Homepage » Industrie » Boeing akzeptiert Strafzahlungen wegen 737 MAX

Boeing akzeptiert Strafzahlungen wegen 737 MAX

Der US-Aerospace-Konzern hat sich mit dem US-Justizministerium über Strafzahlungen im Zusammenhang mit der Boeing 737 MAX außergerichtlich geeinigt. Damit kann er ein Strafverfahren abwenden, aber die Leistungen, die er zahlen muss, sind erheblich.

8.01.2021

Die erste Boeing 737 MAX 8 für die TUIfly Germany auf der Endmontagelinie bei Boeing in Renton. Ihre Auslieferung war ursprünglich für März 2019 geplant. © Boeing

Boeing hat sich mit dem US-Justizministerium geeinigt, Strafzahlungen in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar zu leisten, um eine strafrechtliche Anklage wegen Verschwörung zur Täuschung der Aircraft Evaluation Group (AEG) der US-Luftfahrtbehörde FAA im Zusammenhang mit der Beurteilung der Boeing 737 MAX abzuwenden. Die Strafen setzen sich zusammen aus einer strafrechtlichen Geldstrafe in Höhe von 243,6 Millionen US-Dollar, Entschädigungszahlungen an Boeings 737 MAX-Kunden in Höhe von 1,77 Milliarden US-Dollar und der Einrichtung eines 500 Millionen US-Dollar umfassenden Fonds für Absturzopfer zur Entschädigung der Erben, Verwandten und gesetzlichen Begünstigten der 346 Passagiere, die bei den Abstürzen des Lion Air Fluges 610 und des Ethiopian Airlines Fluges 302 ums Leben kamen.

Boeing hat in Gerichtsdokumenten, die im Northern District of Texas eingereicht wurden, zugegeben, dass zwei seiner früheren Piloten der 737 MAX die FAA AEG über das MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) des Flugzeugs getäuscht haben, dessen Fehlfunktion nach Ansicht der Unfallermittler zu beiden Abstürzen führte. Laut Justizministerium entdeckten der damalige technische Chefpilot von Boeing für die 737 MAX und ein weiterer Pilot, der später diese Rolle übernehmen sollte, um den November 2016 herum Informationen über eine Erweiterung des Betriebsbereichs des MCAS. Boeing teilte mit: „Während der Schwerpunkt auf dem Verhalten dieser beiden ehemaligen Mitarbeiter liegt, erkennt die Vereinbarung an, dass andere Boeing-Mitarbeiter andere Beamte und Organisationen innerhalb der FAA über den erweiterten Betriebsbereich von MCAS im Zusammenhang mit der Zertifizierung der 737 MAX informiert haben.“

David L. Calhoun, der Präsident und Hauptgeschäftsführer von Boeing, schrieb in einer Mitteilung an die Mitarbeiter: „Ich bin der festen Überzeugung, dass der Abschluss dieser Vereinbarung das Richtige für uns ist – ein Schritt, der in angemessener Weise anerkennt, wie wir hinter unseren Werten und Erwartungen zurückgeblieben sind. Diese Resolution ist eine ernsthafte Erinnerung an uns alle, wie wichtig unsere Verpflichtung zur Transparenz gegenüber den Aufsichtsbehörden ist, und welche Konsequenzen unser Unternehmen zu tragen hat, wenn jemand von uns diese Erwartungen nicht erfüllt.“

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

American Airlines hat die Boeing 737 MAX wieder in Dienst gestellt

Alaska Airlines legt bei den 737 MAX-Bestellungen nach

Brasilien hebt das Flugverbot für die Boeing 737 MAX auf

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.