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Chinook-Triebwerke sollen bei Rolls-Royce gewartet werden

Boeing hat sein Industrie-Team in Deutschland verstärkt, mit dem es die CH-47 Chinook im Rennen um die Ausschreibung der Bundeswehr für einen neuen schweren Transporthubschrauber unterstützt. Honeywell hat nun zugesagt, dass Rolls-Royce Deutschland die Wartung der T-55-Triebwerke übernehmen wird, sollte Deutschland sich für die CH-47 Chinook von Boeing entscheiden.

18.09.2020

Boeing schickt bei der Ausschreibung für einen CH-53G-Nachfolger die CH-47 Chinook ins Rennen. © Boeing

Boeing, Honeywell und Rolls-Royce Deutschland haben heute in Brandenburg einen Vertrag unterschrieben, nach dem Rolls-Royce Deutschland die Instandhaltung auf Depotebene der T-55-Triebwerke der CH-47 Chinook übernehmen wird, sollte sich der Tandemrotor-Hubschrauber bei der Ausschreibung der Bundeswehr durchsetzen. Die CH-47 für die Bundeswehr entsprächen weitgehend den aktuellen CH-47 der Royal Canadian Air Force, würden aber eine Luftbetankungssonde erhalten, sagte Michael Hostetter, Vice President Boeing Defense, Space & Security in Deutschland bei einem Pressebriefing.

Honeywell als Hersteller der Hubschrauberturbinen der CH-47 Chinook wird Rolls-Royce eine Lizenz für die Depotmaintenance erteilen. Michael Hostetter sagte: „Die Partnerschaft zwischen Honeywell, Rolls-Royce Deutschland und den Mitgliedern unseres Industrie- Teams schafft vor Ort eine etablierte Versorgungsbasis. So gewährleisten wir die permanente Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die Interoperabilität mit der NATO sowie optimierte Prozesse bei der Wartung der Hubschrauber. Die Luftwaffe erhält Zugang zu Trainings- und lokalen Instandhaltungslösungen, die den sofortigen Einsatz des H-47 Chinook für jede Mission ermöglichen.“

Die Wartung steht ab Tag 1 bereit

Dr. Holger Cartsburg, Geschäftsführer von Rolls-Royce Deutschland, sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass dieser Hubschrauber die beste Lösung für die Bundeswehr darstellt. Diese Partnerschaft bringt die Branchenführer in ihren jeweiligen Bereichen zusammen. Unsere langjährige und enge Beziehung zu Honeywell gewährleistet von Anfang an die erstklassige Betreuung der Triebwerke des H-47 Chinook der deutschen Bundeswehr.“ Auf die Frage von Aerobuzz.de, wann denn frühestens die Wartung bereitgestellt werden könne, antwortete Dr. Cartsburg: „Wir können die Wartung sehr schnell hochfahren, wir sind spätestens 2023 technisch dazu bereit.“ Nach den letzten bekannten Planungen der Bundeswehr sollen die ersten Exemplare des neuen schweren Transporthubschraubers ab 2024 bei der Luftwaffe eintreffen.

Michael Hostetter ergänzte: „Der Hersteller ist laut Vertrag komplett verantwortlich für das gesamte Fluggerät. Sie können sicher sein, dass Training und Wartung von Tag 1 an zur Verfügung stehen.“ Die Luftwaffe werde die tägliche Line Maintenance auf den beiden vorgesehenen Stützpunkten Holzdorf und Laupheim übernehmen. Vertraglich sei vorgesehen, die Wartung auf den Basen durchzuführen. Dr. Cartsburg verwies auf die räumliche Nähe zwischen Holzdorf als geplante Main Operating Base für die CH-47 und dem Standort Dahlewitz von Rolls-Royce Deutschland.

Honeywell hat bislang über 6.000 Triebwerke der T55-Familie produziert. Sie haben rund zwölf Millionen Betriebsstunden absolviert. © Volker K. Thomalla

Honeywell hat bislang 6.000 Triebwerke der T-55-Familie produziert, die insgesamt rund zwölf Millionen Betriebsstunden gelaufen seien. Boeing hat bislang über 950 H-47-Helikopter produziert und an 20 Nationen, darunter acht NATO-Staaten, ausgeliefert. Michael Hostetter wies darauf hin, dass es in Europa beispielsweise bei der Royal Netherlands Airforce ein Helikopter-Simulatorzentrum gebe, bei dem man eventuell trainieren könnte. Auch gäbe es Möglichkeiten zur Kooperation mit anderen NATO-Partnern zum Beispiel bei der Ersatzteillogistik. Er schloss mit den Worten: „Wir haben eine aktive Endmontagelinie, wir sind bereit zu liefern, und wir können schnell liefern.“

Die derzeitige Planung sieht vor, dass der Bundestag noch in dieser Legislaturperiode über die Beschaffung des neuen Hubschraubers entscheidet, wenn die entsprechende Beschaffungsvorlage pünktlich aus dem Verteidigungsministerium vorgelegt wird.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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