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Rückblick: Farnborough International Airshow 2008

Vor zwölf Jahren fand die Farnborough International Airshow zu Beginn der Finanzkrise statt. Damals ahnten nur wenige, welches Ausmaß die Krise noch annehmen sollte. Seitdem hat sich viel verändert. Auf der Messe feierte die zum CAEW umgebaute Gulfstream G550 von IAI ihre Premiere. Auch die F-22 Raptor war erstmalig in Europa zu sehen.

20.07.2020

Fuel-to-Noise-Converter: Beim Start der Avro Vulcan lösten die Alarmanlagen der Autos auf den umliegenden Parkplätzen aus. © V. K. Thomalla

Eigentlich wäre heute der erste Messetag der Farnborough Airshow 2020 gewesen. Doch die Coronakrise brachte die Messeveranstalter schon im März dieses Jahres dieses Jahres dazu, die Veranstaltung abzusagen. Seinerzeit hatten wohl nur wenige in Erwägung gezogen, wie stark Großbritannien von der Covid-19-Pandemie getroffen sein würde.

Farnborough Airshow 2008

Doch auch vor Corona hatten die Organisatoren schon angekündigt, dass der Messe einschneidende Veränderungen bevorstünden. So war geplant, die Messe auf fünf Tage zu kürzen und die beliebten Publikumstage komplett zu streichen. Nun findet die Farnborough International Airshow als Web-Event statt, und die teilnehmenden Firmen sowie die Organisatoren hoffen, dass möglichst viele Besucher Stunden vor dem PC verbringen werden, um die Produkt- und Dienstleistungspräsentationen zu verfolgen.

Schon vor zwölf Jahren stand die Farnborough International Airshow einmal ganz im Zeichen einer globalen Krise. Die Immobilienblase in den Vereinigten Staaten war geplatzt und sorgte für ein weltweites, finanzpolitische Beben, das unter anderem die US-Großbank Lehman Brothers in den Konkurs zog.

Die dunklen Wolken über der Weltwirtschaft waren im Juli 2008 auf der Farnborough Airshow nicht zu übersehen. Trotzdem wurde die Messe – die in jenem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feierte – zu einer echten Erfolgsmesse, denn Airlines und Leasingunternehmen bestellten Verkehrsflugzeuge im Wert von fast 90 Milliarden US-Dollar. Doch die Angst vor steigenden Ölpreisen ließ alle Hersteller und Zulieferer die Treibstoffeffizienz ihrer Produkte betonen.

Airbus präsentierte 2008 auf der Messe 60 Kilometer westlich von London einen Airbus A380 mit einem Schriftzug „Recyclable by design“, frei übersetzt: „Wiederverwertbarkeit eingebaut“. Damals hätte niemand darauf gewettet, dass nur ein Jahrzehnt später tatsächlich der Mehrzahl dieser Riesenflugzeuge das Schicksal droht, verschrottet zu werden.

Europa-Premiere der F-22 Raptor

2008 war in Farnborough erstmalig die Lockheed Martin F-22 Raptor zu sehen. Diese Vorführung im Flying Display war gleichzeitg die Europa-Premiere des Luftüberlegenheitsjägers der US Air Force. Ebenfalls zum ersten Mal auf einer Messe außerhalb Israels ausgestellt war die von Israel Aircraft Industries (IAI) stark modifizierte Gulfstream G550 Nachshon Aitam. Das Frühwarn- und fliegende Kommandostand-Flugzeug war erst im Februar 2008 an die israelischen Streitkräfte geliefert worden.

Programmlaunch der CSeries

Die Farnborough International Airshow 2008 diente Bombardier Aerospace auch als Bühne für den offiziellen Programmstart des zweistrahligen Regionaljets CSeries, nachdem die Lufthansa einen Letter of Intent für 30 Flugzeuge plus 30 Optionen gezeichnet hatte. Auch in diesem Fall hätte sich niemand vorstellen können, dass dieses Programm einmal von Airbus in einer Art Notverkauf übernommen werden sollte.

Die Herzen der Besucher schneller schlagen ließ jedoch ein Flugzeug, für welches die Vokabeln Treibstoffeffizienz und Lärmschutz absolute Fremdworte sind: Die einzige damals noch fliegende Avro Vulcan war sowohl im Static als auch im Flying Display zu sehen. Beim Start verursachte der ehemalige Atombomber der britischen Royal Air Force einen Höllenlärm, und die weithin sichtbare Abgasfahne der vier Triebwerke zeugte von einer nicht optimale Verbrennung.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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