Homepage » Industrie » Boeing baut die Konzernspitze um

Boeing plagen derzeit mehrere Probleme, die zu einem Verlust von Marktanteilen bei der Zivilflugzeugsparte führten und die das Ergebnis belasten. Boeing-Chef David Calhoun wird deshalb seinen Posten zum Ende dieses Jahres aufgeben, der Chef von Boeing Commercial Airplanes, wurde mit sofortiger Wirkung abgelöst.

26.03.2024

Die Produktionslinien für die Boeing 787 Dreamliner in Charleston. © V. K. Thomalla

Zuletzt war der Druck wohl zu groß geworden: David Calhoun, der CEO (Hauptgeschäftsführer) und Präsident von Boeing, hat heute seine Entscheidung verkündet, dass er zum Ende des Jahres als Hauptgeschäftsführer und Präsident des Aerospace-Konzerns zurücktreten werde. Er hatte diese Positionen seit Januar 2020 inne. In einer Botschaft an die Angestellten des Unternehmens, schrieb er: „Ich habe seit einiger Zeit in Gesprächen mit unserem Vorstand über den richtigen Zeitpunkt für einen CEO-Wechsel bei Boeing nachgedacht. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich beschlossen habe, dass dies mein letztes Jahr als CEO unseres großartigen Unternehmens sein wird, und ich habe den Vorstand von dieser Entscheidung in Kenntnis gesetzt.

„Wir werden in Ordnung bringen, was nicht funktioniert.“

Ursprünglich hatte ich mich bereit erklärt, die Rolle des CEO von Boeing auf Bitten des Vorstands zu übernehmen und dabei den Vorstandsvorsitz abzugeben, da das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt mit beispiellosen Umständen konfrontiert war. Es war das größte Privileg meines Lebens, in beiden Funktionen tätig zu sein, und ich werde erst dann das Gefühl haben, dass die Reise richtig abgeschlossen ist, wenn wir die Arbeit, die wir erledigen müssen, zu Ende bringen. Wir werden in Ordnung bringen, was nicht funktioniert, und wir werden unser Unternehmen wieder auf den Weg der Erholung und Stabilität bringen.

Auf meine Entscheidung, zum Jahresende als CEO zurückzutreten, hat sich der Vorstand vorbereitet, und sie wird zu einer Reihe von Veränderungen auf Management- und Führungsebene führen. Mein langjähriger Partner in Sachen Boeing, unser (Aufsichtsrats-)Vorsitzender Larry Kellner, hat dem Vorstand und mir mitgeteilt, dass er nicht beabsichtigt, sich bei der bevorstehenden Jahreshauptversammlung zur Wiederwahl zu stellen. Der Vorstand hat Steve Mollenkopf zum Nachfolger von Larry Kellner als Vorsitzenden gewählt. Steve wird den Vorstandsprozess zur Auswahl meines Nachfolgers als CEO leiten.“

Stephanie Pope leitet seit 25. März 2024 die Zivilflugzeugsparte Boeing Commercial Airplanes. © Boeing

Boeing gab ebenfalls heute bekannt, dass Stan Deal, der CEO und Präsident der Verkehrsflugzeugsparte Boeing Commercial Airplanes, mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand gehen werde. Als Nachfolgerin wurde Stephanie Pope bestimmt, die zuvor in allen Boeing-Geschäftsbereichen in verantwortlicher Position gearbeitet hat, zuletzt als Präsidentin und CEO des Geschäftsbereichs Boeing Global Services.

Boeing hat mehrere Baustellen

Boeing hat mehrere große Baustellen, um die sich die neue Konzernleitung besonders kümmern muss. Dazu gehören die Zulassungen der Single-Aisle-Jets Boeing 737 MAX 7 und 737 MAX 10, die Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterherhinken, die Zulassung der neuesten Boeing 777-Varianten 777-8 und 777-9, die ebenfalls mit deutlichen Programm-Verspätungen zu kämpfen hat sowie Qualitätsprobleme bei der Endmontage der 737 und beim Zulieferer Spirit AeroSystems, die durch den Zwischenfall mit einer Boeing 737-9 der Alaska Airlines in diesem Januar dramatisch zu Tage traten.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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