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Sonaca 200: Ein Trainer, den es lohnt, sich anzuschauen (2)

Teil 2: Die Sonaca 200 ist ein Beispiel dafür, dass man auch in einem scheinbar gesättigten Markt mit einem cleveren Konzept und einem durchdachten Flugzeug Erfolg haben kann. Das Flugzeug überzeugt als Trainer und eignet sich auch für Vereine und Piloten, die ein leichtes Reiseflugzeug suchen. Aerobuzz.de hat sich die Produktion der Sonaca 200 in Namur angeschaut.

10.08.2020

Sonaca Aircraft betreibt zwei parallele Endmontagelinien in seinem Werk in Namur. © V. K. Thomalla

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Zunächst war geplant, dass „The Airplane Factory“ die Metallteile für die Sonaca 200 in Südafrika fertigt und nach Belgien verschifft. Die Südafrikaner hielten anfangs auch 25 Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen, verkauften diese aber noch vor Beginn der Serienfertigung an die Sonaca Group. Nun kommen die Baugruppen Rumpf, Flügel und Leitwerk vormontiert aus Rumänien. Dort hat die Sonaca Group die Sonaca Aerospace Transilvania (SAT) aufgebaut, die unter anderem auch Teile für die Tragflächen des Airbus A320 fertigt. Die Rümpfe werden bei SAT schon mit dem Fahrwerk verbunden, das wiederum aus den USA geliefert wird. „Das macht das Handling der Rümpfe beim Transport einfacher“, erklärt Pierre van Wetter.

Die Vormontage der Rümpfe und Tragflächen der Sonaca 200 erfolgt bei Sonaca Aerospace Transilvania (SAT) in Rumänien. © Volker K. Thomalla

Nach der Anlieferung per LKW durchlaufen die Rümpfe wie alle angelieferten Teile die Qualitätskontrolle, bevor sie zur Endmontagelinie kommen. Sonaca unterhält zwei parallele Endmontagelinien in seinem Werk in Namur, wo die Flugzeuge nach und nach Gestalt annehmen. Bei der Besichtigung der Endmontage ist deutlich sichtbar, wie viele Handlochdeckel mit Schnellverschlüssen in den Tragflächen integriert sind. Dies erleichtert und beschleunigt die Inspektionen und die Wartung der Flugzeuge, die ja als Trainer intensiv Flugstunden sammeln sollen.

Parallel zur Auslieferung der ersten Flugzeuge hat Sonaca Aircraft den Kundendienst aktiv geschaltet. Das Flugzeug existiert als komplett digitales Modell, zu dem alle Kunden einen Online-Zugang erhalten. Dort können sie genau sehen, welches Ersatzteil sie benötigen und direkt mit der richtigen Part-Number das Teil online bestellen. Die Erfahrungen damit seien sehr gut, erklärt Pierre van Wetter.

20 Flugzeuge sind in Kundenhand

Bislang fliegen 20 Sonaca 200 bei Kunden in Belgien, Frankreich, der Türkei, Großbritannien und in Estland. Die Covid-19-Pandemie habe zu keinen Problemen in der Endmontage geführt, und auch das Kundeninteresse an dem neuen Flugzeug sei gleichbleibend hoch, aber die Auslieferung von Neuflugzeugen war zum Teil eine logistische Herausforderung, so Pierre van Wetter. Kunden hätten zum Teil nicht reisen und ihr Flugzeug selbst im Werk abholen dürfen, deshalb habe er einige Flugzeuge selbst zu Kunden geflogen und sie dort übergeben. Dabei half ihm die Reichweite von 750 nautische Meilen (1.389 Kilometer) beziehungsweise die Endurance von sieben Stunden des Flugzeugs.

Sonaca bietet die 200 in drei verschiedenen Versionen an, die sich vor allem in der Instrumentierung unterscheiden. Die Basisversion ist die Sonaca 200 Trainer. Sie ist mit einem Preisschild von 182.500 Euro (ohne Steuern) versehen. In ihrem Instrumentenbrett sind analoge Rundinstrumente zu finden, allerdings auch ein digitales Engine Monitoring Instrument EDM 900 von J.P. Instruments und ein Garmin GTX335-Transponder mit Mode S/ADSB-Funktionalität.

Drei verschiedene Versionen

Als zweite Version hat der Hersteller die Sonaca 200 Trainer NG im Angebot. Sie bietet ihren Crews eine Mischung aus digitalen und analogen Instrumenten. Zwei digitale Rundinstrumente GI275 von Garmin zeigen hier den künstlichen Horizont, die GPS-Daten sowie die VOR-Anzeigen an.

Das Top-Modell in der Produktpalette des Unternehmens ist die Sonaca 200 Trainer Pro, die mit einem kompletten Glascockpit ausgerüstet ist. Garmin G500 TXi, GTN650 Xi COM/NAV, GI275 sowie ein GTX335-Transponder gehören zur Serienausstattung des 215.000 Euro (exklusive Steuern) teuren Flugzeugs. Diese Version sei aber die derzeit populärste, so Pierre van Wetter.

Die Top-Version der Sonaca 200 verfügt über ein Glascockpit. © Sonaca Aircraft

Beim Vertrieb innerhalb Europas setzt Sonaca auf Direktvertrieb ohne Händler. Man schätze den direkten Kontakt zu den Kunden und könne so schneller auf Anfragen reagieren. Die Kunden scheinen sowohl den direkten Kontakt als auch die Qualitäten des Flugzeugs zu schätzen, denn mit der türkischen Flugschule Ayjet und der belgischen Air Academy New CAG haben schon zwei der Launching Customers ihre Festbestellungen für das Muster erhöht.

Nach den Gründungsjahren in einem Hangar konnte Sonaca Aircraft im Mai 2019 sein neues Domizil am Flugplatz Namur beziehen, in dem die Flugzeugproduktion, das Engineering, der Customer Support und die Verwaltung zusammengefasst sind. Mit rund 30 Personen ist Sonaca Aircraft eine schlanke Organisation. Das Gebäude wurde nach den Vorstellungen der Firma gebaut. Die 2.000 Quadratmeter große Produktionshalle hat ausreichend Kapazität für den Bau von 60 bis 80 Einmots pro Jahr. 2019 hat Sonaca Aircraft acht Flugzeuge gebaut und ausgeliefert, in diesem Jahr, so Pierre van Wetter, will der Hersteller schon 21 Sonaca 200 produzieren, im nächsten Jahr sollen es zwischen 36 und 40 Flugzeuge sein.

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Daten Sonaca 200

Antrieb
ArtVierzylinder-Kolbenmotor
HerstellerBRP Rotax
Muster914 F (certified)
Leistung115 PS/85 kW
Propeller-HerstellerDUC Hélices
TypDreiblatt-Festpropeller
Abmessungen
Länge7,00 m
Spannweite9,15 m
Flügelfläche11,85 m2
Höhe2,56 m
Massen & Mengen
Insassen2
Leermasse460 kg
Maximale Abflugmasse750 kg
Nutzlast290 kg
Nutzlast bei vollen Tanks190 kg
Tankinhalt ausfliegbar140 Liter
Flugleistungen
Startstrecke470 m
Steigrate750 ft/min
Max. Reisegeschw.115 KTAS
VNE135 KIAS
Dienstgipfelhöhe13.000 ft (3.962 m)
Max. Reichweite750 nm (1.389 km)
Landestrecke475 m

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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