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Lufthansa: Schlechtestes Halbjahr der Unternehmensgeschichte

Gestern hat die Lufthansa die Zahlen für das erste Halbjahr 2020 präsentiert. Das Ergebnis ist aufgrund der Coronakrise erwartungsgemäß katastrophal ausgefallen, lediglich die Lufthansa Cargo und die Lufthansa Technik bieten einen Lichtblick. Eine Erholung auf das Niveau von 2019 erwartet das Management nicht vor 2024.

7.08.2020

Die Krise infolge der Covid-19-Pandemie hat die Lufthansa – wie viele andere Fluggesellschaften auch – hart getroffen. © Lufthansa

Eine solche Zahl war bis vor kurzem völlig undenkbar: Im zweiten Quartal 2020 beförderten die Airlines der Lufthansa Group 1,7 Millionen Passagiere, das sind 96 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2019. Der Luftverkehr mit Passagieren war in dieser Zeit aufgrund der Reisebeschränkungen durch die Covid-19-Pandemie quasi zum Erliegen gekommen. Da die Airlines trotzdem aber ein Minimal-Angebot aufrechterhalten hatten, gab es eine entsprechend schlechte Auslastung von 56 Prozent.

Angesichts solcher Verkehrszahlen müssen auch die finanziellen Ergebnisse entsprechend schlecht ausfallen. Die Lufthansa teilte mit: „Im gesamten ersten Halbjahr 2020 gingen die Umsatzerlöse der Lufthansa Group um 52 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zurück (Vorjahr: 17,4 Milliarden Euro). Das Adjusted EBIT betrug minus 2,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 418 Millionen Euro), das EBIT minus 3,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 417 Millionen Euro). Die Differenz zwischen beiden Kennzahlen ergibt sich im Wesentlichen aus außerplanmäßigen Abschreibungen auf Flugzeuge und Nutzungsrechte an Flugzeugen in Höhe von 300 Millionen Euro, Abschreibungen auf Firmenwerte von 157 Millionen Euro und Wertberichtigungen von Joint Venture Beteiligungswerten im Geschäftsbereich Technik in Höhe von insgesamt 62 Millionen Euro. Darüber hinaus belastete die negative Marktwertentwicklung von Verträgen zur Treibstoffkostenabsicherung das Finanzergebnis in den ersten sechs Monaten des Jahres mit 782 Millionen Euro. Gegenüber dem Stand zum ersten Quartal verringerte sich dieser Effekt um 205 Millionen Euro. Das Konzernergebnis belief sich damit im ersten Halbjahr auf minus 3,6 Milliarden Euro (Vorjahr: minus 116 Millionen Euro).“  Das ist das schlechteste Quartals- und das schlechteste Halbjahresergebnis in der Nachkriegsgeschichte der Lufthansa.

Keine Erholung vor 2024

Das Management der Kranich-Airline erwartet eine Erholung der Nachfrage nach Flugreisen auf das Niveau von 2019 nicht vor dem Jahr 2024. Deswegen hat es ein großes Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht, um die Airline marktgerecht zu schrumpfen. Die Flotte der gesamten Lufthansa Group soll dauerhaft um 100 Flugzeuge reduziert werden. Die Teilflotten Airbus A340-600, Airbus A380 und selbst die Boeing 747 stehen unter kritischer Beobachtung und könnten dauerhaft ausgemustert werden. Im Herbst will das Unternehmen Entscheidungen über die künftige Zusammensetzung der Langstreckenflotte treffen. Um die Liquidität nicht weiter zu belasten, hat die Airline auch die Auslieferung neuer Flugzeuge bei Boeing und bei Airbus neu verhandelt und nach hinten verschoben. Waren bislang für 2021 noch Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für neue Flugzeuge geplant, so sind es derzeit noch 1,3 Milliarden.

Die Lufthansa wird ihre Airbus A380 wohl nicht mehr von München aus einsetzen, wenn sie überhaupt jemals wieder in den Liniendienst zurückkehren. © Flughafen München GmbH

Damit ist klar, dass die Airline auch weniger Personal benötigt. Das Restrukturierungsprogramm ReNew sieht den Abbau von 22.000 Vollzeitstellen in der Gruppe vor. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Airline nun nicht mehr aus, da eine solche Stellenstreichung bei heute noch 129.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht durch eine natürliche Fluktuation erreicht werden kann. Seit Anfang des Jahres hat die Lufthansa Group bereits 8.300 Stellen abgebaut. Ohne die Kurzarbeitsregelung in Deutschland sähe die Situation noch viel schlechter aus, derzeit sind in Deutschland 55.000 Lufthansa-Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Carsten Spohr, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG, sagte: „Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs. Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau. Insbesondere bei Langstreckenverbindungen wird es keine schnelle Erholung geben. Zwar konnten wir im ersten Halbjahr mit striktem Kostenmanagement sowie Erlösen von Lufthansa Technik und Lufthansa Cargo gegensteuern. Und wir partizipieren insbesondere mit unseren Privatreiseangeboten der Marken Eurowings und Edelweiss von ersten Erholungstendenzen auf touristischen Strecken. Eine tiefgreifende Restrukturierung bleibt uns dennoch nicht erspart. Wir sind davon überzeugt, dass sich die gesamte Luftfahrt an eine neue Normalität anpassen muss. Die Pandemie bietet unserer Industrie eine einzigartige Gelegenheit zur Neukalibrierung: Das Gewohnte in Frage zu stellen und statt nach ‚Wachstum um jeden Preis‘ zu streben, nachhaltig und verantwortungsvoll Werte zu schaffen.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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