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Boeing baut im NASA-Auftrag einen Ökojet-Demonstrator

Um die Effizienz-Ziele zu erreichen, braucht die Verkehrsluftfahrt neue Flugzeugkonzepte. Ein Industrieteam unter der Führung von Boeing hat von der NASA den Auftrag erhalten, einen Demonstrator für einen Single-Aisle-Ökojet zu bauen und zu erproben. Die Industrie muss den Löwenanteil der Programmfinanzierung leisten.

18.01.2023

Das Experimentalflugzeug soll einen abgestrebten Flügel mit hoher Streckung sowie ein T-Leitwerk erhalten. © Boeing

Seit über zwölf Jahren arbeiten Forscher von Boeing und der NASA an Konzepten für ein ultraeffizientes Single-Aisle-Flugzeug, das im Vergleich zu heutigen Verkehrsflugzeugen mit bis zu 30 Prozent weniger Treibstoff auskommt und dabei identische Flugleistungen erbringt. Am erfolgsversprechendsten scheint dabei das Konzept eines Flugzeugs mit TTBW-Tragflächen (Transonic Truss-Braced Wing) zu sein.

Die NASA hat nun einem Industrieteam unter Führung von Boeing den Auftrag für die Entwicklung und die Flugerprobung eines solchen Demonstrator-Flugzeugs erteilt. Die NASA fördert das Programm mit dem Namen SFD (Sustainable Flight Demonstrator) über die nächsten sieben Jahre mit insgesamt 425 Millionen US-Dollar, umgerechnet 391 Millionen Euro. Das Industrieteam wird nach heutiger Planung 725 Millionen US-Dollar (667 Millionen Euro) in das Programm investieren. Das SFD-Programm soll es der globalen Luftfahrtindustrie helfen, das ambitionierte Ziel zu erreichen, bis 2050 keine CO2-Emissionen mehr auszustoßen.

NASA-Administrator Bill Nelson hält ein Flugzeugmodell mit einem TTBW-Flügel während der Pressekonferenz am 18. Januar 2023 in der Hand. © NASA/Joel Kowsky

NASA-Chef Bill Nelson sagte bei der Bekanntgabe in Washington, D.C.: „Von Anfang an war die NASA bei Ihnen, wenn Sie fliegen. Die NASA hat es gewagt, weiter, schneller und höher zu fliegen. Und damit hat die NASA die Luftfahrt nachhaltiger und zuverlässiger gemacht. Das liegt in unserer DNS. Unser Ziel ist es, dass die Partnerschaft zwischen der NASA und Boeing zur Herstellung und Erprobung eines Demonstrationsflugzeugs in Originalgröße dazu beiträgt, künftige Verkehrsflugzeuge treibstoffeffizienter zu machen, was der Umwelt, der Luftfahrtindustrie und den Passagieren weltweit zugute kommt. Wenn wir erfolgreich sind, könnten wir diese Technologien in Flugzeugen sehen, die in den 2030er Jahren in die Lüfte steigen.“

Greg Hyslop, Chefingenieur und Executive Vice President of Engineering, Test & Technology bei Boeing, sagte: „Das SFD-Programm hat das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft zu leisten. Dieses Programm bietet die Möglichkeit, ein Flugzeug zur Erprobung in Originalgröße zu entwerfen, um somit neue technische Probleme zu lösen.“

Ultradünne Tragflächen mit hoher Streckung

Die heutigen Single-Aisle-Jets kommen mit ihrem Konstruktionsprinzip an die Grenzen des physikalisch Machbaren. Sehr dünne, abgestrebte Tragflächen mit hoher Streckung und großer Spannweite bieten den Konstrukteuren die Möglichkeit, neue Antriebe mit noch größerem Durchmesser zu installieren.

Boeing strebt an, beim TTBW-Demonstrator bestehende Baugruppen zu verwenden und diese mit neuen Komponenten aus neuen Materialien zu kombinieren. Die NASA nannte bei der Bekanntgabe des Projekts heute nur einen ungenauen Zeitplan. Ziel sei es, die Tests mit dem Demonstrator in den späten Zwanziger Jahren abzuschließen, so dass Technologien und Konzepte in die nächste Generation von Standardrumpf-Flugzeugen einfließen, die in den 2030er Jahren in den Flugbetrieb gehen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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