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Das „Warzenschwein“ feiert seinen 50. Geburtstag

Der erste Prototyp der A-10 Thunderbolt II ist vor 50 Jahren zum ersten Mal geflogen. Das zur Panzerbekämpfung aus der Luft entworfene Flugzeug besitzt auch heute noch Eigenschaften, die in dieser Form kein anderes Flugzeugmuster aufweisen kann. Die US Air Force (USAF) spielt ernsthaft mit dem Gedanken, die A-10 noch bis in das Jahr 2040 zu betreiben.

14.05.2022

Eine A-10 aus Spangdahlem während des TLP 2005 in Florennes. © Bob Fischer

Die Fairchild Republic A-10C Thunderbolt II ist heute das einzige Flugzeug im Arsenal der U.S. Air Force, das von Beginn an für die Luftnahunterstützung ausgelegt wurde. Vor 50 Jahren, am 10. Mai 1972, flog der Prototyp YA-10 dieses „hässlichen Biests“ (daher sein Spitzname: „Warthog“, zu deutsch: Warzenschwein) zum ersten Mal. Pilot des Erstflugs vom Flugplatz Farmingdale im US-Bundesstaat New York war der Testpilot Howard „Sam“ Nelson.

Fairchild Republic A-10

Neben zwei Prototypen wurden ab 1976 insgesamt 714 Serienflugzeuge von Fairchild Republic gebaut. Obwohl die A-10 in der Vergangenheit viel Kritik einstecken musste, steht dieses einzigartige Flugzeug nicht nur bis heute im aktiven Dienst, sondern es gibt sogar Bestrebungen, die A-10 aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten auch bis 2040 im Dienst zu halten. Damit wäre die A-10 nach der B-52 Stratofortress das älteste Kampfflugzeugmuster im Bestand der United States Air Force (USAF).

Die A-10 kann mit einer Vielzahl von verschiedenen Waffen bestückt werden. Im Bug fest verbaut ist eine rotierende 30-mm-Gatling-Bordkanone des Typs GAU-8/A Avenger mit sieben Läufen und einem Munitionsvorrat von 1.350 Schuss. Sie schießt mit einer Frequenz von 3.900 Schuss/Minute und ist eine der stärksten jemals in einem Flugzeug verbaurten Kanonen.

Als Panzerabwehrflugzeug konzipiert

Obwohl die A-10 ursprünglich entwickelt wurde, um Massen von sowjetischen Panzern aus der Luft zu bekämpfen, kam sie erst im Golfkrieg von 1991 zum scharfen Einsatz. Dort erntete das „Warzenschwein“ viel Lob, nicht nur wegen seinehohen Erfolgsquote im Einsatz, sondern vor allem, weil es seine Piloten trotz schwerer Schäden durch Bodenfeuer zurück zur Basis brachte. Die A-10 der USAF waren im Irakkrieg für die Zerstörung von 900 irakischen Panzern, 2.000 gepanzerten Fahrzeuge und Lastwagen sowie über 1.200 Artilleriegeschützen verantwortlich. Bei über 8.000 Einsätzen gingen nur vier A-10 durch irakische Boden-Luft-Raketen verloren. Auch errang eine A-10 in diesem Konflikt den ersten Luft-Luft-Sieg des Musters, als der Pilot Captain Robert Swain einen irakischen Hubschrauber abschoss. Als Nächstes kam die A-10 auf dem Balkan zum Einsatz: 1994, 1995 und erneut 1999, bevor sie 2002 nach Afghanistan verlegt wurde und danach wieder an den Einsätzen der Operation Iraqi Freedom teilnahm.

Die einsitzige Variante A-10A war die einzige Serienversion, obwohl eine Vorserienmaschine zu einem zweisitzigen Prototyp YA-10B umgebaut wurde, um eine allwettertaugliche Nachtkampfversion zu testen. Die doppelsitzige A-10 Night Adverse Weather (N/AW) Version entstand durch den Umbau einer A-10A. Sie verfügte über einen zweiten Sitz für einen Waffensystemoffizier, der für elektronische Gegenmaßnahmen (ECM), Navigation und Zielerfassung zuständig war. Die zweisitzige Trainerversion wurde 1981 von der Air Force bestellt, aber die Finanzierung wurde vom US-Kongress gestrichen, und der Jet wurde nicht gebaut. Die einzige gebaute zweisitzige A-10 befindet sich heute im Museum des Flugtestzentrums auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien.

Die A-10 hat seit ihrer Indienststellung zahlreiche Verbesserungen erfahren. Im Jahr 2005 wurde ein Programm zur Aufrüstung der verbleibenden A-10A auf die A-10C-Konfiguration gestartet. Die gesamte Flotte von 356 A-10-Flugzeugen erhielt daraufhin die Precision Engagement-Upgrades, einschließlich eines verbesserten Feuerleitsystems (FCS), erweiterter elektronischer Gegenmaßnahmen (ECM) und einer intelligenten Bombenzielvorrichtung. Die Flugzeuge erhielten außerdem eine Allwetter-Kampffähigkeit mit einem neuen Flugcomputer, zwei neuen 5,5-Zoll-Farbdisplays (140 mm) mit Moving Map-Funktion, einem integrierten digitalen Munitionsvorratssystem und einer Hand-on-Throttle-and-Stick-Konfiguration, bei der der Steuerknüppel der F-16 mit dem Gashebel der F-15 kombiniert wurde.

Die F-35B sollte die A-10 ablösen

Der Joint Strike Fighter F-35 Lightning II sollte die A-10 eigentlich in der Flotte der USAF ablösen und ihre Aufgaben zur Luftnahunterstützung übernehmen. Angesichts der hohen Betriebskosten der F-35 und der Leistungen der A-10 wurde diese Ablösung jedoch schon mehrfach verschoben. 2012 hatte die USAF die F-35B als Ersatz für die A-10 untersucht, kam jedoch bei Untersuchungen zur Ansicht, dass die Lightning II im Vergleich zur A-10 zu wenige Einsätze pro Tag fliegen könne, um sie abzulösen.

Im Januar 2016 hat die USAF ihre Pläne zur Ausmusterung der A-10 für mindestens mehrere Jahre auf unbestimmte Zeit eingefroren. Neben dem Widerstand des Kongresses machten danach der Einsatz bei Anti-ISIS-Operationen und die Neubewertung der F-35-Zahlen ihre Beibehaltung erforderlich. Im Oktober 2016 brachte das Air Force Material Command die Depot-Wartungslinie wieder auf volle Kapazität, um die Umrüstung der Flotte vorzubereiten. Im Juni 2017 wurde schließlich bekannt gegeben, dass das Flugzeug bis auf Weiteres für die nächsten Jahre im Bestand der USAF verbleiben wird.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen. Er hat mehr als 40 Jahre für der CAA-NL gearbeitet, sein letzter Job war Inspekteur für Flugausbildung in den Niederlanden.

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