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Lufthansa Cargo führt morgen einen CO2-neutralen Flug durch

Die Frachttochter der Lufthansa hat angekündigt, zusammen mit ihrem Partner DB Schenker, den Flug einer Boeing 777F von Frankfurt nach Shanghai als CO2-neutralen Flug durchzuführen. Dies ist der erste CO2-neutrale Frachtlinienflug in der Geschichte. Um das zu erreichen, muss sie allerdings einen Umweg nehmen.

28.11.2020

Peter Gerber (li.), Vorstandvorsitzender der LH Cargo, und Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender der DB Schenker, vor der Boeing 777F. © Lufthansa Cargo/Oliver Rösler

Morgen, am 29. November 2020, führt die Lufthansa Cargo erstmalig einen Frachtlinienflug durch, der rein rechnerisch CO2-neutral ist. Dies haben gestern Peter Gerber, der Vorstandvorsitzende der Lufthansa Cargo, und Jochen Thewes, der Vorstandsvoristzende von DB Schenker, bei einem Termin auf dem Flughafen Frankfurt/Main bekanntgegeben. Die Boeing 777F der LH Cargo mit dem Kennzeichen D-ALFF soll planmäßig um 08.10 Uhr unter der Flugnummer LH8406 nach Shanghai starten und anschließend wieder nach Frankfurt zurückkehren.

Boeing 777F der Lufthansa Cargo

Um den Flug CO2-neutral zu machen, setzen die beiden Partner auf nachhaltig erzeugten Treibstoff. Den füllen sie aber nicht direkt in die Tanks der Boeing Triple Seven. Lufthansa Cargo wird die für diesen Flug benötigte Menge Treibstoff in Form von SAF (Sustainable Aviation Fuel) kaufen und in das Betankungssystem des Frankfurter Flughafens einleiten. SAF ist ein nachhaltig produzierter Treibstoff, bei dessen Verbrennung ausschließlich CO2freigesetzt wird, welches zuvor der Atmosphäre entzogen wurde. „SAF ist damit die erste wirkliche Alternative zu fossilem Flugtreibstoff und der Schlüssel zu klimafreundlichem, CO2-neutralem Flugverkehr“, so die Lufthansa Cargo.

SAF ist als Drop-in-Fuel zugelassen

SAF ist als so genannter Drop-in-Treibstoff zugelassen und kann ohne Probleme konventionellem Kerosin beigemischt werden. Es wird hauptsächlich aus Biomasse, beispielsweise aus nachhaltigen oder wieder verwertbaren Pflanzen- und Speiseölen oder aus nicht verwertbaren Holzspänen hergestellt. Zukünftig sollen auch nicht-pflanzenbasierte, regenerative Kraftstoffe verfügbar sein. Das bekannteste Herstellungsverfahren hierfür ist Power-to-Liquid-Konzept (PtL) bei dem aus erneuerbaren Quellen stammender Strom, Wasser und CO2 die Grundlage für den Treibstoff bilden.

Wenn Flugzeuge derzeit mit SAF betankt werden, geschieht die vor allem als Beimischung im Verhältnis 30:70, also 30 Prozent SAF und 70 Prozent fossile Treibstoffe.

Peter Gerber sagte: „Mit diesem Flug setzen wir uns für die vermehrte Forschung und Nutzung von SAF ein, sodass zukünftig ausreichende Mengen des alternativen Kraftstoffes zur Verfügung stehen. Neben Investitionen in eine moderne Frachterflotte zahlt auch unser Engagement in diesen CO2-neutralen Flug auf das Nachhaltigkeitsziel ‚Climate Action‘ der Vereinten Nationen ein. Denn Lufthansa Cargo nimmt ihre unternehmerische Verantwortung sehr ernst und ergreift aktiv Maßnahmen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden und die Umwelt zu entlasten.“

Klimaneutrale Flüge als Produkt

„Beim Klimaschutz in der Luftfracht sind wir schon weiter, als Viele denken. Das können wir mit dem ersten CO2-neutralen Frachtflug der Geschichte zeigen“, ergänzte Jochen Thewes, der  Vorstandsvorsitzende von DB Schenker, der gelichzeitg ankündigte: „Mit Beginn des Sommerflugplanes 2021 wird DB Schenker treibhausgasneutrale Luftfracht als regelmäßiges Produkt anbieten.“

Boeing hatte 2018 im Rahmen seines ecoDemonstrator-Programms einen Flug mit einer Boeing 777F der FedEx mit 100 Prozent Biofuel erfolgreich durchgeführt. Derzeit ist allerdings die Verfügbarkeit von SAF noch gering, so dass eine Umstellung des Flugverkehrs auf einen reinen SAF-Betrieb nicht möglich wäre. Aber verschiedene Energierunternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Produktionskapazitäten für SAF auszuweiten, um die produzierte Menge der Nachfrage anzupassen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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