Homepage » Aero-Kultur » 50 Jahre Hubschraubermuseum Bückeburg: Jetzt wieder offen

Ab heute öffnet das Hubschraubermuseum in Bückeburg wieder uneingeschränkt an sieben Tagen der Woche. In diesem Jahr ist das Museum, in dem sich alles um Drehflügler dreht, 50 Jahre alt. Die offiziellen Feierlichkeiten wurden coronabedingt auf das nächste Jahr verschoben. Ein Besuch lohnt sich natürlich schon jetzt.

1.07.2021

Die Fotomontage gibt einen Eindruck davon, wie das Museum aussieht, wenn – wie angekündigt – eine CH-53 in Bückeburg ihren letzten Landeplatz gefunden hat. © Hubschraubermuseum Bückeburg

Das Hubschraubermuseum in Bückeburg öffnet ab dem 1. Juli wieder uneingeschränkt an sieben Tagen in der Woche von 10.00 bis 17.00 Uhr. Nach der Pandemie-Pause kommen die Bückeburger jetzt selbst ins Rotieren, weil sie in der zweiten Jahreshälfte ein echt strammes Programm vor sich haben: Das Museumsgebäude wird saniert und teilweise umgebaut, um bis Jahresende Platz für neue Exponate zu schaffen. Die auf den 6. und 7. Juli 2022 verschobene 50-Jahr-Feier und das an den selben Tagen stattfindende 32. Internationale Hubschrauberforum sind in der Planung. Außerdem wollen der 73-jährige Geschäftsführer Dieter Bals und seine 59-jährige Frau und Museumsleiterin Kerstin Bals ab Herbst wieder kulturelle Veranstaltungen mit Musik, Comedy und Kleinkunst im Museum anbieten.

Hubschraubermuseum Bückeburg

In einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1483 wurde am 9. Juni 1971 das Bückeburger Hubschraubermuseum eröffnet. „Als das Haus gebaut wurde, hat Leonardo da Vinci noch gelebt. Deswegen ist seine Helix-Spirale zu unserem Symbol geworden“, berichtet Dieter Bals stolz. Neben seiner Geschichtsträchtigkeit brachte das Haus aber auch einige Auflagen des Denkmalschutzes mit sich. Der Umbau vom Altersheim zum Museum unter Erhaltung der historischen Fassade gestaltete sich schwierig. Deswegen standen vor 50 Jahren die meisten Exponate auf dem Freigelände des ehemaligen Burgmannshof in Bückeburgs Stadtmitte. Die Schäden, die durch Witterung und kletterlustige Jugendliche entstanden, konnten sich die Hubschrauberliebhaber jedoch nicht lange ansehen. Dazu kam, dass „Interessenten“ immer wieder wertvolle Ausstellungsstücke mitgehen ließen. Um diese Probleme zu lösen, wurde im Jahr 1980 der erste Erweiterungsbau errichtet.

AS365 und CH-53 neu im Außenbereich

„Der zweite, zweistöckige Erweiterungsbau kam im Jahr 2011“, erinnert sich Kerstin Bals an einen der Höhepunkte ihrer 20 Jahre im Hubschraubermuseum, der den nächsten Höhepunkt gleich nach sich zog: Die Anlieferung der MBB BO 105 Flying Bulls, die über Kopf an der Decke des neuen Gebäudes befestigt wurde. Weil auch der zweite Erweiterungsbau schnell wieder voll war, muss für zwei der drei neuen Exponate wieder im Außenbereich Platz geschaffen werden. „Es ist angedacht, dass wir in den nächsten zwei Jahren eine CH-53 bekommen“, sagt Dieter Bals, der zu seiner aktiven Zeit bei der Bundeswehr als Bordtechnischer Offizier auf diesem Hubschrauber gearbeitet hat. „Als ich mit 53 in Rente ging, da habe ich fast geweint“, erinnert er sich. Doch die Freude kam sofort zurück, als ihm sein Vorgesetzter den Job des Schriftführers im Museum anbot.

Seit 25 Jahren ist er Geschäftsführer und arbeitet jetzt daran mit, seinen Lieblingshubschrauber genau vor der Glasfront des Anbaus auf dem Dach des Eingangs ausstellen zu können: „Damit die Statik passt, müssen einige Stahlträger eingebaut werden. Außerdem müssen wir einen Notausgang und zwei Oberlichter verlegen.“ Ebenfalls im Außenbereich soll ab September vor dem alten Eingang des Hubschraubermuseums noch ein Eurocopter AS365 Dauphin ausgestellt werden. Bereits ab August soll die Bell UH-1D Goodbye Huey im Hubschraubermuseum in Bückeburg zu sehen sein. Die UH-1D in Sonderlackierung kommt im Austausch für eine olivfarbene. Deswegen findet der farbenprächtige Hubschrauber einen witterungsgeschützten Platz im Gebäude.

Marshubschrauber Ingenuity

Im Hubschraubermuseum Bückeburg sind ein- und mehrrotorige Hubschrauber, Tragschrauber, Flugschrauber und Großmodelle ausgestellt. Mit dem Marshubschrauber Ingenuity, schaffte es sogar ein extraterrestrisches Exponat in die Ausstellung. „Unser Modellbauer Dieter Störig begann mit dem Bau, als die Marssonde startete. Sein Modell landete am 17. Februar bei uns im Museum. Also genau einen Tag, bevor der echte Ingenuity auf dem Mars landete“, freut sich Dieter Bals über gutes Timing.

Insgesamt gibt es 50 Exponate in Bückeburg zu sehen. Neun davon gehören nicht dem Museum, sondern sind Teil der Lehrausstellung der Bundeswehr. Darunter auch die Goodbye Huey. Die anderen Hubschrauber wurden gestiftet, wie zum Beispiel der ab Herbst zu sehende Eurocopter AS365 Dauphin von der Flugschule Heli-Flight in Reichelsheim. Sozusagen als freundliche „Beigabe“ zu einem gemeinsamen Glas Wodka, bekam Dieter Bals Vorgänger Werner Noltemeyer die goldene Mi-1 von einem russischen General bei den 3. Hubschrauber Weltmeisterschaften.

Finanzierungslücke durch Corona

Der Träger des Bückeburger Museums ist der Verein Hubschrauberzentrum e. V. Es finanziert sich über ehrenamtliche Arbeit, Spenden, sowie Privatpersonen und Firmen, die Mitglied im Verein werden. „Gerade in Zeiten von Corona sind unsere Mitglieder bei der Finanzierung ein wichtiger Baustein“, betont die Museumsleiterin.

Besonders schmerzlich war in diesem Jahr der Pandemie bedingte Ausfall des Internationalen Hubschrauberforums. „Normalerweise generieren wir dabei Einnahmen, die uns über die zwei Jahre bis zum nächsten Forum bringen“, erklärt der Geschäftsführer des Museums. „In diesem Jahr haben wir unsere Sponsoren um Hilfe gebeten und hoffen auf neue Mitglieder“, fügt seine Frau hinzu.

Das Internationale Hubschrauberforum ist eine Mischung aus einer Messe mit Ausstellern von Militär und Industrie, einem Branchentreff mit Vorträgen für Fachleute und interessierte Hubschrauberfans und einem Networking-Event der Branche. „Unsere Zukunftsplanungen konzentrieren sich vor allen Dingen auf dieses Großevent“, sagt Dieter Bals. Der Geschäftsführer hofft zunächst, dass es im kommenden Jahr wieder wie gewohnt stattfinden kann. Aber: Er will das Internationale Hubschrauberforum auch für die fernere Zukunft attraktiv halten und alle Kraft in das Event stecken.

Wie lange der 73-Jährige und seine Frau noch Teil der zukünftigen Geschichte des Hubschraubermuseums sein wollen, steht im Grunde auch schon fest: „Eine Zukunft abseits des Museums können wir uns nicht vorstellen. Da müsste uns schon unser Herrgott zu anderen Aufgaben berufen.“

Heiko Link

 

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Über Heiko Link

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Heiko Link ist Journalist und Podcaster, der in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Seine bevorzugte Berichtsform ist die humorvolle Reportage, die er am liebsten über Flugzeug-Selbstbauer schreibt. Baugeschichten und technische Themen begeistern ihn in der Luftfahrt und auch am Boden, beim Hoch- und Tiefbau. Fliegerische Erfahrung hat der Ostwestfale als Drachen-, Gleitschirm- und UL-Pilot gesammelt.

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