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ATR schließt die Tests mit ClearVision-Sichtsystem ab

Der französisch-italienische Flugzeughersteller ATR hat die Tests mit seinem ClearVision-Sichtsystem mit Flügen auf der Kanalinsel Guernsey abgeschlossen. Das System kann die Zahl von Annullierungen aufgrund von schlechter Sicht am Zielort reduzieren.

2.07.2018

ATR hat die abschließenden Tests für die Zulassung des Clearvision-Systems auf Guernsey abgeschlossen. © ATR

Für die letzten Flüge im Rahmen der Erprobung seines neuen Sichtsystems ClearVision benötigte die Testcrew des italienisch-französischen Flugzeugherstellers ATR schlechtes Wetter mit geringen Sichtweiten und niedrigen Wolkenuntergrenzen. Auf der Kanalinsel Guernsey wurden die Testpiloten fündig und führten dort die letzten notwendigen Anflüge durch.

ATR 72-600 mit dem Avionik-Standard 3 können optional mit dem ClearVision-System ausgerüstet werden. © Pierre Barthe/ATR

Das ClearVision-Sichtsystem ist ein Modular aufgebautes System, das den Piloten bei schlechtem Wetter die Informationen des Sichtverbesserungssystems Enhanced Vision Systems (EVS) und virtuellen Geländedarstellungssystems Synthetic Vision Systems (SVS) präsentiert. EVS und SVS verbessern das Situationsbewusstsein der Crew deutlich, da sie dem Piloten auch unter widrigen Sichtbedingungen Anflüge wie bei einem Sichtanflug ermöglichen. In der Business Aviation sind diese Systeme bei Langstreckenjets weit verbreitet und beweisen im täglichen Einsatz ihren Wert.

Vier Varianten von ClearVision

ATR bietet das ClearVision-System in vier Varianten an. Alle vier Versionen nutzten eine Skylens-Brille, die der Pilot tragen muss. In der Basis-Version von ClearVision projiziert das System dem Piloten grundsätzliche Flugführungsdaten und -symbole in das Sichtfeld. In der zweiten Version zeigt das System dem Piloten zusätzlich das Bild des Synthetic Vision Systems im Sichtfeld an. In der dritten Version sieht der Pilot neben den Flugführungssymbolen auch das Bild der Infrarotsensoren (EVS) in seinem Blickfeld. Diese Sensoren können durch Nacht und Nebel sehen. Die aufwendigste ClearVision-Version ist schließlich die vierte. Hier werden die Bilder des SVS und des EVS übereinander gelegt und in das Sichtfeld des Piloten projiziert. Mit den beiden letzten Versionen dürfen entsprechend qualifizierte Crews (ILS-)Anflüge nach CAT I und CAT II oder LPV bis zum Aufsetzen fortsetzen. Die Runway Visual Range ist in diesem Fall der limitierende Faktor. Sie darf nicht niedriger sein als 1.000 Fuß (305 Meter).

Option für die ATR -600-Turboprops

ATR bietet ClearVision als optionale Ergänzung der Standard 3-Avionik für alle ATR 42-600 und ATR 72-600 an. Durch die Verwendung von ClearVision will ATR verhindern, dass Airlines Flüge wegen schlechten Wetters abbrechen oder annullieren müssen. Die Regionalfluggesellschaft Aurigny hat die letzten Erprobungsflüge begleitet. Sie beziffert den finanziellen Aufwand durch Flüge, die wegen Nebels annulliert werden mussten, im vergangenen Jahr auf rund eine Million Pfund (1,13 Millionen Euro). Nach Angaben von Aurigny hätte die Hälfte aller nebelbedingten Flugausfälle im vergangenen Jahr durch den Einsatz von ClearVision verhindert werden können.

Volker K. Thomalla

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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