen weiter reduzieren. Bereits 2017 sind die Aufwendungen für eigenfinanzierte Forschung und Entwicklung auf 2,807 Milliarden Euro von 2,97 Milliarden Euro im Jahr davor gesunken. Für 2018 erwartet Harald Wilhelm eine weitere Reduzierung der Aufwendungen. Er sagte: „Wir investieren weiter in Innovationen und Produktverbesserungen, aber bei der Entwicklung einer neuen, großen Plattform machen wir momentan erst einmal Ferien.“

Volker K. Thomalla

 

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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