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Ungarn nutzt künftig deutsche A400M bei der MNAU in Lechfeld

Mit der Aufstellung der Multinational Air Transport Unit (MNAU) macht die Bundeswehr aus der Not eine Tugend: Da die Exportbemühungen für 13 von ihr bestellten A400M nicht zum Erfolg führten, können nun Partnernationen Kapazitäten auf den überzähligen Transportflugzeugen im Rahmen der MNAU nutzen. Ungarn ist die erste Nation, die von diesem Angebot Gebrauch macht.

18.09.2020

Der Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz (links) empfängt den Ungarischen Air Chief Generalmajor Nándor Killián auf dem Fliegerhorst in Wunstorf anlässlich der Eröffnung der International Air Transport Unit. © Bundeswehr/Johannes Heyn

Beim Launch des Airbus A400M-Programms im Jahr 2000 hatte Deutschland für die Bundeswehr noch einen Bedarf von etwa 75 Exemplaren des neuen Transportflugzeugs ausgemacht. Im Laufe der Jahre schrumpfte dieser Bedarf zunächst auf 60 und dann auf 53 A400M, wobei 13 dieser Transporter an andere Nationen weiterverkauft werden sollten. Die Verkaufsbemühungen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt, obwohl verschiedene Länder Bedarf an Lufttransportkapazität in Form eines Flugzeugs der Größer des Airbus A400M haben.

Standort der MNAU wird Lechfeld

2017 hatte das Bundesministerium der Verteidigung dann zwangsläufig entschieden, dass die Luftwaffe doch alle 53 bestellten A400M übernehmen sollte. Als Standort für diese zusätzlichen Transporter wurde damals bereits der Fliegerhorst Lechfeld südlich von Augsburg genannt. Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen empfahl die Aufstellung einer multinationalen Einheit, an der neben der Luftwaffe auch andere Nationen beteiligt sein sollten. Diese Bemühungen haben nun erste Früchte getragen. Am 17. September kam der ungarische Generalmajor Nándor Killián auf den Fliegerhorst Wunstorf zum Lufttransportgeschwader 62 (LTG 62), um dort gemeinsam mit dem Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, das Implementation Team des neuen internationalen Lufttransportverbandes MNAU (Multinational Air Transport Unit) aufzustellen. Ein erster technischer Offizier der ungarischen Streitkräfte ist jetzt in Wunstorf, um seine Ausbildung auf der A400M zu durchlaufen.

Mitte Juni 2020 hat die Luftwaffe ihren 33. Airbus A400M aus Sevilla nach Wunstorf überführt. © Luftwaffe

Ungarn ist die erste Partnernation der MNAU. Generalleutnant Ingo Gerhartz sagte: „Die Aufstellung des Implementation Teams der Multinational Air Transport Unit ist ein weiterer Meilenstein im multinationalen, militärischen Lufttransport. Mit der Integration des ersten technischen Offiziers der ungarischen Luftwaffe beginnt die Zusammenarbeit mit unseren ungarischen Partnern.“

Die MNAU wird nach Abschluss der Modernisierung des dortigen Fliegerhorstes nach Lechfeld umziehen. Derzeit ist vorgesehen, dort zehn A400M zu stationieren.

Die an der MNAU beteiligten Länder können neben Personal auch eigene A400M mit eigener Hoheitskennung in den Verband integrieren. Der Verband soll eine wirkliche multinationale Einheit werden, wie beispielsweise die multinationale Tanker-Einheit MMU, an der sechs NATO-Nationen beteiligt sind.

Somit könnten zum Beispiel deutsche A400M Personal und Material der Partnerländer transportieren und umgekehrt, teilte die Luftwaffe mit. Da der Airbus A400M auch andere Flugzeuge in der Luft betanken kann, besteht für die Partnerländer auch die Möglichkeit, die Luftbetankung über Zentraleuropa durch die MNAU sicherzustellen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

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    Sind die 13 Maschinen wirklich überzählig oder fehlen der BW die Besatzungen?
    Wieso wird die zeitgleich neu ins Leben gerufenene Luftransporteinheit in Frankreich mit 130 deutschen Soldaten dort mit C 130 bestückt , weil die A 400 M nur verzögert geliefert würden. Liegt das an der Spezifikation? Sind jetzt alle A 400 M geliefert und einsatzfähig?
    Hier wäre mehr Hintergrundinformation hilfreich.
    Dass Deutschland durch immer mehr multinationale Verbände auf eine europäische Armee hinarbeitet , erscheint allerdings ungeachtet der vordergründigen Begründung in diesem Artikel sinnvoll.

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