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Sonaca 200: Ein Trainer, den es lohnt, sich anzuschauen

Die Sonaca 200 ist ein Beispiel dafür, dass man auch in einem scheinbar gesättigten Markt mit einem cleveren Konzept und einem durchdachten Flugzeug Erfolg haben kann. Das Flugzeug überzeugt als Trainer und eignet sich auch für Vereine und Piloten, die ein leichtes Reiseflugzeug suchen. Aerobuzz.de hat sich die Produktion der Sonaca 200 in Namur angeschaut.

13.09.2020

Die EASA hat der Sonaca 200 im Juni 2018 die Musterzulassung erteilt. © Keith Wilson

Die belgische Sonaca Aircraft aus Namur ist ein Newcomer unter den Flugzeugherstellern in Europa, allerdings nur auf den ersten Blick, denn die Muttergesellschaft Sonaca Group des 2015 gegründeten Tochterunternehmens Sonaca Aircraft kann auf eine fast 100-jährige Geschichte in der Luft- und Raumfahrt zurückblicken. Sie arbeitet heute mit ihren verschiedenen Tochterfirmen als Zulieferer unter anderem für Airbus, Embraer und Dassault Aviation.

Sonaca 200

 

Die Gründung eines Tochterunternehmens, das in Belgien wieder ein komplettes Flugzeug herstellt, beruht auf einer Idee von drei langjährigen Angestellten der Sonaca Group. Pierre van Wetter und Carl Mengdehl sowie ein weiterer Kollege waren sich darüber im Klaren, dass Sonaca alle Kompetenzen besitzt, um ein solches Vorhaben erfolgreich anzugehen und brachten die Idee in das Unternehmen ein. Das Management war der Idee gegenüber nicht abgeneigt, wollte aber zuvor Daten sehen, für welche Art von Flugzeug überhaupt ein Markt vorhanden sei, erzählt Pierre van Wetter, der Vertriebschef von Sonaca Aircraft, beim Besuch von Aerobuzz.de in Namur.

Also besuchte er Luftsportvereine und Flugschulen in Europa und unterhielt sich mit Piloten über ihre Interessen und fliegerischen Bedürfnisse. Am Ende zeigte sich, dass es für ein zweisitziges Flugzeug für Training und Reise wohl einen Markt gebe, vorausgesetzt, es erfüllt mit seinen Eigenschaften die Bedürfnisse der Nutzer. Aber man wollte bei der Konstruktion des Flugzeugs nicht bei null beginnen, sondern auf ein bestehendes Selbstbaumuster aufbauen. „Also habe ich mir ganze Stapel von Magazinen gekauft und im Internet recherchiert, welche Flugzeuge es in dieser Klasse überhaupt alles gibt“, erzählt van Wetter.

Sie wurden in Südafrika fündig, beim Hersteller „The Airplane Factory“, der mit der Sling 2 ein Flugzeug im Angebot hatte, welches am ehesten die Voraussetzungen für eine Musterzulassung erfüllte und welches den Vorstellungen der Ingenieure entsprach. Man wurde sich handelseinig, und Carl Mengdehl als Head of Engineering und sein Team modifizierten die Sling 2 zur Sonaca 200. Dabei konstruierten sie das Flugzeug komplett digital und optimierten das Ausgangsmuster deutlich.

Hervorragende Sicht aus dem Cockpit

Die Sonaca ist ein freitragender Tiefdecker in Metallbauweise mit festem Fahrwerk und konventionellem Leitwerk. Lediglich die Cowling und die Radverkleidungen sind aus Verbundwerkstoffen. Als Antrieb entschieden sich die Konstrukteure für einen turbogeladenen Rotax 914-Vierzylinder-Motor mit 115 PS (85 kW) und einen Dreiblatt-Propeller des französischen Herstellers DUC Hélices. Die Kabine ist so ausgelegt, dass zwei Besatzungsmitglieder bequem sitzen können, auch wenn sie – wie bei der Ausbildung von Militärpiloten üblich – einen Helm tragen. Die große, sich nach hinten öffnende Schiebhaube ermöglicht eine hervorragende Außensicht, so wie man es sich von einem Schulflugzeug wünscht.

Das erste Flugzeug mit der Seriennummer TA1 war ein reines Testobjekt, das niemals abhob. Sonaca – und da zeigt sich der Anspruch des Herstellers an Qualität – ließ das Flugzeug bei der IABG in Deutschland testen, einem Unternehmen, das unter anderem die statischen und Ermüdungstests für den Airbus A350 XWB, den Airbus A380 und die Pilatus PC-24 durchgeführt hat. Da sich die beiden je 73 Liter Treibstoff fassenden Tanks im vorderen Teil des Flügels befinden, wurden sogar Vogelschlagtests in Paderborn absolviert, um sicherzustellen, dass selbst der Aufprall eines größeren gefiederten Kollegen nicht zu einem größeren Schaden führt. Die Sonaca 200 ist für Lastvielfache von +4,4 g und -1,76 g anstelle der sonst üblichen +3,8 g zugelassen. Bei den Bruchversuchen begann der Flügel der Einmot erst nach 11,3 g zu brechen, was einen für ein VLA bislang kaum erreichten Wert darstellt.

Am 20. Juni 2017 startete der Prototyp der Sonaca 200 mit dem Kennzeichen OO-NEW vom Flughafen Charleroi zum Erstflug, schon am 12. Juni 2018 erteilte die EASA dem neuen Flugzeug die Zulassung nach CS-VLA (Zulassungsnummer EASA.A.626). Vom Beginn der Konstruktion bis zur EASA-Zertifizierung hatte das Unternehmen gerade einmal drei Jahre benötigt. Im Oktober 2018 lieferte Sonaca Aircraft die ersten beiden Serienflugzeuge aus. Empfänger der ersten Sonaca 200 waren die beiden auf dem Charleroi Airport beheimateten Flugschulen Belgian Flight School (BFS) und Air Academy New CAG (New CAG).

weiter zum zweiten Teil des Beitrags mit den Daten der Sonaca 200

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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