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Der einfühlsame Analytiker: Safety Manager Pascal Kremer

Pascal Kremer ist 48 Jahre alt und Safety Manager bei Luxembourg Airlines S.A. Der Vater von zwei Kindern arbeitet seit 1998 bei Luxair und entwickelt und verbessert die Sicherheit der Airline mit. Im Interview mit Aerobuzz.de gibt er Einblicke in seinen Beruf und Joballtag.

12.06.2022

Safety Management ist ein kontinuierlicher Prozess. Pascal Kremer ist Safety Manager bei der Luxair. © Pascal Kremer

Aerobuzz: Was sind die drei wichtigsten Tätigkeiten eines Safety Managers?
Pascal Kremer: Der wesentliche Teil meiner Arbeit besteht darin, Analysen zu machen. Ich werte die Daten im Safety Management System aus. Das sind zum Beispiel Daten vom Boden, Flight Operations, Wartungsbetrieb, Flugdaten aus Flugschreibern oder vom Flight Data Monitoring (FDM). Und auch sowas wie Fatigue-Reports, in denen es um müde und gestresste Mitarbeiter geht. Immer, wenn was schief läuft, dann gucke ich mir die Daten dazu an. Aber: Ich komme auch zum Einsatz, wenn etwas gut läuft und zum Beispiel der Captain meldet, dass der Copilot einen richtig guten Job gemacht und das Flugzeug damit gerettet hat. Dann dokumentiere ich, was der Copilot gemacht hat, analysiere das und ziehe daraus die richtigen Schlussfolgerungen.

Pascal Kremer war Pilot auf einem Embraer-Regionaljet, bevor er Safety Manager bei Luxair wurde. Foto: privat

Zur Analyse gehört das anschließende Schreiben von Reports. Das zu können, ist eine wichtige Fähigkeit, weil die Reports von ganz unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Positionen im Unternehmen gelesen werden. Dem leitenden Geschäftsführer gebe ich beispielsweise einen Status, wo Safety im Unternehmen steht. Die Risiken, die ich dabei anspreche, können finanzielle oder auch sicherheitstechnische Risiken sein.
Weil bei uns im Safety Department die Daten in einem Zentralregister zusammenlaufen, haben wir den Gesamtüberblick über die verschiedenen Abteilungen. Wir geben nach der Analyse Empfehlungen und unterstützen die verschiedenen Abteilungen dann auch bei der Umsetzung. Unsere Empfehlungen, um Risiken einzudämmen, kommen dabei immer aus drei Bereichen: 1. Training, 2. Equipment und 3. Verfahren und Gesetze.Bei allem, was ich tue, muss ich einfühlsam vorgehen. Ich bin in einer unterstützenden Funktion für sämtliche Abteilungen und muss mich auf verschiedene Kulturen und Menschen einstellen, damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit möglich ist. Es geht darum, Menschen auf Situationen hinzuweisen, ohne ihnen auf die Füße zu treten. Und ich muss sie dabei unterstützen, ihr Verhalten zu ändern. Das ist nicht immer leicht.

Aerobuzz: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Safety Manager zu werden?
Kremer: Ich habe vorher als Captain auf einer Embraer 145 gearbeitet und selbst kritische Situationen erlebt, wie zum Beispiel Steuerungsverlust oder Rauch in der Kabine. Nach sechs Jahren als Pilot hat mir das reine Fliegen nicht mehr gereicht. Ich wollte ich mich weiterentwickeln und lernen. Zunächst wurde ich Instruktor, weil mir gefiel, dass andere dann von meinen Fehlern lernen können. Als Safety Manager konnte ich dann noch einen Schritt weiter gehen und daran mitarbeiten, die Safety der Firma zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Aerobuzz: Wie sicher warst Du Dir, dass Safety Manager eine gute Idee ist?
Kremer: Ich war sicher in meiner Entscheidung, weil ich als Instruktor ja schon viel  im Bereich Safety gemacht hatte. Der Wechsel ins Safety Büro war dann der nächste logische Schritt, da ich Safety Themen hier nicht nur unterrichten, sondern auch noch entwickeln und verbessern kann.Aerobuzz: Wie bist Du an den Job gekommen?
Kremer: Als Kind wollte ich Grundschullehrer oder Pilot werden. Ich war bei allen möglichen Airshows. Am Flughafen habe ich mir am Draht die Nase platt gedrückt. Mit 16 fing ich an, in einem Club mitzufliegen. Mit 18 machte ich dann den PPL. Nach dem Abi habe ich in einer professionellen Flugschule den ATP gemacht und die Lizenz privat finanziert. Damals hatte ich viel Leidenschaft und noch keine Angst vor der Zukunft! *lacht* Ich habe mich bei Luxair als Pilot beworben und nach einem klassischen Auswahlverfahren, psychologischen Tests und dem Vorfliegen auf einem Fokker 50-Simulator den Job bekommen. Damit war ich im Unternehmen. Für den Safety Manager gab es eine interne Ausschreibung. Ich kam in die engere Auswahl und bekam diesen Job, nachdem ich ein paar Tests gemacht habe.

Aerobuzz: Was gefällt Dir am besten am Job?
Kremer: Vor allen Dingen die Arbeit im Team. Wir haben hier echt ein super Team.
Dann gefallen mir die Herausforderungen. Von der harten Landung bis hin zum Angestellten, der aufgrund persönlicher Probleme unkonzentriert arbeitet, werde ich mit den unterschiedlichsten Problemen konfrontiert.Das bringt mich zum dritten Pluspunkt, der Abwechslung. Ich sehe alle Flugdaten, bin aber auch draußen am Flieger, führe Interviews mit Crews, sitze in Meetings, schreibe Reports und so weiter. Ich befasse mich mit technischen Problemen und persönlichen Problemen und auch mit Papierkram.

Wenn ein Flugzeug steht, wird es teuer

Aerobuzz: Was ist nicht so toll am Job?
Kremer: Ich arbeite oft unter Stress. Das musst du aushalten. Ich arbeite auch viel am Wochenende und in meiner Freizeit, um Probleme schnell zu lösen. Denn: Wenn der Flieger steht, dann wird es teuer.

Aerobuzz: Welche Veränderungen wird es in dem Beruf in den nächsten fünf Jahren geben?
Kremer: Immer mehr Papierkram, der dich von der eigentlichen Arbeit ablenkt. Es muss immer mehr dokumentiert werden. Die Luftfahrt wird komplexer. Außerdem werden mit der jüngeren Generation die Hierarchien flacher. Dann nimmt definitiv der Druck auf das System zu. Vor dem Turnaround am Landeplatz noch einen Kaffee trinken und was essen? Dafür ist heute schon keine Zeit mehr. Du kommst an und fliegst gleich wieder weg. Auch das Boden- und Wartungspersonal arbeitet jetzt schon unter höherem Druck als früher. Zunehmender Druck führt zu Fehlerpotential. Das zu identifizieren, bringt dann mehr Arbeit fürs Safety Büro. Auch beim Thema Nachhaltigkeit kommt zum Beispiel mit Bio-Fuels und neuen Procedures einiges auf uns zu. Da müssen wir bei Safety frühzeitig Sicherheitsrisiken erkennen und lösen.

Aerobuzz: Welche Fähigkeiten müssen Safety Manager mitbringen, um mit diesen Veränderungen gut klar zu kommen?
Kremer: Du musst standhaft sein, weil du ja nicht immer nur gute Nachrichten bringst. Deine Ideen und identifizierten Problem musst du durchsetzen können. Du musst gut kommunizieren und Daten analysieren und vor allen Dingen die auftauchenden Probleme priorisieren können. Wenn du zum Beispiel zehn Probleme hast, aber nur Geld um drei davon zu lösen, dann musst du herausfinden, welches das gefährlichste ist. Und wenn Du eine Lösung hast, dann musst du sie verteidigen. Die Leute wehren sich in der Regel gegen Lösungen, die sie viel Geld kosten. Dann brauchst du Fakten, Daten und Analysen, um gut argumentieren zu können.

Aerobuzz: Dürfen Leser, die sich für diesen Beruf interessieren, Kontakt zu Dir aufnehmen?
Kremer: Selbstverständlich. Am besten über meine Mailadresse bei Luxair: pascal.kremer@luxairgroup.lu Ich bin für Gespräche offen und helfe, wo ich kann.

Die Fragen stellte Heiko Link

 

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Über Heiko Link

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Heiko Link ist Journalist und Podcaster, der in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht. Seine bevorzugte Berichtsform ist die humorvolle Reportage, die er am liebsten über Flugzeug-Selbstbauer schreibt. Baugeschichten und technische Themen begeistern ihn in der Luftfahrt und auch am Boden, beim Hoch- und Tiefbau. Fliegerische Erfahrung hat der Ostwestfale als Drachen-, Gleitschirm- und UL-Pilot gesammelt.

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