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AW169M für Österreich: „Es kam nur eine Kooperation mit Italien in Frage.“

Österreich investiert rund 300 Millionen Euro in die Beschaffung von 18 neuen Hubschraubern für das Bundesheer. Das Bundesministerium Landesverteidigung hat nun den Beschaffungsprozess und die Begründung veröffentlicht, warum die Wahl auf die AW169M von Leonardo Helicopters fiel.

23.09.2020

Eine AW169 des italienischen Heeres. Das österreichische Bundesheer hat im September 2020 18 Exemplare der Version AW169M in Auftrag gegeben. © Bundesheer

Österreich hat sich dafür entschieden, die AW169M von Leonardo Helicopters als Ersatz für die 1967 eingeführte Alouette III zu beschaffen. Aerobuzz.de hatte darüber noch vor der offiziellen Bekanntgabe berichtet. Das Bundesministerium Landesverteidigung (BMLV) in Wien hat nun den Beschaffungsprozess in einer Mitteilung ausführlich dargestellt und erklärt, warum dieses Muster ausgewählt wurde.

Demnach hatte das BMLV ein Pflichtenheft und eine technische Leistungsbeschreibung erstellt, die 376 Muss- und Soll-Kriterien enthielt. Dann wurden Partnernationen gesucht, die einerseits selbst gerade eine Hubschrauberbeschaffung mit einem ähnlichen Anforderungsprofil beabsichtigen und andererseits auch willens sind, mit dem Bundesheer in den Bereichen Beschaffung, Logistik, Ausbildung, Betrieb und Einsatz kooperieren zu wollen“, heißt es vom BMLV.

Drei Muster in der engeren Auswahl

Neben der jetzt ausgewählten Leonardo AW169M waren noch die H145M von Airbus Helicopters und die Bell 429 von Bell in der engeren Auswahl. Für das Bell-Muster haben sich nach Angaben des Ministeriums sowohl die USA als auch Kanada – wo der Helikopter gebaut wird – eingesetzt. Allerdings betreiben weder die US-Streitkräfte noch die kanadischen Streitkräfte selber den Helikopter, so dass die angestrebte Kooperation mit den Partner-Streitkräften in Bezug auf Ausbildung, Logistik und Betrieb überhaupt nicht möglich wäre.

Für die Beschaffung der H145M hatte sich Deutschland ins Zeug gelegt, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Das BMLV in Wien ist aufgrund der Vorgänge um die Eurofighter-Beschaffung derzeit nicht gut auf den Airbus-Konzern zu sprechen. Die Begründung der Ablehnung der H145M lautet: Deutschland beschafft, ab Oktober 2024 bis Ende 2027 bis zu 60 leichte Mehrzweckhubschrauber. Da die Alouette III jedoch mit Ende 2023 aus technischen Gründen den Flugbetrieb einstellen muss, würde eine Fähigkeitslücke von mehreren Jahren entstehen. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko darin, dass in Deutschland noch nicht feststeht, welche Hubschraubertype ausgewählt werden wird. Die Bundeswehr wird sich bei der Logistik nahezu vollständig auf die Industrie abstützen. Eine Kooperation ist in diesem Bereich daher nicht möglich.“ Dabei übersieht Wien allerdings geflissentlich, dass die Bundeswehr die H145 derzeit sowohl in der SAR-Rolle als auch in der Version H145M LUH für das Kommando Spezialkräfte bereits nutzt.

Hauptbasis der AW169M wird Aigen

Das BMLV gab bekannt, dass zwölf der 18 bestellten AW169M in Aigen im Ennstal stationiert werden, die restlichen sechs Helikopter kommen zur Flieger-/Fliegerabwehrschule nach Langenlebarn als Einsatz- und Ausbildungshubschrauber. In Vorarlberg, Tirol und Kärnten werden temporäre Stützpunkte errichtet, von denen aus die AW169M betrieben werden können.

Als Vorteile der AW169M führt das Ministerium auf, dass der leistungsstarke Hubschrauber speziell für die Einsätze im Gebirge bestens geeignet sei und auch in große Höhen über ausreichende Leistungsreserven verfüge. Der neue Hubschrauber könne mit entsprechenden Missionsausstattungen alle Fähigkeitsbereiche abdecken. Weiter heißt es: „Durch den raschen Wechsel der unterschiedlichen Missionsausstattungen werden die Flexibilität zur Auftragserfüllung sowie die Durchhaltefähigkeit in den einzelnen Fähigkeitsbereichen verbessert. Durch die Verwendung desselben Hubschraubers als Schulhubschrauber kann die Ausbildung effizienter gestaltet werden und die Einsatzstaffeln von Ausbildungsaufgaben entlastet werden.“

Die zeitgemäße Avionik ermögliche auch bei Nacht beziehungsweise schlechten Witterungsbedingungen die Erfüllung aller Einsatzaufgaben, der starke Hubschrauber könne drei Mal so viel Wasser transportieren wie die Alouette III. Außerdem könne die AW169M Lufttransportaufträge geringeren Ausmaßes kostengünstiger als mit dem Black Hawk durchgeführt werden.

Die Alouette III werden nach heutiger Planung ab Mitte 2022 bis Anfang 2024 nach und nach außer Dienst gestellt.

Volker K. Thomalla

 

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