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Faradair will beim Elektroflug klotzen und nicht kleckern

Das Adjektiv „ambitioniert“ beschreibt das Projekt eines Elektroflugzeugs des britischen Start-ups Faradair am besten. Bis 2024 soll ein Prototyp fertig sein, ab 2026 soll die Zulassung vorliegen und bis 2030 will das Unternehmen 300 Flugzeuge gebaut haben. Die sollen aber nicht verkauft, sondern von Faradair selbst betrieben werden.

17.12.2020

Das britische Technologie-Start-up Faradair will ein hybrid-elektrisch angetriebenes Regionalverkehrsflugzeug entwickeln. © Faradair

Eines muss man Neil Cloughley, dem Gründer und Hauptgeschäftsführer des britischen Start-ups Faradair, lassen: An Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Die auf dem historischen Flugplatz Duxford in der Grafschaft Cambridgeshire beheimatete Firma will nicht nur bis 2026 ein hybrid-elektrisch angetriebenes Flugzeug in der Größe eines heutigen Regionalverkehrsflugzeugs entwickeln, sie will bis zum Jahr 2030 auch 300 Exemplare des Flugzeugs ausliefern, und zwar an sich selbst, um nachzuweisen, dass das Konzept in mehreren Anwendungsbereichen funktioniert.

Um das Flugzeug zu entwickeln, hat Faradair mehrere Partnerfirmen um sich geschart, die alle über spezielle Produkte und Kompetenzen verfügen. Dazu gehören Honeywell, MagniX, Cambridge Consultants und Nova Systems.

Biofuel für den Generator

Faradair bezeichnet das Projekt als BEHA (Bio Electric Hybrid Aircraft), da der Turbogenerator – den Honeywell neben der Avionik und der Flugsteuerung liefern soll – mit Biofuel laufen kann. MagniX soll die beiden Elektromotoren des Typs magni500 als Antriebseinheiten beisteuern. Nova Systems soll die Entwicklung begleiten und sicherstellen, dass das Fluggerät die Zulassungskriterien erfüllt. Cambridge Consultants bringt seine Expertise im Bereich von hybriden Antriebssystemen in das Projekt ein.

Den hybrid-elektrischen Antrieb sieht Faradair aber nur als einen Schritt auf dem Weg zum reinen Elektroflugzeug an. Das neue Fluggerät soll von Beginn an so konstruiert werden, dass es in ein reines Elektroflugzeug umgebaut werden kann, sobald Energiespeicher mit einer Energiedichte zur Verfügung stehen, die einen reinen Elektroflugbetrieb erlauben.

Neil Cloughley erklärte: „Das Jahr 2020 war ein extrem hartes Jahr für die Luft- und Raumfahrt und ich freue mich, heute diese positive Nachricht mitteilen zu können, nicht nur für die britische Luft- und Raumfahrt, sondern für die nachhaltige Luft- und Raumfahrt weltweit.“

Produktion in Großbritannien

Faradair hat sich zum Ziel gesetzt, „groß angelegte Flugzeuproduktion wieder zurück in das Vereinigte Königreich zu bringen“. Zwischen 2026 und 2030 will die Firma nicht weniger als 300 Flugzeuge bauen. Sie hat auch konkrete Vorstellungen über die Verteilung auf die verschiedenen Versionen: 150 Exemplare sollen als Löschflugzeuge gebaut werden, 75 als Quick Change-Flugzeuge, die innerhalb kurzer Zeit vom Passagier- zum Frachtflugzeug umgebaut werden können, 50 als reine Frachter und 25 als Special Mission Aircraft, die für verschiedene Regierungsaufgaben wie Grenzüberwachung, Fischereischutz und Anti-Drogenschmuggel genutzt werden können. Die Flugzeuge will die Firma selbst betreiben, quasi als Live-Demonstration der Fähigkeiten des Konzepts.

Zulassung bis 2026

Cloughley plant die Fertigstellung eines Prototyps bis 2024 und die Zulassung des Musters nach FAR Part 23 bis 2026. Die Finanzierung des Projekts ist aber noch nicht final geklärt. Faradair teilte dazu mit: „Die Gespräche mit Investoren und Flugzeugfinanzierern schreiten nun zügig voran, damit das gesamte Entwicklungsprogramm skaliert und die angestrebten Ziele erreicht werden können. In der Zwischenzeit baut Faradair sein Führungs- und Ingenieurteam auf und erwartet, weitere Ankündigungen Anfang 2021 machen zu können.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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