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Air France hat einen neuen Chef gefunden

Die Aktionäre von Air France-KLM haben sich schließlich doch auf einen Kandidaten für den Chefposten bei Air France geeinigt. Die Fähigkeiten des Air Canada-Managers Benjamin Smith, soziale Konflikte in Unternehmen zu entschärfen, wird von denen gepriesen, die ihn auf der anderen Seite des Atlantiks gesucht haben. Der Kanadier wird schnell Gelegenheit bekommen, seine Talente unter Beweis zu stellen, denn die Gewerkschaften sind zu neuen Streiks bereit.

17.08.2018

Benjamin Smith wechselt noch in diesem Jahr von Air Canada auf den Chefsessel von Air France. © Air France

Der Verwaltungsrat der Air France-KLM hat sich bei seiner Sitzung am 16. August darauf geeinigt, den Kanadier Benjamin (Ben) Smith (46) zum neuen Generaldirektor und Hauptgeschäftsführer (CEO) der Air France zu berufen. Seine Name wurde schon seit einer Woche genannt. Er ist noch bis zum 31. August bei Air Canada angestellt, wird aber seinen neuen Job aber spätestens am 30. September 2018 antreten. Sein Vorgänger Jean-Marc Janaillac, hatte nach einer Niederlage bei einer von ihm initiierten Mitarbeiterbefragung seinen Rücktritt zum 15. Mai 2018 eingereicht. Er hatte nicht einmal zwei Jahre an der Spitze der Airline gestanden.

Seit 2014 ist Ben Smith Präsident Airlines und Chief Operating Officer (COO) von Air Canada. Ihm unterstehen damit Air Canada, Air Canada Rouge, Air Canada Express und Air Canada Cargo. Innerhalb der Air Canada-Gruppe ist er der zweite Mann. Er hat den Ruf, ein Luftverkehrsprofi zu sein. Zu seinen Referenzen gehört die Gründung von Air Canada Rouge, der Billigmarke von Air Canada, in einem seinerzeit angespannten sozialen Umfeld.

Ben Smith hat sich bei Air Canada bewährt

Um ihre Mitarbeiter zu beruhigen, weist Air France-KLM darauf hin, dass „Benjamin Smith bei Air Canada vor allem in den sozialen Dialog involviert war. Er hat persönlich zusammen mit dem Personalvorstand Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften geführt. Diese Verhandlungen führten zu langfristigen Win-Win-Vereinbarungen für das Unternehmen, die Mitarbeiter und alle Interessengruppen.“  Der neue Air France-CEO steht bei Air France vom ersten Tag an unter Druck und muss sehr schnell sein Talent unter Beweis stellen. Die Gewerkschaften der Air France erinnerten daran, dass für den 27. August eine Sitzung geplant sei, „um geeignete Aktionen zu beschließen, damit noch in diesem Herbst der Lohnstopp aufgehoben wird, den es bei der Airline  seit mehreren Monaten gibt.“

Air France hat mit Ben Smith einen neuen Chef gefunden. Die turbulenten Tage sind damit für die Airline aber noch nicht vorbei. © Volker K. Thomalla

Den Gewerkschaften passt die Ernennung von Smith nicht. Sie haben einige Stunden  vor der Ernennung von Ben Smith eine Pressmitteilung verschickt, in der er heißt: „Es ist unvorstellbar, dass die Air France, die seit 1933 ein französisches Unternehmen ist, in die Hände eines ausländischen Anführers fällt, dessen Kandidatur von einer konkurrierenden Industriegruppe angeschoben wurde.“ Die Gewerkschaften nennen Delta Air Lines nicht namentlich, aber der US-Carrier hält neun Prozent der Anteile von Air France, ebenso wie China Eastern.
Angesichts der Geschäftsentwicklung von Air France ist es aber vielleicht an der Zeit, etwas Neues zu probieren. Ein „ausländischer Anführer“, der als Branchenprofi anerkannt ist, kann nicht schlechter sein als ein weiterer französischer Spitzenbeamter, der nur die ministeriale Umgebung kennt. Es ist auch nicht sicher, dass die Mitarbeiter des französisch-niederländischen Unternehmens die Feindseligkeit der Gewerkschaften teilen, die diese dem zukünftigen Airline-Chef zeigen. Nach mehr als 15 Streiktagen allein im ersten Halbjahr 2018 hatten die Gewerkschaften schon ihre Schwierigkeiten, die Basis zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zu mobilisieren.

Gil Roy

 

 

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