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Heart Aerospace setzt bei der ES-19 auf reinen Elektroflug

Die Zahl der Elektroflugzeug-Projekte wächst monatlich. Nun ist mit Heart Aerospace ein weiteres Unternehmen an die Öffentlichkeit getreten, das ein rein elektrisch betriebenes Flugzeug auf den Markt bringen will. Die Firma steigt gleich mit einem 19-sitzigen Regionalflugzeug ein und verfolgt auch beim Projektfahrplan ehrgeizige Ziele.

29.09.2020

Das schwedische Technologieunternehmen Heart Aerospace hat sein 19-sitziges Elektroflugzeug ES-19 vorgestellt. © Heart Aerospace

Das 2018 gegründete schwedische Technologieunternehmen Heart Aerospace hat sein Projekt eines rein elektrisch angetriebenen Regionalflugzeugs namens ES-19 vorgestellt. Die Zahl in der Bezeichnung des viermotorigen Propellerflugzeugs repräsentiert die Passagierzahl, die in die Kabine des Flugzeugs passen sollen.

Das am Flughafen von Göteborg beheimatete Unternehmen verfolgt einen ehrgeizigen Zeitplan bei seinem Regionalflugzeug-Projekt: Bereits 2026 soll die ES-19 bei einem Luftfahrtunternehmen in den Flugbetrieb gehen. Die ES-19 ist als Schulterdecker mit vier Elektromotoren mit Propeller ausgelegt. Die Antriebe sind in vier Gondeln unter den Tragflächen angebracht. Winglets an den Tragflächenspitzen sollen den Widerstand reduzieren. Bei der Auslegung des Leitwerks haben sich die Konstrukteure für ein Kreuzleitwerk entschieden. Das Fahrwerk soll aus Gewichtsgründen so klein wie möglich gehalten werden, deswegen haben die Konstrukteure das Hauptfahrwerk in je einem Wulst rechts und links vom Rumpf untergebracht.

Konventionelle Metallbauweise

Bei der Materialwahl waren die Ingenieure konservativ und haben sich für Aluminium entschieden. Mit einer Reichweite von 216 nautischen Meilen (400 Kilometer) und einer Reisegeschwindigkeit von 180 Knoten wird das Flugzeug zunächst ein Nischenprodukt für spezielle Strecken bleiben. Allerdings soll die ES-19 nach Angaben des Herstellers mit Start- und Landestrecken von 750 Metern auskommen, was neue Flugverbindungen zwischen Orten mit eingeschränkter Flugplatz-Infrastruktur ermöglichen würde. Die geringe Reisegeschwindigkeit des Propellerflugzeugs sieht das Unternehmen nicht als Nachteil an, da die Geschwindigkeit auf kurzen Flügen kein ausschlaggebender Faktor sei. Als maximale Geschwindigkeit des Flugzeugs haben die Konstrukteure 215 Knoten errechnet.

Als Elektroflugzeug soll die ES-19 deutlich geringere Maintenance-Kosten aufweisen als herkömmliche Turboprop-Flugzeuge. Heart Aerospace rechnet bei der Wartung und Instandhaltung der Elektromotoren mit rund 90 Prozent geringeren Kosten im Vergleich zu heutigen Turboprop-Triebwerken. Auch bei den Treibstoffkosten soll das Elektroflugzeug heutige Typen weit hinter sich lassen: Das Unternehmen schätzt, dass die Kosten für die Energie zum Fliegen rund 50 bis 75 Prozent unter denen von Kerosin liegen werden.

Die rein elektrisch angetriebene ES-19 soll schon 2026 den gewerblichen Flugbetrieb aufnehmen. © Heart Aerospace

Heart Aerospace will die ES-19 nach der EASA-Bauvorschrift CS23 zulassen. Das Unternehmen ist derzeit dabei, eine Zulassung als Entwicklungsbetrieb (EASA Design Organization) zu erreichen. Es hat aber bereits einen Prototyp des Antriebsstrangs gebaut und mit den ersten Prüfstandläufen begonnen. Erste Flüge eines Modells im Maßstab 1:5 sollen noch vor Ablauf dieses Jahres in Schweden beginnen. Der erste Prototyp der ES-19 soll schon 2024 zu seinem Erstflug abheben.

Erste LOI liegen schon vor

Nach Angaben des Managements liegen Heart Aerospace schon 147 Kaufabsichtserklärungen (LOI – Letter of Intent) von insgesamt acht potenziellen Kunden vor, darunter sind Airlines wie SAS, Widerøe und die Air Greenland.

Die Europäische Union unterstützt das ES-19-Projekt im Rahmen ihres im Juli aufgelegten Programms „Innovation Council Green Deal Accelerator“. Von den 300 Millionen Euro, die in diesem Innovations-Fördertopf liegen, erhält Heart Aerospace rund 2,5 Millionen Euro.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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