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Arctic Challenge 2021: Luftwaffe trainiert im hohen Norden

Über 70 Luftfahrzeuge aus acht Nationen sowie über 3.000 Soldatinnen und Soldaten haben an der Großübung Artic Challenge 2021 (ACE 21) teilgenommen. Die Luftwaffe war mit zehn Eurofightern sowie SA-6- und SA-8-Flugabwehrsystemen dabei.

17.06.2021

Bei der Übung Artic Challenge fliegen verschiedene Luftfahrzeuge gemeinsame Missionen. Das Foto zeigt eine gemischte Formation von finnischen F/A-18 Hornet und deutschen Eurofightern. © Bundeswehr/Christian Timmig

Die weltweite COVID-19-Pandemie hat in den vergangenen zwölf Monaten zur Absage von mehreren internationalen Übungen geführt, unter anderem dem NATO Tiger Meet in Portugal und Frisian Flag in den Niederlanden. Um taktisch und fliegerisch fit zu bleiben, bedarf es jedoch regelmäßigen Trainings. Deshalb waren die Verantwortlichen froh, dass die multinationale Großübung Arctic Challenge 2021 (ACE 21) stattfinden konnte. Sie endet morgen nach rund zwei Wochen. Auf Einladung der gastgebenden skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Finnland haben die Streitkräfte von insgesamt acht Nationen – NATO-Mitglieder und verbündete Staaten – multinationale Luftoperationen mit verschiedenen Zusammensetzungen am Polarkreis trainiert.

Arctic Challenge 2021 (ACE 21)

Die erste Arctic Challenge fand 2013 unter schwedischer Führung statt. Seitdem haben sich die drei skandinavischen Gastgeberländer bei der der Ausrichtung der Übung immer wieder abgewechselt. In diesem Jahr war die Royal Norwegian Air Force federführend. Das Übungsgebiet umfasst Regionen in allen drei Gastgeberländern.

Die Luftwaffe hat mit zehn Eurofightern und 200 Soldatinnen und Soldaten ein großes Kontingent nach Rovaniemi im hohen Norden Finnlands entsandt. Außerdem ist das Zentrum Elektronischer Kampf Fliegende Waffensysteme mit Gerät und Personal an der Großübung beteiligt. Es stellt mit seinen Flugabwehrsystemen SA-6 und SA-8 die gegnerischen Flugabwehrsysteme dar. Um eine COVID-19-Infektion von Teilnehmern frühzeitig zu erkennen, werden alle regelmäßig getestet.

Die Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 Boelcke kamen mit einem Airbus A330 der französischen Armée de l’Air vom EATC (European Air Transport Command) zur multinationalen Übung Arctic Challenge 2021 nach Rovaniemi. © Luftwaffe/Jane Schmidt

Die Eurofighter und ihre Crews stammen aus allen Eurofighter-Geschwadern der Luftwaffe. Die Übung hat eine hohe Bedeutung, erklärt Kontingentführer Oberstleutnant Daniel Ullmann-Märkl: „Für uns ist Artic Challenge eine sehr wichtige Übung, denn hier wird eine wesentliche Grundlage für die nationale Zertifizierung unseres fliegenden Bereichs für die NATO Response Force (NRF) gelegt.“

Composite Air Operations (COMAO)

Eine der Herausforderungen von Übungen wie ACE 21 besteht darin, Composite Air Operations (COMAO) zu planen und durchzuführen. Das sind Operationen mit einer großen Zahl unterschiedlicher Luftfahrzeugtypen, die über unterschiedliche Flugeigenschaften, Stärken und Schwächen verfügen. In diesem Jahr waren erstmalig auch F-35A Lightning II der Royal Norwegian Air Force (RNoAF) dabei. Auch die meteorologischen Eigenheiten der Übungsregion gilt es bei der Planung und Durchführung zu berücksichtigen.

Die Royal Norwegian Air Force nahm erstmalig mit der F-35A Lightning II an einer Übung Arctic Challenge teil. © RNoAF/Mathias Charman

„ACE 21 bietet den teilnehmenden Einheiten die Möglichkeit, mit den Besten und gegen die besten Gegner in allen möglichen Aspekten multinationaler Luftoperationen zu trainieren“, fassten die schwedischen Luftstreitkräfte den Wert der Übung zusammen. „Die Übung bietet allen teilnehmenden Nationen eine kostengünstige und qualitativ hochwertige Möglichkeit, nationale Fähigkeiten und Interoperabilität zu entwickeln.“

Einer der teilnehmenden Luftwaffe-Piloten sagte: „Die Teilnahme an ACE21 ist für uns ein großer Gewinn. Der Übungsluftraum gibt uns die Gelegenheit, viel komplexere Missionen zu fliegen als dies in Deutschland möglich wäre. Bei uns sind die Übungslufträume wesentlich kleiner und in der Höhe begrenzt. Ohne vertikale Einschränkung sind wir hier viel freier, um Luftkampftaktiken zu trainieren. Die Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern ist ein weiterer spannender Punkt. Mit vielen Nationen durchlaufen wir gemeinsam die fliegerische Ausbildung in den USA. Die Finnen sind kein Teil dieses Programms, trotzdem sprechen wir die gleiche Sprache und harmonieren sehr gut. Auf so einer Übung verlegt ja immer ein kleines Geschwader, mit Personal aus allen Bereichen. Der Kontakt ist viel enger, man lernt die Menschen besser kennen und das gegenseitige Verständnis wächst.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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