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Copilot sprang oder fiel aus dem Flugzeug: Der Unfall bleibt ungeklärt

Am 29. Juli 2022 ereignete sich ein tragischer Unfall in Raeford im US-Bundesstaat North Carolina, den die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB (National Transportation Safety Board) untersucht hat. Allerdings konnte sie auch nicht abschließend klären, warum ein Besatzungsmitglied aus dem Flugzeug fiel.

10.07.2024

© VKT Words and Wings 2018

Die zweiköpfige Crew des zweimotorigen Turboprop-Flugzeugs CASA C212 kam an diesem Nachmittag von einem Flug zurück, bei dem Fallschirmspringer abgesetzt wurden. Der Kapitän (PIC) berichtete später den Behörden, dass der Anflug völlig normal verlaufen sei. Sein Copilot (SIC – Second in Command) flog zu diesem Zeitpunkt die CASA. Nachdem die Höhe abgebaut war, und das Flugzeug kurz vor dem Aufsetzen auf der Gras-Runway war, gab es eine Windscherung, die das Flugzeug auf die Piste drückte. Das Aufsetzen war so heftig, dass das rechte Fahrwerksbein abriss, bevor das Flugzeug wieder an Höhe gewann.

Die Crew erklärte Luftnotlage, berichtete der Flugsicherung, dass sie ein Fahrwerksbein verloren hatte und bat um eine Ausweichlandung auf einem größeren Flughafen. In dieser Phase des Flugs hatten die Piloten die Rollen gewechselt: Der PIC flog, der SIC kommunizierte mit ATC.

Der PIC berichtete, dass der SIC etwa 20 Minuten nach dem Zwischenfall auf dem Weg zum Ausweichsplatz und nach dem Besprechen der Anflug- und Notfallverfahren nach dem harten Aufsetzen sichtlich aufgebracht war. Er beschrieb, dass der SIC etwa zu diesem Zeitpunkt sein seitliches Cockpitfenster öffnete und die Heckrampe des Flugzeugs absenkte und andeutete, dass ihm schlecht werden würde und er Luft bräuchte. Der PIC gab an, dass der SIC ihn ansah und sich entschuldigte, von seinem Sitz aufstand, sein Headset abnahm und über die Heckrampe aus dem Flugzeug lief. Der PIC informierte daraufhin den Fluglotsen, dass der Kopilot soeben ohne Fallschirm aus dem Heck des Flugzeugs gesprungen sei. Der PIC führte erfolgreich eine Notlandung durch.

Der Copilot verließ überstürzt seinen Sitz

Im Bericht des NTSB heißt es: „In seiner ersten Aussage gegenüber den Behörden gab der PIC an, dass der SIC vor dem Verlassen des Flugzeugs sichtlich aufgebracht und entschuldigend war und berichtete, dass ihm übel sei. Seine Maßnahmen zur Verbesserung der Belüftung in der Kabine, zu denen das Öffnen des Fensters und das Absenken der Heckrampe gehörten, sowie sein überstürzter Abgang von seinem Sitz stehen im Einklang mit dem Versuch, die zunehmenden Übelkeitssymptome zu bekämpfen und dem Wunsch, sich nicht im Cockpit zu übergeben. Der SIC traf jedoch die unsichere Entscheidung, bei vollständig heruntergelassener Rampe in den hinteren Teil der Kabine zu laufen, da er sich wahrscheinlich noch nie zuvor während eines Fluges mit heruntergelassener Rampe in der Kabine aufgehalten hatte. Es ist möglich, dass er in seiner Eile den Halt verlor, als er auf die Rampe trat, und versehentlich aus dem Flugzeug fiel. Wettersondierungs- und Radardaten bestätigten das Potenzial für Windscherungen und Turbulenzen, und der PIC berichtete, dass es während des Fluges mäßige Turbulenzen gegeben hatte.“

Bei der toxikologischen Untersuchung des Verunglückten wurden in seinem Körper Spuren von Mitragynin nachgewiesen. Dieser Wirkstoff wird bei Angststörungen genutzt. Er kann auch Schwindelgefühle, Hitzewallungen und Unwohlsein auslösen und wird deshalb von der FAA für aktive Piloten verboten. Das NTSB kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass es aber nicht ausreichend Beweise dafür gebe, dass die Nutzung des Wirkstoffs durch den Copiloten ursächlich zu dem Unfall beigetragen habe.

Als Unfallursache benennt die Behörde die Windscherung während der Landung sowie die daraufhin erfolgte Entscheidung des Copiloten, seinen Sitz während des Fluges zu verlassen.

 

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