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Wehrbeauftragte bemängelt Einsatzbereitschaft von NH90 und CH-53

Die Wehrbeauftrage des Deutschen Bundestages hat jetzt ihren Jahresbericht 2020 vorgelegt. Darin äußert sie sich – wie ihre Vorgänger – kritisch über die Einsatzbereitschaft des Großgerätes der Bundeswehr. Beim fliegenden Material sieht sie viel Schatten, besonders bei den Hubschraubern, aber auch langsame Verbesserungen.

24.02.2021

Eine CH-53 der Bundeswehr landet in der Nähe von Kunduz im Rahmen des ISAF-Einsatzes am Rande eines Flußbettes. © Bundeswehr/Langer

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Dr. Eva Högl, hat gestern dem Parlament ihren Jahresbericht 2020 vorgelegt. Dr. Högl ist seit Mai 2020 im Amt, der jetzt vorgelegte Bericht ist ihr erster Jahresbericht. In ihm führt sie aus, dass die Einsatzbereitschaft und die Ausstattung bei jedem ihrer Truppenbesuche Thema seien und dass sie auch viele Eingaben zu diesem Thema erhalte. „Denn wie auch in den Jahren zuvor war im Berichtsjahr erkennbar, dass sich die Einsatzbereitschaft von relevantem Großgerät insgesamt auf einem niedrigen Niveau eingependelt hat“, schreibt sie. „Verbesserungen in der Breite erfolgen nur langsam und sind vielfach kaum erkennbar“, heißt es wörtlich in ihrem Bericht.

Sie bemängelt, dass im Bereich der Hubschrauber des Heeres keine wesentliche Erhöhung der Einsatzbereitschaft feststellbar sei und bringt mehrere Beispiele. Hinweise auf wesentliche Verbesserungen der Einsatzbereitschaft des Transporthubschraubers NH90 seien nicht ersichtlich. Im Bericht des Verteidigungsministeriums zur materiellen Einsatzbereitschaft I/2020 sei lediglich von ersten kleinen Fortschritten aufgrund der Unterstützung mit weiteren zivilen Wartungskapazitäten die Rede.

Airbus Helicopters und die Elbe Flugzeugwerke aus Dresden haben 2019 einen Zehnjahres-Auftrag für die Wartung der NH90-Hubschrauber der Bundeswehr erhalten. © Airbus Helicopters/Christian Keller

Der im Dezember 2020 erschienene Folgebericht erwähne einerseits eine tendenzielle Verbesserung der Einsatzbereitschaft des NH90, andererseits aber vermehrte Einschränkungen bei ebendieser Einsatzbereitschaft aufgrund zeitintensiver Störungsbehebungen sowie Lieferverzögerungen seitens der Industrie. Dies sei erstaunlich, da der NH90 schon mehrere Jahre zur Auslieferung komme. Dennoch gelte er immer noch als „System in der Einführungs- und Wachstumsphase“. In dieser Phase scheine es bei Großgerät nicht selten vorzukommen, dass der vorhandene Bestand über Jahre gar nicht oder nur zu einem verschwindend kleinen Teil tatsächlich vor Ort einsatzbereit sei.

Die CH-53 brauchen eine Einsatzpause

Die Einsatzbereitschaft der mittleren Transporthubschrauber CH-53, die seit 1972 bei der Bundeswehr im Dienst stehen, sei die niedrigste aller fliegenden Waffensysteme der Luftwaffe. Wichtige Austauschteile fehlten und seien nur unter größten Anstrengungen zu beschaffen. „Flugstunden auf diesem System sind deshalb Mangelware“, so die Wehrbeauftragte wörtlich. Zwischen Juni 2019 und Juni 2020 habe es 24 außerplanmäßige Landungen aus Sicherheitsgründen gegeben. Dies sei nicht akzeptabel, die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten müsse gewährleistet sein. Nach 16 Jahren Dauereinsatz in Afghanistan sei die für 2021 angekündigte Einsatzpause der CH-53 dringend notwendig, um eine gewisse Konsolidierung zu erreichen.

Schnelle Entscheidung beim STH gefordert

Vor diesem Hintergrund kommt Dr. Högl auch zu einem deutlichen Urteil in Bezug auf die Beschaffung eines CH-53-Nachfolgers. Sie schreibt: „Ebenfalls schlecht verläuft das Rüstungsprojekt eines künftigen schweren Transporthubschraubers (STH). Aus Kostengründen hat das Verteidigungsministerium das Vergabeverfahren im September 2020 aufgehoben. Das deutet darauf hin, dass die vorhandenen CH-53 noch länger in Betrieb bleiben müssen als bisher vermutet. Zwar hat das Ministerium betont, dass die Realisierung des Projekts STH eine sehr hohe Priorität habe und die Fähigkeit zum Lufttransport von herausragender Bedeutung sei. Die bis Ende 2020 angekündigte Entscheidung über das weitere Vorgehen stand zu diesem Zeitpunkt indes immer noch aus. Angesichts des seit vielen Jahren prekären Zustands der Bestandsflotte, der zentralen Bedeutung von Lufttransportkapazitäten für die Auftragserfüllung und der Marktverfügbarkeit von tauglichen und erprobten Systemen sind weder die Verfahrensdauer bis hin zu einer abschließenden Beschaffungsentscheidung noch die dadurch entstehende Fähigkeitslücke hinnehmbar.“ 

Die Luftwaffe hat 2018 auf dem Flughafen Berlin-Tegel eine A400M vorgestellt, die zur fliegenden Intensivstation umgerüstet werden kann. © Luftwaffe

In der Breite seien auch bei der Luftwaffe – trotz einzelner Fortschritte – im Berichtsjahr keine nachhaltigen Verbesserungen bei der Einsatzfähigkeit wichtiger Waffensysteme zu erkennen, stellt die Wehrbeauftragte fest. Zwar habe der Airbus A400M bei den Einsätzen im Rahmen der Operation Counter DAESH besonders als Tankflugzeug überzeugt, und wenn es die Lage in der Region erfordere, garantiere der A400M zudem aufgrund seiner Fähigkeiten zum geschützten Lufttransport auch bei Nacht die schnelle Verlegung von Personal und Material. Bei einem Truppenbesuch beim Lufttransportgeschwader 62 im September 2020 bestätigte sich für Dr. Högl ein positiver Trend hinsichtlich der Einsatzbereitschaft dieses Flugzeugmusters. Insbesondere die Möglichkeit, den A400M mit entsprechender Ausrüstung zur Evakuierung und zum Transport von Verwundeten einsetzen zu können, habe sein Einsatzspektrum erhöht. Die Luftwaffe stelle hier eine hohe Einsatzbereitschaft sicher, um eine Zwölf-Stunden-Bereitschaft für MedEvac-Missionen zu gewährleisten. Bei einer Gesamtzahl von über 30 Maschinen stünden im Verband im Durchschnitt aber nur etwa zehn bis zwölf A400M einsatzbereit zur Verfügung. Eine solche Anzahl reiche nicht aus, um Piloten in ihrer Ausbildung schnellstmöglich ins Cockpit zu bringen. Zwar fänden viele Ausbildungsanteile in sehr guten Hightech-Simulationen statt. Trotz Flugberechtigung dauere es aber teilweise noch über zwölf Monate, bis die Piloten einen echten Flug absolvieren könnten. Insoweit bestehe die dringende Notwendigkeit, dass mehr tatsächliche Flüge stattfinden, so die Wehrbeauftragte.

Licht am Ende des Tunnels sieht die Wehrbeauftragte beim Eurofighter und begrüßt die Entscheidung des Bundestages vom Februar 2020, 38 neue Eurofighter zu bestellen. Sie schreibt: „Dagegen hat sich beim Waffensystem Eurofighter der deutlich positive Trend weiter fortgesetzt. In diesem Berichtszeitraum standen den Verbänden täglich rund sechs Eurofighter mehr für den Flugbetrieb zur Verfügung als im Durchschnitt des Jahres 2019. Die Anzahl einsatzbereiter Eurofighter hat sich damit in den letzten drei Jahren merklich gesteigert. Im Spitzenwert lag die materielle Einsatzbereitschaft dieses Systems bei über 70 Prozent. In der Folge weist auch die Entwicklung der Flugstunden eine positive Tendenz auf, hat aber noch nicht den Stand erreicht, der notwendig wäre.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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