Homepage » Helikopter » Frank Robinson (1930 – 2022), ein Pionier des Hubschrauberflugs

Frank Robinson (1930 – 2022), ein Pionier des Hubschrauberflugs

Der Hubschrauberkonstrukteur Frank Robinson ist gestorben. Er hat die Branche wie kaum ein anderer verändert. Er hat seine Vision von einem leichten, für viele erschwinglichen Hubschrauber in die Tat umgesetzt. Wer ihn jemals getroffen hat, weiß, warum man ihn hochachtungsvoll „Sir Frank“ nannte.

15.11.2022

Der Helikopter-Konstrukteur und Gründer der Robinson Helicopter Company, Frank Robinson, ist am 12. November 2022 im Alter von 92 Jahren verstorben. © Robinson Helicopter Company

Am 12. November 2022 ist Frank Robinson in seinem Haus in Rolling Hills südlich von Los Angeles in Kalifornien verstorben. Er wurde 92 Jahre alt. Frank Robinson hat die Hubschrauber-Branche verändert wie wenige andere Luftfahrtpioniere. Das von ihm 1973 gegründete Unternehmen, die Robinson Helicopter Company, hat bislang über 13.000 Hubschrauber gebaut, die auf der ganzen Welt fliegen.

Robinson sagte in einem Gespräch auf einer Heli-Expo, er habe als Kind ein Foto von Igor Sikorsky in seinem VS-300-Hubschrauber in der Tageszeitung in Seattle gesehen. Das habe ihn so fasziniert, dass er fortan selber Hubschrauber bauen wollte. Er erwarb einen Bachelor in Maschinenbau (Bachelor of Science in Mechanical Engineering) an der University of Washington und vertiefte seine Kenntnisse, indem er an der Wichita State University Luft- und Raumfahrttechnik studierte.

Erste Anstellung bei Cessna in Wichita

Seinen beruflichen Weg begann er bei der Cessna Aircraft Company in Wichita, wo er an der Entwicklung des Skyhook-Hubschraubers beteiligt war. Ja, Cessna hat einmal Hubschrauber gebaut. Der Helikopter wurde unter der Bezeichnung CH-1 sogar für die US Air Force in einer Kleinserie gebaut, denn die US-Streitkräfte nutzten den Viersitzer für den Transport von hochrangigen Militärs zwischen ihren Stützpunkten von Interkontinentalraketen. Vier CH-1 wurden sogar nach Südamerika exportiert. Wirtschaftlich lohnte sich das Programm für den Hersteller nicht, so dass er es 1962 einstellte.

Die Cessna CH-1 Skyhook wurde in einer Kleinserie gebaut. © US Army

Robinson wechselte daraufhin zu Bell Helicopter nach Fort Worth in Texas und später zum Hughes Helicopters. Er konnte jedoch diese beiden Firmen nicht davon überzeugen, einen leichten, zweisitzigen Trainingshubschrauber mit Kolbenmotorantrieb zu bauen. Also verließ er Hughes im Jahr 1973 und gründete als 43-Jähriger sein eigenes Unternehmen in Palos Verde.

Der Rest ist Geschichte: Trotz aller Hürden schaffte es die R22 als Robinsons erstes Muster durch die FAA-Zulassung. Im Oktober 1979 lieferte das junge Unternehmen den ersten Hubschrauber aus. Frank Robinson verfolgte das Ziel, den Hubschrauberflug zu demokratisieren. Er wollte, dass möglichst viele Menschen Hubschrauber fliegen können, und deshalb konstruierte er mit der R22 einen leichten und günstig zu betreibenden Hubschrauber.

Zehn Jahre nach der Erstauslieferung stellte er mit der R44 einen viersitzigen Kolbenmotor-Helikopter vor, der Ende März 1990 zu seinem ersten Flug abhob. Auf den Hubschrauber-Messen Heli-Expo war die Pressekonferenz von Robinson Helicopters immer die am besten besuchte Pressekonferenz, denn Frank Robinson präsentierte nicht nur die aktuellen Zahlen seines Unternehmens, sondern referierte auch häufig sehr unterhaltsam über physikalische Phänomene und mechanische Vorgänge beim Hubschrauberflug.

2004 kündigte Frank Robinson auf der Heli-Expo an, dass er eine passende Turbine für einen leichten Hubschrauber gefunden habe und er einen Turbinenhubschrauber bauen werde. Auf der Pressekonferenz wollte er sich nicht auf eine Bezeichnung festlegen lassen. Er sagte damals grinsend: „Der Neue könnte R66, aber auch R55 heißen, ich weiß es noch nicht.“

Natürlich wusste er es und hatte seine Freude daran, die Katze nicht ganz aus dem Sack zu lassen. Am Ende setzte sich die Bezeichnung R66 durch. Sie flog 2007 zum ersten Mal und 2010 lieferte das Unternehmen das erste Exemplar aus.

Mit der Einführung der R66 zog sich Frank Robinson aus der Führung des Unternehmens und immer weiter aus der Öffentlichkeit zurück. Er war ein Ingenieur aus Leidenschaft, ein Visionär mit dem festen Willen, seine Visionen auch in die Realität umzusetzen und ein Mensch mit einem feinen Humor. Frank Robinson war mit den von ihm entworfenen leichten Hubschraubern ein Gigant in der Branche. Ruhe in Frieden!

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

Der letzte Mann auf dem Mond ist gestorben

Der schnellste Mann der Welt: Chuck Yeager (1923 – 2020)

Nachruf: Rudy Frasca ist gestorben

 

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.