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Ries Kamperman: Über 40 Jahre Pilot bei der Royal Netherlands Air Force

Ries Kamperman kann auf eine unglaubliche, über 40-jährige Laufbahn als aktiver Militärpilot zurückblicken. Auch heute fliegt er noch die C-130 Hercules und gibt sein Wissen an andere Luftfahrzeugführer weiter. Was er nach seiner Pensionierung in zwei Jahren macht, weiß er auch schon: Fliegen, was sonst?

26.06.2021

Im September 2020 erreichte Major Ries Kamperman die Marke von 40 Jahren im Cockpit von Militärflugzeugen. © Defensie.nl

Über 40 Jahre lang mit Spaß bei der Royal Netherlands Air Force (RNLAF) – für Major Ries „Champ“ Kamperman verging die Zeit wie im Flug. Im Moment ist er der einzige Militärpilot in der RNLAF, der mehr als 40 Jahre lang geflogen ist. Wenn er im Jahr 2023 aus der Koninklijke Luchtmacht (KLu)   ausscheidet, wird er 64 Jahre alt sein, was ziemlich einzigartig für einen aktiven Militärpiloten ist. Während seiner gesamten Karriere flog er immer weiter. Er war Kampfpilot auf der NF-5, F-104, F-16, Demo-Pilot auf der F-16, Fluglehrer auf Pilatus PC-7 und fliegt nun seit einigen Jahren die C-130H Hercules bei der 336 Squadron auf der Eindhoven Air Base.

40 Jahre Pilot bei RNLAF

Sein Credo: „Just let me fly“. Wo andere sich für Schreibtischjobs oder eine Karriere als Pilot bei einer zivilen Fluggesellschaft entschieden, blieb er der Militärluftfahrt verbunden. Er hatte die Chance, bei der KLM einzusteigen, fand aber mehr Spaß daran, Militärflugzeuge zu fliegen. Einen Monat vor seiner zivilen theoretischen Prüfung begann er zu studieren, aber am Ende ging er nur noch freitags zum Fliegen. Während dieser Zeit wurde die Bezahlung besser, so dass Ries beschloss, weiterhin F-16 zu fliegen

Aerobuzz-Autor Bob Fischer hatte die Gelegenheit, ausführlich mit „Champ“ zu sprechen. Aus der Highschool wäre er fast geflogen, weil er zu oft zum Fliegerhorst Soesterberg ging, um Flugzeuge zu beobachten. Seine Eltern trafen eine Vereinbarung mit ihm und sagten: „Wenn du die Schule abschließt, darfst du ein Segelflug-Sommercamp besuchen.“

„Das war für mich interessant“, sagt Ries zurückblickend. „Und in der Zwischenzeit hatte ich eine Anzeige in der Fernsehzeitung gefunden, die für die Luftstreitkräfte warb. Ich wollte einfach mal sehen, ob ich dort bestehen kann.“

Wann hast du deine Ausbildung bei der Luftwaffe begonnen? „1978 begann ich mit einer verkürzten Offiziersausbildung in Gilze-Rijen. Danach Flugauswahl auf dem Flugplatz Eelde auf der Beech Bonanza, ein Überlebenstraining in Gilze-Rijen, gefolgt von einem Aufenthalt auf der Sheppard Air Force Base in den USA, der 13 Monate dauerte. Nach meiner Rückkehr in die Niederlande schloss ich meine Ausbildung auf der NF-5 bei der Staffel 316 ab und begann, in Volkel, die F-104 zu fliegen.“

Ries erzählt im Gespräch, dass es nie sein Jugendtraum war, zum Militär zu gehen. In seiner Familie gab es zuvor weder Soldaten noch Piloten. Es war reiner Zufall, dass es so gekommen ist.

„Woran ich mich noch gut erinnere, sind die Vorbereitungen für den Deny-Flight-Einsatz während des Jugoslawien-Krieges“, erzählt Ries. „Damals flog ich mit dem Geschwader 306, der Fotoaufklärungseinheit der KLu. Vieles war ungewiss, denn es war der erste niederländische F-16-Einsatz in einem Kriegsgebiet. Gehen wir nun oder nicht? Wir sind dann abgeflogen und fünf Tage später wieder zurückgekehrt, da es keinen Bedarf an Fotoaufklärung gab. Eine sehr kurze Zeit, aber eine, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Die meisten Auslandseinsätze habe ich mit der Hercules gemacht. Ich hatte gerade meine Ausbildung zum taktischen Co-Piloten abgeschlossen, als ich zur Minhad Air Base in den Vereinigten Arabischen Emiraten flog, um von dort Shuttle-Flüge nach Afghanistan durchzuführen. Das ging sechs Wochen am Stück rauf und runter. Das habe ich sehr oft gemacht.“

„Natürlich hatten wir auch traurige Momente. Besonders in den achtziger und frühen neunziger Jahren passierten viele Unfälle. Wir wussten auch, dass, wenn ein Unfall passiert, zwei weitere folgen würden. Wir hatten durchschnittlich drei pro Jahr, manchmal mit tödlichem Ausgang. Das waren sehr traurige Momente, aber am Abend haben wir an der Bar ein Bier getrunken und sind dann wieder geflogen. Gemeinsam hat man die Traurigkeit überwunden, echte Kameradschaft. Als Folge der Unfälle wurden Maßnahmen ergriffen. Dadurch konnte die Anzahl der Unfälle weiter reduziert werden.“

Als RNLAF F-16 Solo Display Pilot flog Ries Kamperman diese F-16 in den Niederlanden und im Ausland. © Bob Fischer

F-16 Solo Display Team

„Ein Teil des F-16 Solo Display Teams zu sein, war fantastisch. Dem Steuerzahler zu zeigen, was die Luftwaffe leistet. Das ist ihr Wert. Wenn man einen Apache oder eine F-16 bei einer Vorführung sieht. Ich hoffe sehr, dass sie in Zukunft auch Solo-Displays mit der F-35 durchführen werden. Es war mir eine Ehre, mit dem Demo-Team zu arbeiten, das eigentlich recht klein war. Neben dem Demopiloten gab es einen Trainer, Techniker und die PR-Abteilung. Alle arbeiteten ehrenamtlich und waren sehr motiviert. Neben den regelmäßigen Air Force Days der RNLAF traten wir auch in Großbritannien, Kanada und Dubai auf. Kurz nach dem Fall der Mauer flogen wir in der Tschechoslowakei, in Bratislava. Auf diesem Flughafen hatten wir die Gelegenheit, zusammen mit MiGs zu fliegen, was ziemlich ungewöhnlich war.“

Fluglehrer auf der PC-7

Nach der F-16 ging es für Ries Kamperman sieben Jahre als PC-7-Instruktor auf den Fliegerhorst Woensdrecht, wo er zukünftigen Piloten die notwendigen Fertigkeiten der militärischen Luftfahrt beibrachte. Mit Blick auf seinen Hintergrund war Ries der ideale Pilot, um danach die C-130 zu fliegen.

C-130 Hercules

Mit seiner großen Erfahrung in der Basisfliegerei, dem Instrumentenflug und den Einsätzen mit der „Herc“ auf der ganzen Welt kann Ries seine Fähigkeiten während des Initial Qualification Training und des Line-Trainings einsetzen. Er bildet auch jüngere Piloten im Mission Qualification Training (Tactical Operations) und auch als Captain und Type Rating Instructor aus. Es dürfte klar sein, dass die RNLAF mit seinem Wissen recht zufrieden ist.

Ende der Militärkarriere in Sicht?

Zum Zeitpunkt der Vorbereitung dieses Features erzählte Ries uns, dass er die Erlaubnis erhalten hat, die C-130 noch bis zum 1. Juli 2023 weiter zu fliegen. Danach fliegt er weiter, allerdings nicht mit der C-130, sondern mit einem North American B-25 Mitchell-Bomber aus dem 2. Weltkrieg, der von der RNLAF Historical Flight auf der Gilze-Rijen Air Base betrieben wird. Das Flugzeug wird auch für Flüge an Gedenk- und Feiertagen eingesetzt. Das regelmäßige Training auf dem Muster und die damit verbundene Proficiency sind sehr wichtig, auch und gerade für die B-25. Schön zu sehen ist, dass sich einige technische Aspekte beim Fliegen der B-25 auch beim Fliegen der C-130 bemerkbar machen, aber natürlich weiter entwickelt sind. „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Vorerst bin ich noch am Arbeiten“, so Ries.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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