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Die Geschichte des Allwetterjägers F-86K in Soesterberg

Der Allwetterjäger F-86K im nationalen niederländischen Militärmuseum (NMM) hat eine interessante Historie, die Bob Fischer in diesem Beitrag aufzeigt. Der einstrahlige Fighter stellte eine deutliche Erweiterung der Fähigkeiten der Koninklijke Luchtmacht (KLu) dar.

26.10.2020

Die F-86K im National Militair Museum (NMM) in Soesterberg. © Bob Fischer

Schon 1948 hatten die niederländischen Luftstreitkräfte KLu (Koninklijke Luchtmacht) Pläne verfolgt, die Luftverteidigung auch auf die Nachtstunden auszudehnen. In Großbritannien hergestellte Flugzeuge wurden für diese Aufgaben in Betracht gezogen, da das Kommando Luftverteidigung damit schon Erfahrungen gemacht hatte. Anfang der fünfziger Jahre wurde klar, dass das einzige britische Flugzeug, die Gloster Meteor NF. Mk. 11, zu teuer wäre und deshalb nicht infrage kommen würde. Nach langwierigen Verhandlungen erwiesen sich die Vereinigten Staaten bereit, im Rahmen des MDAP (Mutual Defense Aid Program), 63 Sabre-Allwetterjäger vom Typ F-86K Sabre (einschließlich Ersatzteile) an die Niederlande zu liefern.

North American Aviation F-86K

Davon wurden 57 Stück von North American in den USA gebaut. Sie kamen ab Oktober 1955 per Schiff im Hafen von Rotterdam an und wurden über öffentliche Straßen zum Militärflugplatz Ypenburg transportiert. Die restlichen sechs Exemplare baute Fiat. Die ersten beiden F-86K wurden am 8. Dezember 1955 beim 700. AWX- (All Weather Interceptor) Geschwader auf der Soesterberg Air Base in Dienst gestellt.

Ab 1959 waren drei AWX-Geschwader (700, 701 und 702) auf der Twenthe Air Base stationiert. In den fünfziger Jahre hatte die Entwicklung der Luftfahrttechnik ein hohes Tempo, und die Flugzeugmuster bei den Streitkräften wechselten in schneller Folge. Das gilt auch für die F-86K, die nur wenige Jahre bei der KLu geflogen wurde. Sie wurde durch die legendäre Lockheed F-104G Starfighter ersetzt. Auch drängte die NATO auf eine größere Zahl von ferngesteuerten Flugabwehrwaffen, um schneller auf die akute feindliche Bedrohung reagieren zu können. Der letzte Flug mit einer F-86K der KLu wurde am 30. Juni 1964 durchgeführt, gerade einmal neun Jahre nach der Indienststellung des Musters.

Nachdem die letzte F-86K 1964 bei der KLu ausgemustert war, erhielt die Aeronautica Militare Italiana acht Exemplare. Drei Flugzeuge dieses Musters blieben in den Niederlanden, zwei wurden verschrottet und einer bekam einen Platz als Gate Guard auf der Twenthe Air Base.

Die F-86K war der Kaasjager

Die North American F-86K wurde in den Niederlanden Kaasjager genannt. Viele Geschichten kursieren über die Bedeutung dieser Bezeichnung. Es wäre eine Korruption der phonetisch ausgesprochenen „86K”, eine andere Version führt die Bezeichnung auf einen prominenten Amsterdamer, Herrn Kaasjager, zurück, der zum Zeitpunkt der Ankunft der F-86K die Grachten und Kanäle in Amsterdam füllen wollte, um die Parkprobleme in der Stadt zu lösen.

Infolge des „Aufräumwahns” in den sechziger Jahren ist nur das Exemplar in Twenthe als einziges erhalten geblieben. Mit Genehmigung der Vereinigten Staaten spendete Italien den Niederlanden einen Lizenzbau der F-86K. Das Flugzeug war zuletzt bei der 5. Stormo der Aeronautica Militare auf der Rimini Air Base außer Dienst gestellt worden. Diese F-86K wurde von Fiat mit der  Konstruktionsnummer 53-8305 gebaut. Am 12. Juni 1973 wurde es zur Deelen Air Base geflogen mit Treibstoffstopps in Caselle (Italien) und Reims in Frankreich. Es erhielt die Registrierung Q-305 und wurde in den Farben der niederländischen Luftstreitkräfte lackiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Flugzeug 2.588 Flugstunden gesammelt. Die F-86K war pünktlich zur 60-Jahr-Feier der KLu am 30. Juni 1973 angekommen. Im selben Jahr wurde das Flugzeug zum Militär Luftwaffen Museum (MLM) in Soesterberg transportiert.

Die ursprüngliche Q-305 (c/n 54-1305) gehört aber nicht zu den Flugzeugen, die an die italienischen Luftstreitkräfte übergeben wurden, sondern wurde auf der Soesterberg Air Base verschrottet. Sie wurde im Juli 1956 in Dienst gestellt und schon im Oktober 1964 wieder verschrottet, nach nur 1.350,7 Flugstunden. Sie flog beim AWX-Geschwader 700 in Twenthe mit dem Staffelcode 6A-10 geflogen. Der Grund, warum die Q-305 als Museumsflugzeug ausgewählt wurde, ist ebenso einfach wie banal: die Konstruktionsnummer der verschrotteten F-86K endete ebenfalls mit 305.

Bob Fischer

 

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