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Ministerium stoppt die Vergabe für den CH-53-Nachfolger

Eines der wichtigsten Beschaffungsprojekte der Bundeswehr hat heute einen schweren Rückschlag erlitten: Das Bundesministerium der Verteidigung hat das Vergabeverfahren „Schwerer Transporthubschrauber (STH)“ gestoppt. Die vorgelegten Angebote für die beiden Kandidaten wurden als unwirtschaftlich bewertet.

29.09.2020

Die Sikorsky CH-53K King Stallion hatte auf der ILA 2018 in Berlin ihre Airshow-Weltpremiere gegeben. © V. K. Thomalla

Die Bundeswehr benötigt dringend einen Nachfolger der 1972 eingeführten CH-53G. Auf die Ausschreibung aus dem vergangenen Jahr hatten zwei Hersteller Angebote abgegeben. Doch das Verfahren ist ins Stocken geraten: Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) hat das Vergabeverfahren für den Hubschrauber gestoppt, teilte es nun mit. „Hiermit informieren wir Sie darüber, dass das Vergabeverfahren im Projekt ‚Schwerer Transporthubschrauber (STH)‘ aufgehoben wurde. Im Rahmen der laufenden Vergabe wurde erkannt, dass eine Realisierung des Projektes im geplanten Finanzrahmen bei gleichzeitiger Erfüllung aller Forderungen unwahrscheinlich ist. Die Vergabestelle des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr hat die vorliegenden Angebote als unwirtschaftlich bewertet und aus diesem Grund das Vergabeverfahren aufgehoben“, hieß es heute aus dem Ministerium.

Boeing schickt bei der Ausschreibung für einen CH-53G-Nachfolger die CH-47 Chinook ins Rennen. © Boeing

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Anschaffung bei den vorgelegten Angeboten der beiden Kandiaten – der CH-53K King Stallion von der Lockheed Martin-Tochter Sikorsky Aircraft und der CH-47 Cinook von Boeing – fast doppelt soviel kosten würde wie die bisher eingeplanten 5,6 Milliarden Euro. Neben den zahlreichen Änderungswünschen der Bundeswehr für die Hubschrauber sei auch die intensive Einbindung der deutschen Industrie in das Programm ein kostentreibender Faktor. Demnach soll die „Wartung, Instandhaltung sowie die Anpass- und Weiterentwicklung der Hubschrauber (Gesamtsystem, insbesondere Hauptkomponenten) unabhängig vom Hersteller in Deutschland stattfinden, wenn dieser dazu nicht selbst bereit oder in der Lage ist.“

Der Zeitplan ist nicht mehr zu halten

Der bisherige Zeitplan sah eine Auswahlentscheidung noch in diesem Jahr und eine Vertragsunterzeichnung im nächsten Jahr vor. Dieser Zeitplan ist nach der heutigen Entscheidung nicht mehr zu halten. Dabei besteht kein Zweifel an der Dringlichkeit des Projektes. Eine ausreichende Lufttransport-Kapazität durch Hubschrauber ist eine wesentliche Fähigkeit der Streitkräfte. „Die Realisierung des Projekts STH hat für die Bundeswehr eine sehr hohe Priorität, da die Fähigkeit zum Lufttransport sowohl für die Mobilität und Reaktionsfähigkeit von Streitkräften wie auch für Hilfs- und Unterstützungsleistungen von herausragender Bedeutung sind. Das Projekt wird daher mit veränderten Vorgaben fortgesetzt“, teilte das BMVg mit.

Die Zeit drängt, um einen angestrebten „bruchfreien Fähigkeitserhalt“ umzusetzen. Spätestens 2030 werden die letzten CH-53G/S der Bundeswehr nicht mehr fliegen können.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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