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airberlin fliegt tiefer in die roten Zahlen

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft airberlin hat heute ihr Jahresergebnis für 2016 sowie das Ergebnis des ersten Quartals 2017 bekanntgegeben: Der Umsatz sank weiter, das Ergebnis ist tiefrot.

29.04.2017

Eine Boeing 737-700 in Air-Berlin-Lackierung im Anflug auf den Flughafen Köln/Bonn. © V. K. Thomalla

airberlin hat heute das Finanzergebnis des Jahres 2016 sowie die Quartalszahlen für das erste Vierteljahr des Jahres 2017 vorgelegt. Der Umsatz sank 2016 auf 3,79 Milliarden Euro; 2015 waren es noch 4,08 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis sank von einem Verlust von 446,6 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 781,9 Millionen Euro Miese. Die Nettoverschuldung stieg auf erschreckende  1,175 Milliarden Euro.

Zwar konnte der Sitzladefaktor von 84,2 Prozent leicht auf 84,3 Prozent gesteigert werden,  aber  die rückläufigen Passagierzahlen und ein Rückgang der Erlöse pro Passagier verschlechterten die Erlössituation bei dem Carrier zusätzlich. Die Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 334 Millionen Euro trugen ihren Anteil zu dem schlechten Ergebnis bei. Hauptgeschäftfsührer (CEO) Thomas Winkelmann sagte: „Die unscharfe Marktposition, das stark saisonabhängige Streckennetz sowie die hohen operativen Kosten der alten airberlin haben zu diesen hochgradig unbefriedigenden Finanzergebnissen geführt. Im Herbst 2016 wurde die strategische Kehrtwende der Airline eingeleitet, ein wichtige Schritt zum Umbau der airberlin. Ich bin angetreten, um aus dem defizitären Hybrid-Carrier eine fokussierte, kosteneffiziente Netzwerk-Airline zu gestalten. Das heißt auch, über die bestehende Strategie hinaus neue Möglichkeiten auszuloten.“

Eurowings erhält von Air Berlin mehrere Airbus A320 im Rahmen eines Wet-Lease-Vertrages mit der Lufthansa. Foto und Copyright: Volker K. Thomalla

Trotz des katastrophalen Ergebnisses blieb airberlins Finanzvorstand Dimitri Courtelis relativ gelassen. Er sagte: „Das erste Halbjahr 2017 wird wie 2016 durch die strukturellen Probleme der alten airberlin und den hohen Aufwand für den Umbau der Airline geprägt sein. Es ist normal, dass man bei einem Umbau dieser Größenordnung erst durch ein Tal schreitet, bevor die Verbesserungen spürbar werden.“

Streckennetz wurde gestrafft

Nach Angaben von Thomas Winkelmann hat airberlin bereits wesentliche Fortschritte erzielt: So „konzentriert die neue airberlin ihr Streckennetz auf Flüge innerhalb Deutschlands, zu europäischen Städtezielen und mehr Langstreckenverbindungen.“ Ab Mai 2017 sollen weitere USA-Verbindungen angeboten werden. Das Streckennetz sei bereits auf die angestrebte Flottengröße von 75 Flugzeugen angepasst. Als zweiten Punkt nennt das Unternehmen das Wet-Lease-Abkommen mit der Lufthansa, nach dem 38 Flugzeuge im Wet-Lease an die Lufthansa Group abgegeben werden. 35 Flugzeuge seien schon erfolgreich transferiert.

Als dritten Punkt nennt airberlin die Trennung vom saisonabhängigen Warmwasser-Touristik-Geschäft. In einem ersten Schritt dazu wurden mit dem Sommerflugplan 2017 35 Ferienflieger der airberlin an die Tochter NIKI übergeben.

Noch hat Etihad mit airberlin Geduld

Liquidität scheint derzeit bei der angeschlagenen Airline kein Problem zu sein, solange der größte Anteilseigner, die Fluggesellschaft Etihad, nicht die Geduld verliert. Allerdings sind die Anteilseigner vom Golf auch bei der strauchelnden Alitalia an Bord, und verlieren dort ebenfalls täglich Geld. Wenn Etihad die Geduld mit airberlin verliert, kann der Fluggesellschaft schneller das Geld ausgehen, als die eingeleiteten Maßnahmen wirken.

 

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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