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Luftfahrtindustrie bekennt sich zu nachhaltig geprägtem Restart

Wie kann der Restart des Luftverkehrs in Deutschland gelingen und wie sieht der Weg zu klimaneutralem Fliegen aus? Darüber diskutierten heute auf der zweiten Nationalen Luftfahrtkonferenz hochrangige Vertreter aus Poltik und Wirtschaft. Die Industrie ist optimistisch, bis 2035 ein serienreifes Wasserstoff-Flugzeug bauen zu können.

18.06.2021

Parkende Lufthansa-Flugzeuge: Bis die Flotte der Lufthansa wieder komplett benötigt wird, werden einige Jahre vergehen. © Lufthansa

Heute hat auf dem Flughafen BER und im Netz in einem hybriden Format die zweite nationale Luftfahrtkonferenz stattgefunden. Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten dabei über die Wiederbelebung der Luftfahrt nach der globalen COVID-19-Pandemie und über das Ziel, die Luftfahrt nachhaltiger zu gestalten und mittelfristig klimaneutral werden zu lassen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu Beginn der Konferenz: „COVID-19 war für die Luftfahrt ein existenzielles Problem – vor allem mit Blick auf den Personenverkehr. Die Luftfracht hat weniger unter der Pandemie gelitten. Sie hat durchgängig einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Lieferketten und zur Versorgung der Bevölkerung geleistet. Auch wenn die Luftfracht seit September 2020 wieder an Schub gewinnt, hat die Luftfahrt insgesamt noch immer mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Immerhin konnten wir das Schlimmste verhindern, wobei neben massiver staatlicher Unterstützung auch die Flexibilität der Unternehmen und Beschäftigten entscheidend war.“

Seit Ausbruch der Coronakrise wurden rund 1,7 Millionen Flüge in Deutschland nicht durchgeführt, die ohne die Pandemie angeboten worden wären. © V. K. Thomalla

Sie sagte weiter, es genüge nicht, die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise irgendwie zu bewältigen, sondern es müsse auch darum gehen, die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Erholung auch an den Klimazielen ausgerichtet werden. Mehr und mehr bedrohe der Klimawandel unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen. Die Antwort darauf könne nur eine umfassende Transformation sein, die eben auch die Luftfahrtindustrie betreffe. Die Dekarbonisierung aller Wirtschaftszweige dulde keinen Aufschub. Das erfordere disruptive Technologien, und zwar unverzüglich. Einiges erscheine uns heute noch wie Zukunftsmusik, aber so manches, das früher utopisch klang, wurde ja auch schon mehr und mehr zur Realität.

Ambitionierte Ziele der Politik

„Die Bundesregierung hat sich für eine ambitionierte Umsetzung der zweiten Richtlinie für erneuerbare Energien eingesetzt. Ziel ist eine steigende PtL-Kerosinquote von 0,5 Prozent ab 2026 bis auf zwei Prozent ab 2030. Das heißt, dass dann jährlich mindestens 200.000 Tonnen nachhaltigen Kerosins für den deutschen Luftverkehr produziert werden sollen. Derzeit aber lassen Preise und Menge noch zu wünschen übrig. Wir müssen also zu wettbewerbsfähigen Konditionen kommen. Dazu dient die Power-to-Liquid-Roadmap, auf die sich Bundesregierung, Länder und Wirtschaft verständigt haben. Mit Forschung, einheitlichen Rahmenbedingungen und umfassender Förderung kann der PtL-Markthochlauf gelingen“, so die Bundeskanzlerin.

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der zu der Nationalen Luftfahrtkonferenz eingeladen hatte, gab ein klares Bekenntnis zur Luftfahrt ab: „Wir wollen reisen, aber anders als vor Corona. Wir müssen smarter, intelligenter und klimafreundlicher werden. Wir brauchen das Fliegen, nicht nur, um unseren Bürgern das Reisen in den Urlaub zu ermöglichen. Deshalb setzen wir auf Innovation bei neuen Flugzeugen sowie auf synthetisches Kerosin, um Fliegen klimafreundlich zu machen und die rund 850.000 Arbeitsplätze in der Luftfahrt zukunftssicher aufzustellen. Flugtickets sollen weiterhin für alle bezahlbar bleiben. Wir müssen Fliegen und Bahnfahren gemeinsam denken. Das ist moderne Mobilität.“

Scheuer sagte auch, man werde den Restart der Branche unterstützen und beispielsweise bei den Flugsicherungsgebühren zusätzlich 190 Millionen Euro drauflegen. Man wolle aber keine subventionierten Tickets.

Auf der zweiten nationalen Luftfahrtkonferenz am 18. Juni 2021 am BER diskutierten unter anderem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (li.), BER-Geschäfstführer Engelbert Lütke Daldrup (Mi.) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (re.). © Flughafen Berlin Brandenburg/Oliver Lang

Und Bundeswirtschaftsminister Altmaier versprach, dass man die Entwicklung von klimaneutralen Flugzeugen unterstützen und dazu dreistellige Millionenbeträge in die Hand nehmen werde. „Es gibt eine neue Zuversicht. Wir alle wissen, dass wir auf das Fliegen in absehbarer Zeit nicht verzichten können, weder auf der Kurz- noch auf der Mittel- oder Langstrecke.“ Der Luftverkehr ist für eine exportorientierte Nation wie Deutschland ein wichtiges Instrument. Er garantiert das internationale Agieren der global vernetzten Volkswirtschaft. Als Wirtschaftsfaktor sicherten Luftverkehr und Luftfahrtindustrie direkt und indirekt für etwa 850.000 Beschäftigte Beschäftigung und Einkommen mit einer jährlichen Wertschöpfung von über 60 Milliarden Euro.

Luftfahrt als Technologie-Treiber

Repräsentanten der Industrie wie der BDLI-Präsident Dirk Hoke, Peter Gerber, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und Reiner Winkler, der Vorstandsvorsitzende der MTU Aero Engines, bekräftigten den Willen der gesamten Branche zur Transformation. Sie wiesen auf die Funktion der Luftfahrt als zentralen Treiber technologischer Fortschritte hin und zeigten, dass die Luftfahrtindustrie ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf eine neue Generation von zivilen Verkehrsflugzeugen konzentrierten.

Für Michael Schellhorn, den Chief Operating Officer von Airbus, spielt Wasserstoff als Energiequelle der Luftfahrt der Zukunft eine entscheidende Rolle. Er zeigte auf, dass man bis zum Jahr 2025 einen Demonstrator bauen müsse, um im Flug nachzuweisen, dass die Technologien auch zuverlässig funktionierten. Um das Jahr 2028 herum könne man dann ein konkretes Programm auflegen, das ab 2035 ein einsatzbereites Flugzeug hervorbringe.

In einer gemeinsamen Erklärung verabschiedeten die Teilnehmer strategische Ziele für die Transformation des Luftverkehrs und nannten ganz konkrete Maßnahmen, die den Restart des Luftverkehrs nach der Coronakrise unterstützen sollen. Die gemeinsame Erklärung zur Nationalen Luftfahrtkonferenz 2021 finden Sie im Wortlaut hier.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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