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Virgin Galactic und Rolls-Royce wollen Mini-Concorde-Nachfolger bauen

Der überschallschnelle Transport von Passagieren hat auch mehr als eineinhalb Jahrzehnte nach dem Ende der Concorde nicht an Faszination eingebüßt, ganz im Gegenteil. Derzeit arbeiten mehr Firmen als je zuvor an Projekten für zivile Überschall-Flugzeuge. Mit Virgin Galactic ist nun ein weiteres Unternehmen angetreten, das einen Nachfolger der Concorde realisieren will.

4.08.2020

Virgin Galactic arbeitet zusammen mit Rolls-Royce an einem Konzept für ein überschallschnelles Verkehrsflugzeug. © Virgin Galactic

Wer ein Überschall-Verkehrsflugzeug bauen will, braucht neben exzellentem technischen Know-How vor allem Durchhaltevermögen und tiefe Taschen, denn Flüge mit zivilen Flugzeugen mit Überschallgeschwindigkeit benötigen Technologien, die an die Grenzen der Physik gehen. Die Virgin Galactic Holdings, Inc. hat bewiesen, dass sie  über diese drei Eigenschaften verfügt.

Nun hat sie angekündigt, künftig ein weiteres Projekt zu verfolgen. Das Unternehmen will einen zivilen Überschalljet entwerfen, bauen und zulassen. Die Rahmendaten sehen einen bis zu Mach 3.0 schnellen Deltaflügler vor, der für 9 bis 19 Passagiere ausgelegt ist. Damit wäre der Jet deutlich kleiner als die Concorde und fällt eher in die Kategorie der Business Jets als in die Kategorie der Verkehrsflugzeuge. Die Innenausstattung will das Unternehmen individuell für die Kunden anpassen, so wie es bei Geschäftsreisejets üblich ist. Die Reiseflughöhe des neuen Jets soll bei „über 60.000 Fuß“ liegen, teilte Virgin Galactic mit. Das Flugzeug soll von Beginn an für die Nutzung von nachhaltigem Flugtreibstoff (Sustainable Aviation Fuel) ausgelegt sein und als Katalysator für die Entwicklung weiterer nachhaltiger Flugzeuge dienen, so Virgin Galactic mit der dem Unternehmen eigenen Großspurigkeit. Das Unternehmen tut gerade so, als ob es nicht bereits jetzt schon weitere Hersteller gebe, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Überschallverkehr beschäftigten.

Virgin Galactic und Rolls-Royce streben ein Flugzeug an, dass bis zu Mach 3.0 schnell fliegen kann. © Virgin Galactic

Die Virgin Galactic Holdings hat nun eine Grundsatzvereinbarung (MoU) mit dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce getroffen, um bei der Entwicklung von Antriebstechnologien für ein solches Hochgeschwindigkeits-Flugzeug zusammenzuarbeiten. Das MoU ist eine sehr lockere Vereinbarung, denn sie ist derzeit noch nicht verbindlich.

Zusammenarbeit mit der FAA

Virgin Galactic hat das Projekt dem Center for Emerging Projects der US-Luftfahrtbehörde FAA zur Genehmigung vorgelegt, die es einem Mission Concept Review unterzogen hat und nun zusammen mit dem Hersteller an einem Rahmen für eine mögliche Zulassung arbeitet.

George Whitesides, der Chief Space Officer von Virgin Galactic, sagte: „Wir freuen uns sehr über den Abschluss des Mission Concept Review und können nun den ersten Entwurf für unser Hochgeschwindigkeits-Flugzeug enthüllen. Mit ihm werden wir sicheren und zuverlässigen Luftverkehr mit einem unvergleichlichen Reiseerlebnis für die Kunden verbinden. Wir freuen uns auch, mit dem innovativen Team von Rolls-Royce zusammenzuarbeiten, um ein nachhaltiges, hochmodernes Antriebssystem für dieses Flugzeug zu entwickeln. Nicht zuletzt freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit der FAA. Wir haben bislang große Fortschritte gemacht und wir freuen uns, die Grenzen der Hochgeschwindigkeitsreisen künftig weiter zu verschieben.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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