Homepage » Helikopter » Die US Army gibt das FARA-Programm auf

Für Bell und Sikorsky ist die Entscheidung der US Army, das Programm eines neuen Aufklärungshubschraubers zu stoppen, ein signifikanter Rückschlag. Sie hatten sich berechtigte Hoffnung auf einen milliardenschweren Auftrag gemacht. Stattdessen setzt die US-Armee nun auf unbemannte Systeme und Satellitenaufklärung.

9.02.2024

Die US Army hat das FARA-Programm aufgegeben, für das Bell sich mit der Bell 360 Invictus (Foto) und Sikorsky mit der Raider beworben hatten. © Bell Textron, Inc.

Die US Army hat gestern für ein rüstungspolitisches Erdbeben gesorgt, als sie bekanntgab, dass sie das FARA-Programm (Future Attack Reconnaissance Aircraft) einstellen werde. Für dieses Programm eines künftigen leichten Aufklärungs- und Kampfhubschraubers hatten sich mehrere Hersteller beworben, von denen am Ende nur noch Bell Textron mit dem Entwurf Bell 360 Invictus und die Lockheed-Martin-Tochter Sikorsky Aircraft mit ihrem Raider-X übrig blieben. Beide Wettbewerber haben Prototypen gebaut, die einer ausführlichen Flugerprobung und Bewertung unterzogen werden sollten. Die Prototypen werden noch bis zum Ende des Haushaltsjahres 2024 getestet, aber eine Serienproduktion werde es nicht geben.

Sikorsky trat mit seinem Entwurf Raider X beim FARA-Wettbewerb der U.S. Army an. © Sikorsky Aircraft

Die US Army sucht einen Helikopter, der in der Lage ist, in komplexen Lufträumen mit einem integrierten Flugabwehrsystem zu operieren. Der neue Drehflügler sollte die schon 2014 ausgemusterte OH-58D Kiowa Warrior bei der US Army ersetzen. Momentan übernehmen AH-64 Apache-Hubschrauber diese Gefechtsfeld-Aufklärungsaufgaben. Sie werden von der US Army aber als zu schwer für diese Missionen erachtet.

Seit 2018 hat das US-Verteidigungsministerium schon rund 2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 1,84 Milliarden Euro) in das Programm gesteckt. Der Generalstabschef der US Army, General Randy George, begründete die Annullierung des Programms in einer Mitteilung: „Wir lernen von aktuellen Gefechtsfeldern – vor allem in der Ukraine –, dass sich die Luftaufklärung grundlegend verändert hat. Sensoren und Waffen, die auf einer Vielzahl unbemannter Systeme und im Weltraum installiert sind, sind allgegenwärtiger, weitreichender und kostengünstiger als je zuvor. Ich bin zuversichtlich, dass die US Army für die gemeinsamen Streitkräfte sowohl in Schwerpunktgebieten als auch weltweit etwas leisten kann, indem sie die Innovation, die Beschaffung und den Einsatz moderner unbemannter Flugsysteme, einschließlich des Future Tactical Unmanned Aircraft System, Launched Effects und kommerzieller kleiner unbemannter Flugsysteme, beschleunigt.

Andere Systeme sind effektiver und günstiger

Man habe nach der Bewertung neuer Technologien und der Analyse aktueller Konflikte festgestellt, dass man bessere Fähigkeiten mit unbemannten und All-gestützten Systemen günstiger und effektiver bekommen könne.

Im Rahmen ihrer neuen Luftfahrt-Strategie wird die US Army auch die Produktion der neuesten UH-60 Black Hawk-Version, der UH-60V, aufgrund von wachsenden Kosten einstellen. Mit diesem Programm sollten innerhalb der nächsten zehn Jahre alle bestehenden UH-60 der US Army auf den neuesten Stand gebracht werden.

Auch die Umrüstung der AH-64-Kampfhubschrauber und der UH-60 auf das neue, leistungsstärkere Treibwerk ITEP (Improved Turbine Engine) wird verzögert.

Mit den eingesparten Geldern will die US Army nun weitere neue UH-60M Black Hawk beschaffen und die Produktion der Boeing CH-47F Block II starten. Das FLRAA-Programm, bei dem sich Bell mit der V-280 Valor durchgesetzt hat, wird wie geplant weitergeführt. Die US Army geht davon aus, dass 2030 die ersten Einheiten mit dem neuen Muster einsatzbereit sein werden.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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