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IATA warnt vor finanziellem Ausbluten der Fluggesellschaften

Die Airlines beginnen zwar wieder, Flüge anzubieten, doch die Auslastung der Flugzeuge sorgt dafür, dass die meisten Flüge nicht profitabel sind und die Fluggesellschaften finanziell weiter belasten. Trotz erheblicher Kosteneinsparungen verbrennen die Airlines nach Berechnungen des Branchenverbands IATA weiterhin monatlich Milliardensummen.

16.10.2020

Die Airlines auf der ganzen Welt verbrennen nach Berechnungen der IATA im zweiten Halbjahr 2020 pro Minute rund 300.000 US-Dollar. © Volker K. Thomalla

Die finanziellen Auswirkungen der weltweiten Covid-19-Pandemie sind für den Passagierluftverkehr verheerend. Der internationale Airline-Verband IATA (International Air Transport Association) hat nun mit alarmierenden Zahlen die wirtschaftliche Lage der Branche offengelegt. Im ersten Halbjahr war der weltweite Passagierluftverkehr über mehrere Wochen quasi zum Erliegen gekommen. Die Nachfrage nach Flugtickets für Passagiere war komplett eingebrochen, einige Airlines stellten ihren Betrieb vorübergehend komplett ein, kleinere Flughäfen machten zeitweise dicht. Lediglich das Luftfrachtgeschäft lief einigermaßen normal.

Mit Beginn des Sommers entwickelte sich die Nachfrage wieder, aber sehr schleppend und weit entfernt von dem Niveau der Vor-Coronakrise. Doch die Flugzeuge sind aufgrund der Reisebeschränkungen und des fehlenden Vertrauens der Passagiere schlecht ausgebucht, so dass selbst Flüge, die durchgeführt werden, keinen Gewinn abwerfen und die Bilanz der Airlines belasten. Die IATA hat nun ausgerechnet, dass die Fluggesellschaften auf der ganzen Welt im zweiten Halbjahr dieses Jahres rund 77 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 66 Milliarden Euro) verbrauchen, das sind also fast 13 Milliarden US-Dollar pro Monat beziehungsweise 300.000 US-Dollar pro Minute!

300.000 US-Dollar pro Minute

Demgegenüber stünden weltweite staatliche Hilfen für die Airlines in Höhe von 160 Milliarden US-Dollar (137 Milliarden Euro) in Form von direkter finanzieller Unterstützung, durch Kurzarbeit-Regelungen, Steuererleichterungen und andere Instrumente.

Alexandre de Juniac, der Generaldirektor und Hauptgeschäftsführer (CEO) des in Genf beheimateten Verbandes, sagte: „Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung, die darauf abzielt, dass die Luftverkehrsindustrie überlebensfähig und startbereit bleibt, um die Wirtschaftsregionen wieder miteinander zu verknüpfen und Millionen Arbeitsplätze in der Reise- und Tourismusbranche zu unterstützen. Aber die anfänglichen Hilfen laufen aus und wir müssen wieder die Alarmglocken läuten. Wenn diese Förderprogramme nicht ersetzt oder ausgeweitet werden, werden die Folgen für eine bereits angeschlagene Industrie verheerend sein.“

Normalerweise generiere die Industrie in der Sommersaison Geld, das den Airlines über die nachfrageschwächeren Wintermonate helfe, so der Verbandschef. Angesichts des desaströsen Frühjahrs und Sommers in diesem Jahr gebe es keine Reserven. Die Krise sei tiefgreifender und dauere länger als erwartet.

Die IATA schätzt, dass die Airline-Industrie nicht vor 2022 zu einem operativen Gewinn zurückkehren werde. Die Fluggesellschaften hätten bereits durch Einsparmaßnahmen ihre Kosten um 50 Prozent zurückfahren können, aber dennoch würden sie nach Schätzungen der IATA im nächsten Jahr noch einmal zwischen 60 und 70 Milliarden US-Dollar verbrennen. In der gesamten Luftfahrtbranche seien durch die Krise bis zu 4,8 Millionen Arbeitsplätze bedroht, warnt Alexandre de Juniac. „Die Unterstützung der Regierungen für den gesamten Sektor ist notwendig. Die Auswirkungen haben sich über die gesamte Reise-Wertschöpfungskette ausgebreitet, einschließlich unserer Partner im Bereich der Flughäfen und der Flugsicherung, die zur Aufrechterhaltung ihres Betriebs auf das Verkehrsniveau vor der Krise angewiesen sind. Höhere Preise von den Nutzern zu verlangen, um die Lücken zu schließen, wären der Beginn einer bösartigen und schlimmen Spirale von weiterem Kostendruck und Kostensenkungen. Das wird die Krise für die zehn Prozent der globalen Wirtschaft, die mit Reisen und Tourismus verbunden sind, nur verlängern“, so de Juniac.

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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