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Airbus Helicopters hat den Technologieträger Flightlab enthüllt

Die fliegende Testplattform Flightlab auf Basis einer H130 soll Airbus Helicopters helfen, neue Technologien schneller und mit größtmöglicher Reife auf den Markt zu bringen. Die ersten Versuche mit dem Flightlab haben bereits stattgefunden, hat der Hersteller nun verraten.

22.01.2021

Mit dem Flightlab wird Airbus Helicopters unter anderem noch in diesem Jahr ein elektrisches Back-up-Antriebssystem für Notfälle testen. © Airbus Helicopters

Damit eine neue Technologie Einzug in ein bestehendes oder künftiges Produkt wie beispielsweise einen Hubschrauber halten kann, muss sie ihre Zuverlässigkeit und Sicherheit in der Anwendung nachgewiesen haben. Bisher geschah dieser Nachweis in erster Linie durch einen empirischen Ansatz: Der Hersteller hat die Technologie so lange eingesetzt beziehungsweise geflogen, bis die geforderten Ergebnisse erreicht waren, was zum Teil mehrere Jahre dauerte. Airbus Helicopters hat nun mit der fliegenden Testplattform Flightlab auf Basis einer H130 einen neuen Ansatz vorgestellt, um Innovationen schneller zu marktreifen Produkten zu machen.

Airbus Helicopters H130 Flightlab

Tomasz Krysinski, Head of Research and Innovation bei Airbus Helicopters, sagte in einem Pressegespräch gestern, das Unternehmen verfolge bei Technologie-Entwicklungen und Innovationen einen dreistufigen Ansatz. Man schaue auf die kurzfristig benötigten Technologien, die auf mittlere Sicht benötigten Technologien sowie die langfristig notwendigen Innovationen. Dabei achte man wiederum auf drei strategische Ziele: Kosteneffizienz, CO2-Reduktion und Unterstützung des Piloten bei der Erfüllung seiner Missionen. Über allem stehe aber natürlich die Sicherheit. Flightlab soll Airbus Helicopters helfen, neue Technologien schneller zur Marktreife zu bringen.

Erste Flüge schon im April

Die ersten Flüge mit dem Flightlab hat Airbus Helicopters schon im April des vergangenen Jahres durchgeführt, verriet der Hersteller nun. Sie dienten zur Messung von Geräuschpegeln in urbanen Umgebungen sowie deren Eindruck auf Menschen. Dabei wurde besonders der Einfluss von Bebauung berücksichtigt. Diese Daten wollen Airbus Helicopters und die französische Zivilluftfahrtbehörde DGAC nutzen, um Lärmmodelle zu entwickeln, die bei der Entwicklung von Urban Air Mobility und bei Vorschriften für künftige Passagierdrohnen hilfreich sein können.

Der Flightlab-Hubschrauber ist eine normale H130, die jeweils mit den zu testenden Technologie-Bausteinen ausgerüstet und instrumentiert wird, sagte Alexandre Gyerczynski, der Projektleiter von Flightlab. Im Dezember hat das Unternehmen mit den Tests für ein System begonnen, das Piloten vor einer drohenden Kollision der Rotoren mit Hindernissen warnt. Das Rotor Strike Alerting System (RSAS) soll dank der Tests im Flightlab schon in diesem Sommer auf den Markt kommen. Krysinski schätzt, dass dank des Flightlab-Ansatzes Technologie-Bausteine um den Faktor 3 schneller auf den Markt kommen können im Vergleich zum bisherigen Entwicklungsansatz.

EAGLE hilft bei schlechten Sichtbedingungen

In diesem Jahr stehen Flugtests mit dem EAGLE-System auf dem Plan, das es Helikoptern ermöglichen soll, bei schlechten Sichten im Tiefflug sicher zu navigieren und zu fliegen. Dazu nutzt das EAGLE-System mehrere am Rumpf installierte Kameras und Sensoren. Sie erkennen Hindernisse automatisch und können das vor ihnen liegende Gelände mit Fotos und 3D-Geländemodellen vergleichen. Krysinski sagte: „Das System gibt dem Helikopter-Piloten quasi ein drittes Auge.“

Ebenfalls in diesem Jahr wird an Bord von Flightlab ein neues Monitoring-System HUMS (Health and Usage Monitoring System) erprobt, das speziell für leichte Hubschrauber entwickelt wurde.

Ein weiterer Technologie-Baustein, der noch 2021 an Bord des H130 Flightlab abheben wird, ist das elektrische Reservesystem EBS (Engine Back-up System), das im Fall eines Triebwerksausfall dem Piloten ermöglicht, ohne Autorotation noch sicher zu landen. Dabei treibt ein 100 Kilowatt starker Motor, der an das Hauptgetriebe angeschlossen ist, den Rotor weiter an. Der Pilot muss das System nicht manuell dazuschalten, es aktiviert sich automatisch, wenn das Triebwerk ausfällt. Airbus Helicopters arbeitet beim EBS mit Thales und Airbus Defense and Space zusammen.

Im EBS sieht Airbus Helicopters ein System der Zukunft, nicht nur als Notsystem, sondern auch als ein Hybridantrieb für Hubschrauber, das bedarfsorientiert sowohl den elektrischen Antrieb als auch die Turbine nutzt. Der Hersteller erwartet durch einen hybrid-elektrischen Antrieb eine Reduzierung des Treibstoffverbrauchs von Hubschraubern und damit eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

Ab 2022 wird Flightlab neue Flugsteuerungssysteme für Hubschrauber erproben, die das Fliegen eines Helikopters intuitiver und damit leichten machen sollen. Airbus Helicopters rechnet damit, dass diese neuen Flugführungssysteme auch bei VTOL-Fluggeräten der künftigen Urban Air Mobility genutzt werden können.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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